Gül: Abkommen soll bis Oktober unterzeichnet werden - Käme nach Lesart der EU einer faktischen Anerkennung Zyperns durch Ankara gleich
Ankara - Die Türkei hat zugesichert, das Zollabkommen mit der EU auf die zehn neuen Mitglieder der Europäischen Union auszudehnen. Dies käme nach Lesart der EU einer faktischen Anerkennung Zyperns durch Ankara gleich. Außenminister Abdullah Gül sagte am Sonntag, das Abkommen werde zu gegebener Zeit unterschrieben. "Wir bereiten uns auf Oktober vor."

Die Ausdehnung der Zollunion ist ein entscheidender Punkt für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union, die am 3. Oktober beginnen sollen. Gül äußerte sich nach Gesprächen mit Erweiterungskommissar Olli Rehn und dem Vorsitzenden des EU-Außenministerrats, dem Luxemburger Jean Asselborn.

Beim EU-Gipfel im Dezember, bei dem der Start der Verhandlungen für den 3. Oktober festgelegt wurde, hatte sich die Türkei verpflichtet, ein solches Protokoll zu unterzeichnen. Bisher erkennt die Türkei die griechische Inselrepublik nicht an. Nach türkischem Verständnis bedeutet aber auch die Unterzeichnung des Zusatzprotokolls über die Zollunion keine politische Anerkennung der Regierung in Nikosia.

Zypern ist geteilt, seit türkische Truppen 1974 nach einem Putsch griechischer Extremisten in Nikosia den Nordteil der Insel besetzten. Die Türkische Republik Nordzypern, wo 30.000 türkische Soldaten stationiert sind, wird nur von Ankara anerkannt.

Die Mittelmeerinsel ist seit vergangenem Mai EU-Mitglied, deren Regelwerk findet aber nur im griechischen Süden Anwendung. Bei einem Referendum im April über einen UNO-Plan zur Wiedervereinigung der Insel hatten sich die türkischen Zyprioten mit großer Mehrheit dafür, die Griechen jedoch dagegen ausgesprochen. (APA/AP)

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