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SZ-interview mit Tadic über den Kosovo

Erstellt von lupo-de-mare, 15.10.2005, 12:18 Uhr · 5 Antworten · 673 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von lupo-de-mare

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    SZ-interview mit Tadic über den Kosovo

    SZ-Interview mit dem serbischen Präsidenten
    ¸¸Unabhängigkeit kommt nicht in Frage"
    Boris Tadic nennt Bedingungen für die Kosovo-Gespräche und würde sich einem Wunsch Montenegros nach Souveränität beugen

    Die Zukunft des Kosovo wird in diesem Herbst zu einem zentralen Thema der internationalen Diplomatie, nachdem die UN einen Statusbericht vorgelegt und die Aufnahme von Verhandlungen mit Serbien und der albanischen Mehrheit in der Region empfohlen haben. Serbien sieht den Kosovo auch in Zukunft als Teil seines Staatsgebietes, die albanische Mehrheit strebt nach Unabhängigkeit. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung nennt Serbiens Präsident Boris Tadic Bedingungen für die Verhandlungen.

    SZ: Was bedeuten die Empfehlungen des UN-Berichterstatters Eide für Sie?

    Tadic: Kai Eide ist ein offener und objektiver Mensch. Er hat festgestellt, dass es große Schwierigkeiten gibt für die nicht-albanischen Völker im Kosovo. Allerdings hat er auch empfohlen, mit den Verhandlungen über den künftigen Status zu beginnen, obwohl die Menschenrechte im Kosovo bedroht sind. Diese Empfehlung ist die Konsequenz aus den realen politischen Umständen. Außerdem steht dahinter, dass die internationale Gemeinschaft im Kosovo enorme Kosten tragen muss. Wir gehen jetzt in einen Prozess der beschleunigten Reifung. Wie das ausgehen wird, ist ungewiss.

    SZ: Was genau bedeutet Ihr Motto für die Zukunft des Kosovo: ¸¸Mehr als Autonomie, weniger als Unabhängigkeit." Tadic: Alles ist offen, bis auf drei Dinge: die verfassungsrechtliche Lage des Kosovo, ein Sitz des Kosovo in den UN, und eine eigene Verteidigung.

    SZ: Abgesehen davon wäre eine Unabhängigkeit also denkbar?

    Tadic: Unabhängigkeit kommt nicht in Frage, weil sie die Souveränität, das Hoheitsrecht Serbiens über den Kosovo vernichtet. Es muss eine Lösung für die ganze Region gefunden werden, die Stabilität zulässt.

    SZ: Diese Lösung ist schwer vorzustellen. Wo sind sie zu Konzessionen bereit?

    Tadic: Serbien hat schon einen großen Kompromiss gemacht mit der Definition, dass es keine Rückkehr zu den alten Zuständen gibt. Aber auch der bestehende Zustand ist nicht akzeptabel. Serbien möchte eine Form von Souveränität über den Kosovo beibehalten, außerdem den höchsten Grad an Selbstverwaltung für die Albaner, auf deren Selbstverwaltung Serbien keinen Einfluss nehmen will. Es gibt einen Punkt, wo Serbien auf seinem Recht besteht: Die serbische Bevölkerung im Kosovo braucht ein institutionelles Recht auf Selbstverwaltung, und Belgrad muss für das serbische Volk im Kosovo mitbestimmen können. Deswegen ist die Dezentralisierung die wichtigste Frage.

    SZ: War der Wahlboykott der serbischen Bevölkerung dann sinnvoll?

    Tadic: Leider ist mein Appell zur Teilnahme an den Wahlen nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Serben im Kosovo hatten auch nicht genügend Vertrauen in die provisorischen Institutionen. Damit die Bürger an Wahlen teilnehmen, müssen sie auch etwas dafür bekommen. Zum Beispiel das Recht auf eigene Bildung, Gesundheit, auf Justiz und auf lokale Sicherheit.

    SZ: Muss dafür ein neues völkerrechtliches Korsett erdacht werden?

    Tadic: In ganz Südosteuropa gibt es kreative verfassungsrechtliche Lösungen. Bosnien-Herzegowina, Serbien-Montenegro, Mazedonien - das sind sehr einheitliche Lösungen. Und so muss es auch im Kosovo sein, mit folgenden Prinzipien: Beide Seiten müssen die Lösung akzeptieren. Europäische Standards müssen respektiert werden. Die Lösung für die Kosovo-Frage darf kein Hindernis für die europäische Eingliederung darstellen. Und sie darf Serbien nicht destabilisieren. Außerdem dürfen aus ihr keine neuen Konflikte entstehen als eine Art Domino-Effekt für die ganze Region.

    SZ: Wie würde die serbische Bevölkerung auf eine erzwungene Unabhängigkeit des Kosovo reagieren?

    Tadic: Der größte Teil der Serben aus dem Kosovo würde seine Häuser verlassen. Und bei den nächsten Wahlen würde sich der Einfluss von nichtdemokratischen Strukturen verstärken. Der Kosovo wäre ethnisch sauber, und die christliche Tradition in der Region wäre bedroht. Außerdem käme es zu einer Destabilisierung Serbiens, das die zentrale Stelle im Balkan einnimmt. Mit Kreativität wird es aber eine Lösung geben.

    SZ: EU-Mitgliedschaft für alle.

    Tadic: Bei jeder Lösung wird eine Integration der ganzen Region in die EU eine Rolle spielen, nicht nur einzelner Gebiete. Sonst würde langfristig ein Krisenherd entstehen. Serbien wird aber auch nicht für eine EU-Mitgliedschaft vom Kosovo ablassen. Es gibt keinen Staat der Erde, der einen Teil seines Gebietes preisgäbe. Serbien verteidigt damit übrigens europäisches Recht.

    SZ: Würden Sie einen Verhandlungsführer Martti Ahtisaari begrüßen?

    Tadic: Es liegt an den UN, den Sondergesandten zu wählen. Wenn es Herr Ahtisaari wird, werde ich ihn mit sehr viel Freude empfangen.

    SZ: Was, wenn Montenegro im nächstes Jahr in einem Referendum seine Unabhängigkeit wünscht?

    Tadic: Ein besonders empfindlicher Punkt. Ich denke an die Spaltung des montenegrinischen Volkes in der Frage der Unabhängigkeit. Und ich denke an eine mangelnde demokratische Tradition, übrigens überall in der Region. Wenn 50 Prozent plus eine Stimme für die Unabhängigkeit stimmen - was wird dann mit den übrigen sein?

    SZ: Im Kosovo sind es weit mehr, vermutlich über 90 Prozent.

    Tadic: Das gleiche Problem finden sie in Bosnien-Herzegowina und Mazedonien. Deswegen spreche ich immer vom gesamten regionalen Interesse, nicht nur von einem nationalen Interesse. Die Montenegriner werden entscheiden, in welche Richtung sie gehen. Serbien wird sich bei dieser Lösung nicht einmischen, ganz gleich, welches Ergebnis kommen wird. Serbien aber hat das Recht, seine Interessen zu schützen - nach dem Referendum, demokratisch und unter Absprache mit Montenegro. Die Volksabstimmung muss europäischen Standards genügen. Außerdem muss geklärt sein, welche Mehrheit für eine Unabhängigkeit notwendig ist, wie die Frage formuliert wird und in welcher Stimmung das Referendum stattfindet.

    SZ: Warum diese Freiheit für Montenegro, nicht aber für den Kosovo?

    Tadic: Ich bin mir nicht sicher, ob es das gleiche Prinzip ist. Montenegro ist ein Teil der Gemeinschaft der Staaten. Kosovo hatte den Status einer autonomen Provinz. Wenn wir die Volksentscheidung akzeptieren, dann muss sie auch in Bosnien-Herzegowina und in Mazedonien gelten.

    SZ: Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat Kroatien eine gute Zusammenarbeit bescheinigt und die Aufnahme für EU-Beitrittsgespräche ermöglicht, obwohl der Bürgerkriegsgeneral Gotovina nicht verhaftet werden konnte. Was bedeutet das für die serbische Politik in der Zusammenarbeit mit dem Tribunal?

    Tadic: Es wird sehr schwer zu erklären, warum ein Prinzip nur noch gültig sein soll für Serbien. Alle, die vor dem Haager Tribunal beschuldigt werden, sollten ausgeliefert werden. Trotzdem freue ich mich und unterstütze die baldige Eingliederung Kroatiens in die Europäische Union. Übrigens unterstütze ich auch Mazedonien bei seinen EU-Ambitionen und eine mögliche Mitgliedschaft. Das gilt auch für Bosnien-Herzegowina. Es ist nur gut, wenn alle unsere Nachbarn so schnell wie möglich Mitglied werden.

    Interview: Stefan Kornelius

    Quelle: Süddeutsche Zeitung
    Nr.238, Samstag, den 15. Oktober 2005 , Seite 11
    F

  2. #2

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    3.433

    Re: SZ-interview mit Tadic über den Kosovo

    Zitat Zitat von lupo-de-mare
    SZ: Wie würde die serbische Bevölkerung auf eine erzwungene Unabhängigkeit des Kosovo reagieren?

    Tadic: Der größte Teil der Serben aus dem Kosovo würde seine Häuser verlassen. Und bei den nächsten Wahlen würde sich der Einfluss von nichtdemokratischen Strukturen verstärken. Der Kosovo wäre ethnisch sauber, und die christliche Tradition in der Region wäre bedroht. Außerdem käme es zu einer Destabilisierung Serbiens, das die zentrale Stelle im Balkan einnimmt. Mit Kreativität wird es aber eine Lösung geben.

    F
    Ja interesanter Text

    und bei dieser Frage bleibt er sehr Diplomatisch
    wie ich denke


    er sagt nix davon das es krieg geben würde oder so was

    was viele hier behaupten

    Wenn das Kosovo durch äußeren Zwang wegfällt
    dann ist es weg

  3. #3
    und da würde dir dann einer abgehen oder ?

  4. #4

    Registriert seit
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    3.433
    Mir würde einer Abgehen???

    Was meinst du

    ich habe nur einen Kommentar zu der Antwort
    von Tadic gegeben

    weil eine sehr diplomatische antwort gegeben hat

    und außerdem warum sagt er nicht
    dass das Kosovo auf keinen Fall weggehen wird

    weil er weiß
    dass man nix dagegen machen kann

    also wie schon oft erwähnt von mir

    Ich bin mal echt gespannt was da noch Passiert
    und wie es ausgeht

  5. #5
    Avatar von lupo-de-mare

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    14.07.2004
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    Zitat Zitat von saaadi

    Ich bin mal echt gespannt was da noch Passiert
    und wie es ausgeht
    Der Kosovo wird kantonisiert, wobei die Serbischen Regionen, sehr schnell an die EU angebunden werden.

  6. #6
    Mare-Car
    Zitat Zitat von saaadi
    und außerdem warum sagt er nicht
    dass das Kosovo auf keinen Fall weggehen wird

    weil er weiß
    dass man nix dagegen machen kann
    Jo

    Eh, jesi majmun...


    SZ: Abgesehen davon wäre eine Unabhängigkeit also denkbar?

    Tadic: Unabhängigkeit kommt nicht in Frage, weil sie die Souveränität, das Hoheitsrecht Serbiens über den Kosovo vernichtet. Es muss eine Lösung für die ganze Region gefunden werden, die Stabilität zulässt.
    Er drückt sich nun mal anders aus als du oder Albanische Gossen-Diebe Politiker.

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