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Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) veranstaltet vom 20. - 22. Mai 2005 ein Stipendiatentreffen an der TU Sofia in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Sofia und der Universität für Chemische Verfahrenstechnik Sofia (UCTM), zu dem über 200 Teilnehmer erwartet werden.
Mit Förderung des DAAD absolvieren derzeit 67 Südosteuropäer an der TU Sofia und der UCTM Sofia ein Studium in Maschinenbau, Informatik, BWL (MBA-Studiengang) und Chemischer Verfahrenstechnik. Diese Stipendiaten kommen aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Albanien - und sie studieren in Sofia auf Deutsch.

Nach den verheerenden Kriegen im ehemaligen Jugoslawien wurde, maßgeblich auf deutsche Initiative hin, von 40 Ländern und Organisationen der Stabilitätspakt für Südosteuropa aus der Taufe gehoben. Das Ziel: den Wiederaufbau in den vom Krieg gezeichneten Balkanländern zu unterstützen. Von Anfang an beteiligte sich der DAAD mit dem durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland finanzierten Programm "Akademischer Neuaufbau Südosteuropa" an dieser Initiative. Durch Zusammenarbeit über die neu entstandenen Grenzen hinweg - 44 Hochschulkooperationen mit 176 teilnehmenden Fakultäten sind entstanden - konnte ein ganz Südosteuropa umspannendes Netzwerk geschaffen werden, in dem alle Länder der Region vertreten sind. Das Besondere: An jedem Netzwerk sind neben deutschen Hochschulen jeweils mehrere Partner aus SOE beteiligt - das Programm trägt somit zur Zusammenarbeit und Aussöhnung über die heutigen Grenzen hinweg bei.
Einen besonderen Platz innerhalb des "Akademischen Neuaufbaus" nimmt das DAAD-Projekt in Bulgarien ein: Hier konnte auf langjährige DAAD-unterstützte Partnerschaften mit deutschen Hochschulen aufgebaut werden: An der "Deutschsprachigen Fakultät" der TU Sofia wird nach den Lehrplänen der U Karlsruhe und TU Braunschweig gelehrt - auf Deutsch. Wer z.B. Maschinenbau studiert, erhält auch das Karlsruher Diplom. An der UCTM Sofia kann man bei Abschluss des Deutschsprachigen Studiengangs "Chemische Verfahrenstechnik" auch ein Diplom der TU Hamburg-Harburg oder der U Magdeburg erhalten. Im Rahmen des Stabilitätspakts ermöglichte die gemeinsame Initiative des DAAD und der beteiligten Hochschulen, dass auch Stipendiaten aus Ex-Jugoslawien und Albanien an den Sofioter Universitäten einen Abschluss erhalten können. Studienaufenthalte an den deutschen Partneruniversitäten und Gastaufenthalte deutscher Dozenten in Sofia stellen sicher, dass auch der Kontakt zu den deutschen Hochschulen fester Bestandteil des Programms ist.
Die 67 Stipendiaten stammen aus Albanien, Mazedonien und den ehemaligen Kriegsregionen Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro und Kosovo. Genauso wichtig wie die international anerkannte Ausbildung, die die Stipendiaten erhalten, ist die Tatsache, dass hier im gemeinsamen Studium und Zusammenleben Vorurteile und Ressentiments abgebaut werden und so das gegenseitige Verstehen innerhalb der Region gefördert wird. Ein Stipendiat aus Bosnien und Herzegowina drückt das so aus: "Das Studium hat mir klar gemacht, dass wir auf dem Balkan mehr Gemeinsamkeiten haben als Unterschiede. ... Wir Jüngeren müssen unsere Länder gemeinsam wieder aufbauen."