BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Seite 8 von 9 ErsteErste ... 456789 LetzteLetzte
Ergebnis 71 bis 80 von 85

Die Türkei - künftiges EU-Mitglied? (Interview mit Peter Scholl-Latour)

Erstellt von MaxMNE, 16.10.2011, 03:39 Uhr · 84 Antworten · 6.733 Aufrufe

  1. #71
    Kejo
    Zitat Zitat von Yunan Beitrag anzeigen
    Diese Sichtweise ist schon viel realistischer und vorallem viel nützlicher. Eigenlob stinkt und das ist das was Erdogan ununterbrochen tut. Die Türkei überschätzt sich selbst zu sehr und verhindert dadurch tatsächliche Entwicklung. Sobald klar ist, dass man sich noch viel weiter entwickeln müsste, kann das auch in Angriff genommen werden. Aber solange man sich selbst so feiert, ist man blind für eigene Schwächen.
    Gerade das tut er nicht. Nach außen mag das stimmen, er markiert den Starken, das wollen die türkischen Wähler. Verfolgt man seine Politik, fällt auf, dass er nie wirklich unüberlegt handelt. Nie. Er zoffte sich mit Israel, machte sich und die Türkei dadurch beliebt in der arabischen Welt, aber widersprach nicht, als man das Raketenabwehrsystem für IL in der Türkei installierte. Für ihn stehen seine bzw. die türkischen Interessen im Vordergrund. Wie er sie bedient, ist ihm egal. Dafür kooperiert er mit jedem. Selbst sein Wutausbruch in Davos war ein im Nachhinein sehr intelligenter Schritt. Er ist Vollblutstratege, was ihm nützt, das macht er auch.

  2. #72
    Yunan
    Das nennt man Doppelmoral und Heuchelei und sogar Betrug am eigenen Wähler. Diese diktatorischen Spielchen waren vielleicht zu Zeit des Sultans "in", aber einer Demokratie nicht würdig. Das Volk herrscht und nicht irgendein Kerl, der alles als ein Spiel betrachtet.

  3. #73
    Kejo
    Zitat Zitat von Yunan Beitrag anzeigen
    Das nennt man Doppelmoral und Heuchelei und sogar Betrug am eigenen Wähler. Diese diktatorischen Spielchen waren vielleicht zu Zeit des Sultans "in", aber einer Demokratie nicht würdig. Das Volk herrscht und nicht irgendein Kerl, der alles als ein Spiel betrachtet.
    Interessenwahrnehmung ist antidemokratisch, schitiemt.

  4. #74
    Yunan
    Persönliche Interessenswahrnehmung und Beeinflussung des Volkes zum eigenen Zweck ist antidemokratisch und gegen alle moralischen und ethischen Prinzipen, auch gegen die religiösen.

  5. #75
    Kejo
    Zitat Zitat von Yunan Beitrag anzeigen
    Persönliche Interessenswahrnehmung und Beeinflussung des Volkes zum eigenen Zweck ist antidemokratisch und gegen alle moralischen und ethischen Prinzipen, auch gegen die religiösen.
    Na ja, mit persönlichen Interessen meine ich nicht das Entwenden von Geld aus der Staatskasse, sondern das Streben, wiedergewählt zu werden - das ist bei allen Politikern so. Ich meinte eher, dass er die Türkei in den letzten 10 Jahren ziemlich europäisiert hat.

  6. #76
    Kejo
    Zitat Zitat von Harput Beitrag anzeigen
    Na ja, mit persönlichen Interessen meine ich nicht das Entwenden von Geld aus der Staatskasse, sondern das Streben, wiedergewählt zu werden - das ist bei allen Politikern so. Ich meinte eher, dass er die Türkei in den letzten 10 Jahren ziemlich europäisiert hat.
    Und mit europäisiert meine ich, dass die Türkei viel aggressiver ihre eigenen Interessen verfolgt als noch vor 15 Jahren.

  7. #77
    Avatar von Toruko-jin

    Registriert seit
    22.04.2012
    Beiträge
    21.065
    Zitat Zitat von Yunan Beitrag anzeigen
    Diese Sichtweise ist schon viel realistischer und vorallem viel nützlicher. Eigenlob stinkt und das ist das was Erdogan ununterbrochen tut. Die Türkei überschätzt sich selbst zu sehr und verhindert dadurch tatsächliche Entwicklung. Sobald klar ist, dass man sich noch viel weiter entwickeln müsste, kann das auch in Angriff genommen werden. Aber solange man sich selbst so feiert, ist man blind für eigene Schwächen.
    Na ja, in Europa versucht man die Türkei immer kleiner zu sehen als sie tatsächlich ist und die Türken, aufgrund des Nationalbewusstseins, neigen etwas zu Übertreibungen.

    Bestes Beispiel ist immer der Vergleich mit den nominalen Werten. Die Wahrheit liegt wie üblich irgendwo dazwischen.

  8. #78
    Avatar von Duušer

    Registriert seit
    20.05.2009
    Beiträge
    4.820
    Ich bin nur gespannt wann die Kapitalismusblase in der Türkei platzt. EU bröckelt, arabische Partnerstaaten versinken im Chaos (die mittlerweile wichtiger für den Export sind als die EU) und der Iran guckt auch schon kritisch Richtung Türkei da sie für Assad sind und die Türken nicht. Da könnte man leicht das Öl abdrehen.

  9. #79
    Yunan
    Zitat Zitat von Harput Beitrag anzeigen
    Na ja, mit persönlichen Interessen meine ich nicht das Entwenden von Geld aus der Staatskasse, sondern das Streben, wiedergewählt zu werden - das ist bei allen Politikern so. Ich meinte eher, dass er die Türkei in den letzten 10 Jahren ziemlich europäisiert hat.
    Du sprichst zwei Dinge gleichzeitig an. Die Steuerung eines Staates in eine Richtung ist die eine Sache, der Wahlkampf eine andere.

    Es geht nicht um finanzielle Interessen sondern um ideologische und die verfolgt Erdogan ohne Rücksicht auf Verluste.
    Eine Politik ausgerichtet auf die Wiederwahl ist etwas anderes und hat keine Verbindung mit der Ideologie. Das überlappt sich bei Erdogan durch Zufall miteinander, da er eine populistische Politik verfolgt die hauptsächlich die gemeinsamen Interessen der USA und der Türkei sind. Dieses ganze Zeug a la "Panislamismus" schmückt das ganze nur aus und versucht dem ganzen, Glaubwürdigkeit zu verleihen.

    Dass aufgrund der Widerwahl populistische Politik betrieben wird, ist ein Problem der Parteien-"Demokratie" und größter Störfaktor. Parteien sind nur Zwischenstationen auf dem Weg zu einer Entscheidung. Doch auf dem Weg hin zu einer Entscheidung geht viel von der ursprünglichen Forderungen verloren durch verschiedene Interessen, die die Entscheidungsträger auf dem Weg dorthin beeinflussen. Die Parteien-Demokratie ist daher gescheitert.

    Es kann nur eine Demokratie geben und das ist die Basis-Demokratie aber das ist ein anderes Thema.

    - - - Aktualisiert - - -

    Zitat Zitat von Toruko-jin Beitrag anzeigen
    Na ja, in Europa versucht man die Türkei immer kleiner zu sehen als sie tatsächlich ist und die Türken, aufgrund des Nationalbewusstseins, neigen etwas zu Übertreibungen.

    Bestes Beispiel ist immer der Vergleich mit den nominalen Werten. Die Wahrheit liegt wie üblich irgendwo dazwischen.
    Genau darauf wollte ich hinaus. Es gibt dort zwei extreme Sichtweisen. Die eine untertreibt und die andere übertreibt.

  10. #80
    Avatar von Pholiko

    Registriert seit
    17.10.2010
    Beiträge
    2.551
    Zitat Zitat von Duušer Beitrag anzeigen
    Ich bin nur gespannt wann die Kapitalismusblase in der Türkei platzt. EU bröckelt, arabische Partnerstaaten versinken im Chaos (die mittlerweile wichtiger für den Export sind als die EU) und der Iran guckt auch schon kritisch Richtung Türkei da sie für Assad sind und die Türken nicht. Da könnte man leicht das Öl abdrehen.
    Wenn die Blase platzt, hat sie woanders ihren Anfang, z.B. bei den USA - da wären die meisten Ländern am Arsch, auch die Türkei.
    Die EU bröckelt, deswegen gibt es eine Umverteilung was die Exporte der Türkei angeht - ein relativ intelligenter Schritt (dennoch knapp die Hälfte der Exporte gehen in die EU, man ist also irgendwo immer noch abhängig)
    Die arabischen Länder versinken im Chaos - das ist als eher positiv zu betrachten, denn damit gewinnt die Türkei in der Region an Macht und Einfluss, kann sich besser auf diesem Markt "vermarkten" und die Exporte an "Schwächere" steigern - sofern Nachfrage besteht.
    Der Iran guckt kritisch - hast schon recht, ist aber nichts neues... Die guten Beziehungen sind ein relativ neues Phänomen, man ist es eigentlich gewohnt nicht "die Freunde" zu sein... Aber Assad ist ganz bestimmt kein Grund für den Iran, das Öl abzudrehen. Nicht nur die Türkei ist vom Iran abhängig, auch anders herum, da die Türkei zur Zeit fast das einzige eher westlich geprägte Land ist, das man als Freund bezeichnen könnte. Mal davon abgesehen dass sich die Iraner wahrlich nicht alles leisten können, die Sanktionen der EU treffen die Wirtschaft schon, auch wenn es der Herr kleinreden mag. Zusätzliche Belastung ist demnach wahrscheinlich unerwünscht.

Seite 8 von 9 ErsteErste ... 456789 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 22.07.2012, 15:27
  2. Ohnmacht und Anmassung - Peter Scholl Latour
    Von Mastakilla im Forum Kosovo
    Antworten: 61
    Letzter Beitrag: 18.06.2010, 22:18
  3. Peter Scholl-Latour
    Von meko im Forum Geschichte und Kultur
    Antworten: 21
    Letzter Beitrag: 07.08.2009, 18:14
  4. Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 11.02.2009, 21:11
  5. Kartenkunde Bosnien - Peter Scholl-Latour
    Von Mastakilla im Forum Politik
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 11.12.2008, 20:48