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Über die jüngste Vergangenheit Kosovas

Erstellt von Feuerengel, 04.01.2006, 13:58 Uhr · 1 Antwort · 550 Aufrufe

  1. #1
    Feuerengel

    Über die jüngste Vergangenheit Kosovas

    Über die jüngste Vergangenheit Kosovas
    Dokumente für eine aktuelle Debatte


    Die Redaktion von Kosova-Aktuell publiziert zum Zerfall Jugoslawiens und zur chauvinistischen Unterdrückung der Albaner durch den serbischen Nationalismus einige Artikel aus „ZERI I POPULLIT“, dem ehemaligen Organ der Partei der Arbeit Albaniens. Die Artikel sind historische Dokumente, der Abdruck dieser Dokumente signalisiert keineswegs „enveristische“ Neigungen in der Redaktion von Kosova-Aktuell. Allerdings haben die publizierten Artikel den Vorteil dem deutschen Lesepublikum die Geschichte Kosovas nahezubringen. Gerade in dieser Frage herrscht bei weiten Teilen der aktuellen deutschen „Linken“ die allergrößte Verwirrung. Aus Unkenntnis über die Geschichte der Region oder durch das Abgleiten in esoterische Verdrängungstheorien, wird in Übereinstimmung mit den imperialen Mächten das Selbstbestimmungsrecht Kosovas abgelehnt. Die abgedruckten Artikel haben den Vorteil, die Debatte zu versachlichen und dem geneigtem Leser historische Fakten an die Hand zu geben.

    Für die Redaktion Max Brym


    Über das Buch "Kosova Vergangenheit und Gegenwart", eine Publikation der Zeitschrift "Meschdunarodnaja Politika", Belgrad 1989


    Vor kurzem erschien in Belgrad ein sogenanntes "Weissbuch", das aber gar nicht schwärzer sein könnte. Das Buch trägt den Titel "Kosova Vergangenheit und Gegenwart". Es wurde auch in einige Fremdsprachen übersetzt und rasch innerhalb der UNO und in verschiedenen Ländern verbreitet. Es handelt sich um ein Buch, das aus mehreren tendenziösen, unwissenschaftlichen, für die KrimiPresse geeigneten Propagandaartikeln besteht.


    Die offiziellen Organe Jugoslawiens haben seit längerem schon behauptet, mit diesem Buch würde das KosovaProblem geklärt werden; man würde beweisen, dass man dort immer richtig vorgegangen ist und dass auch der Terror und die Ermordung von Albanern zu rechtfertigen seien.


    Gewöhnlich bemühte sich Jugoslawien, sich das Image eines emanzipierten Landes zu schaffen, eines ultrazivilisierten europäischen Landes, ja eines Schrittmachers der politischen und ökonomischen Theorien des 20. Jahrhunderts. Liest man aber die flauen Artikel des "Weissbuches" über Kosovo, jene triviale, von brutalem Hass gegen die Albaner als Volk und als Nation strotzende Phraseologie, so drängt sich unwillkürlich der Gedanke auf, dass die Worte Freundschaft und Gleichheit zwischen den Nationen, Gerechtigkeit und soziale Emanzipation, die von den Jugoslawen für den Export benutzt werden, Heuchelei des gemeinsten Typs sind.


    Es spielt sich auch als Bannerträger der nicht paktgebundenen Länder auf, es behauptet sogar, den anderen empfehlen zu können, wie sie vorwärts kommen, wie sie die Meinungsverschiedenheiten lösen, wie sie die Ideen der Zeit verstehen und den Fortschritt sichern können. In diesem "Weissbuch" kommt aber auch das zweite Gesicht Belgrads zum Vorschein, jenes eines Unterdrückers der demokratischen Rechte und der Freiheiten der Menschen. Das 500 Seiten starke Buch enthält aber keine einzige Zeile, in der erklärt würde, weshalb dutzende friedliche Albaner ermordet wurden, weshalb Tausende Jungen und Mädchen eingesperrt worden sind, weshalb die albanische Intelligenz, albanische Wissenschaftler und Lehrer, die albanische Schule, Sprache und Kultur verunglimpft werden. Anstatt die Bevölkerung darüber aufzuklären, warum die Arbeitslosenrate in Kosovo bei über 35 Prozent liegt, warum die ProKopfEinnahmen nur ein Drittel derer Serbiens betragen, bemüht man sich, die Geschichte der Albaner zu leugnen (man wisse nicht, woher sie gekommen sind). Man leugnet ihre Gegenwart (die Verfassung nahm ihnen die Autonomie), man leugnet ihre Zukunft (man weiss nicht, was ihnen bevorsteht).


    Diesem "Weissbuch" zufolge war und ist an den Albanern nichts Gutes. Sie seien nur ganz zufällig in Kosovo. Sie seien aus den Bergen gekommen, um die Serben in Misskredit zu bringen! Auch in den ersten Jahrhunderten des Frühmittelalters, auch in der Zeit der osmanischen Besatzung, auch unter dem serbischen Reich der Karageorgewitschs, in der Zeit des Faschismus und auch im heutigen föderativen Jugoslawien seien die Albaner reaktionär gewesen, wild in ihren Sitten und ihrer Lebensweise, ohne Kultur, ohne Geschichte. An keiner Stelle, auf keiner Seite des Buches wird eine chauvinistische Handlung angeprangert, die irgendwann einmal gegen die Albaner verübt worden ist, erst recht nicht im heutigen Jugoslawien, zum Beispiel in der Zeit von Rankovic, aber auch nicht in der Zeit der Cetniki oder in der Zeit der schwärzesten Reaktion, in der Zeit der Könige, die einst von den jugoslawischen Kommunisten und Revolutionären, wie D. Tucevic und den anderen, entschieden entlarvt worden sind.


    Es ist bedauerlich, dass bekannte Wissenschaftler, wie V. Garaanin, es so weit gebracht haben, sich selbst zu verleugnen. Bekanntlich hatte dieser Autor bis vor kurzem noch die These von der illyrischen Abstammung der Albaner vertreten. In diesem Buch behauptet er jedoch das Gegenteil. Das ist auch nicht verwunderlich. Wenn er sich dazu hergibt, seine Unterschrift neben die eines Polizisten zu setzen, wie es ein gewisser Spassoje Djakovic ist, ehemaliger UDBChef für Kosovo, Rankovics enger Mitarbeiter, bekannt für die Ermordung tausender junger Kosovaren im Jahr 1945, Henker in der Kampagne der Waffenbeschlagnahmung im Jahr 1956, so kann von Seriosität und Folgerichtigkeit ob intellektuelle oder wissenschafliche keine Rede mehr sein.


    Jeder unparteiische Leser wird, wenn er die Geduld aufbringt, dieses Buch zu Ende zu lesen, unwillkürlich feststellen, wie tief Jugoslawien gesunken ist, wie rückstandig und primitiv das politische Denken jenes Teils seiner Führung ist, die die Öffentlichkeit lenkt und beeinflusst.


    Man braucht nur dieses Buch zu lesen, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass das, was in Kosova und inzwischen schon in ganz Jugoslawien vor sich geht, eine gegen die zeitgenössischen Vorstellungen und die demokratischen Trends unseres Kontinents und der ganzen Welt gerichtete Reaktion darstellt.


    Jugoslawien befindet sich in einer allgemeinen Krise einer wirtschaftlichen, politischen, institutionalen und zwischennationalen Krise. Es steckt ausserdem in einer tiefen geistigen Krise, in dem Sinne, dass ihm eine klare Perspektive für die nächste Zukunft fehlt.


    Jugoslawien leidet aber auch unter einem anderen Faktor, der für dieses Land spezifisch ist. Es leidet unter den Folgen davon, dass die Bedingungen nicht existieren, für die die Grossmächte, in Rivalität und in Konfrontation miteinander, in Jugoslawien ein sehr brüchiges Gleichgewicht schufen, offenbar nur konjunkturverbunden, ein Gleichgewicht der momentanen Kompromisse und Vereinbarungen. Wegen verschiedener Interessen und Gründe haben alle Jugoslawien gehätschelt, der Osten und der Westen, die dritte Welt und die Nichtpaktgebundenen, die Gelben und die Weissen. In der internationalen Gemeinschaft wurde es wie ein krankes Einzelkind behandelt, dem alle Unartigkeiten verziehen und alle Launen erfüllt werden.


    Diese Situation schilderte vor kurzem erst ein jugoslawischer Führer, als er sagte: "Es besteht kein Kriegsgefahr mehr. Von Moskau geht keine Bedrohung mehr aus. Jetzt sind wir wirklich allein, und, um zu überleben, müssen wir selbst laufen lernen."


    Doch gerade jetzt, da es unbedingt mit den eigenen Beinen gehen muss, kann Jugoslawien den richtigen Weg nicht finden, der zu beschreiten ist, um die eigene Unabhängigkeit und Freiheit zu bewahren, um die nötige Stabilität zu sichern, um eine demokratische und fortschrittliche Entwicklung zu gewährleisten. Ein noch schlimmeres Übel ist die Tatsache, dass es in Jugoslawien zu einigen politischen Erscheinungen kam, die es auf einen nicht nur für Jugoslawien, sondern auch für andere gefährlichen Weg treiben. Auf der jugoslawischen politischen Szene ist 'der serbische Nationalismus auf den Plan getreten, ein primitiver und durchaus aggressiver Nationalismus.


    Das Programm der serbischen Nationalisten ist klar. Sie wollen das föderative System Jugoslawiens, wie AVNOJ es festgelegt hat, aufheben und das Land zum unitaristischen, zentralistischen und hegemonistischen serbischen Regime der Vorkriegszeit zurückzerren, allerdings in neuen Formen, mit einem neuen Aussehen und in neuer Kluft.


    Der erste Akt dieser Tragödie der Völker Jugoslawiens wurde bereits gespielt. Kosova und der Vojvodina, diesen beiden Bestandteilen der Föderation, wurde die Autonomie geraubt und sie wurden praktisch in Verwaltungsregionen Serbiens verwandelt. Nach dem gewaltsamen Sturz der früheren Führung wurde Montenegro Serbien einverleibt. Nicht mehr fern und anscheinend ohne grossen Widerstand wird die Einverleibung Makedoniens vor sich gehen. .Der Marsch Serbiens hat jetzt die Richtung Norden genommen. Ob und wann dieser Marsch zum stehen kommen wird, das weiss niemand.


    Ungewiss bleibt auch, ob sich auswärtige Kräfte in die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens einmischen werden, welche Form diese Einmischung annehmen wird und wie sie sich auf die innerbalkanischen Beziehungen, auf die gegenwärtigen Verhältnisse und Gleichgewichte in Europa, auf die sich auf diesem Kontinent im Gange befindlichen Prozesse und Dialoge auswirken wird.


    Eins weiss man aber bereits, und zwar, dass die Völker Jugoslawiens eine Hegemonie und Herrschaft Serbiens nicht so leicht akzeptieren werden. Man kann sich kaum vorstellen, dass die so leicht auf das Ideal des Befreiungskampfes und auf eine 45jährige historische Praxis verzichten werden.


    Gerade durch diese Besorgnis kann auch das internationale Interesse für die jugoslawischen Ereignisse erklärt werden, die ganze Sorge um die gefährlichen Tendenzen des serbischen Nationalismus, die das Europaparlament und der amerikanische Senat zeigen, die Tatsache, dass Schriftsteller und Journalisten in aller Welt, verschiedene gesellschaftliche Organisationen und bekannte politische und gesellschaftliche Persönlichkeiten die Unterdrückung der KosovaAlbaner und die Verletzung der Menschenrechte in Jugoslawien anprangern.


    Erst vor kurzem schrieb eine jugoslawische Zeitung: "Ganz Jugoslawien wird ein Kosova werden, wenn es die KosovaFrage nicht löst." Das mag stimmen. Es gibt aber auch noch eine andere Wahrheit. Wenn nicht die Fehler öffentlich zugegeben werden, die man in Kosova gemacht hat und macht, so wird es keine Lösung der jugoslawischen Krise geben. Die Zuspitzung der zwischenethnischen Beziehungen ist unvermeidlich.


    In Slowenien, in Kroatien und etwas . langsamer in Bosnien beginnt man allmählich zu erwachen und die von dem serbischen Hegemonismus drohende Gefahr zu spüren. Doch ist es Paradox, wenn zu einer Zeit, da Alarmrufe gegen diesen Hegemonismus ausgegeben werden, im allgemeinen die grossserbischen Propagandathesen im Zusammenhang mit Kosova und die gegen die Albaner getroffenen Unterdrückungsmassnahmen aber gutgeheissen werden, für die sie in den verschiedenen Versammlungen in Eintracht mit den serbischen Nationalisten auch zustimmend die Hand gehoben haben.


    In einer Rede Anfang August in Alka, in Sinj an der Adria, erklärte der gegenwärtig nahmhafteste Vertreter Kroatiens, Stipe Suvar, dass bei der Aufstellung der neuen Verfassung keine Lösungen "von oben aufgezwungen werden und niemand seinen Wunsch und seine Interessen diktieren wird". Die neue Verfassung Jugoslawiens, so sagte Suvar femer, kann nicht eine Verfassung des Zentralismus und des Unitarismus sein, sie muss vielmehr ermöglichen, dass die jugoslawische Föderation normal und wirksam funktioniert, sie muss die Interessen der Mehrheit aller jugoslawischen Nationalitäten durch die Zustimmung von selten aller jugoslawischen Republiken ausdrücken.


    Wenn man diese Worte seiner Erklärung liest, könnte man glauben, er greife unmittelbar den serbischen Nationalismus an und nehme den jugoslawischen Föderalismus in Schutz.


    Kurz darauf annulliert er aber den Inhalt, den Sinn und die Ausrichtung seiner Worte, wenn er hinzufügt, dass "dies, meiner Meinung nach, eine Voraussetzung für die Unterdrückung des Nationalismus ist, einschliesslich des albanischen Nationalismus im Raum Kosova, der die territoriale Integrität des Landes bedroht".


    Das ist zum Weinen und zum Lachen. Wir möchten aber an Herrn Suvar eine Frage richten: Glaubt er wirklich, die KosovaAlbaner seien nicht dafür, dass die Verfassung Jugoslawiens die Interessen der Mehrheit aller Nationen auszudrücken hat? Warum wurden sie aber von den Panzern ermordert, die man nach Kosovo geschickt hat? Etwa weil sie eine andere Verfassung verlangten, als die, mit der auch er einverstanden ist?


    Die kroatischslowenischen Haltungen gegenüber den Ereignissen in Kosova nach Titos Tod, die erzielten Kompromisse, die gemachten Zugeständnisse und vor allem die vielen Flüche für die Verbrechen der albanienfeindlichen Mafia können nicht lediglich mit politischer Naivität erklärt werden. Sie können auch nicht als eine taktische Haltung hingestellt werden, deren Ziel es ist, die serbischen nationalistischen Horden auf den Süden zu zu treiben, damit der Norden seine Ruhe hat. Dafür gibt es nur eine Erklärung. All diese opportunistischen Haltungen gehen von der Meinung aus, dass der serbische Nationalismus, wenn sein Appetit befriedigt wird, eine Teilung der Macht akzeptieren würde. Die Rechnung war nicht schlecht gemacht, man vergass aber dabei, das der Appetit erst beim Essen kommt.


    Die Praxis zeigt, dass die Ansicht. wonach die jugoslawischen Krisen durch das Zustandekommen einer serbischkroatischen oder serbischkroatischslowenischen Achse zur Ausübung einer gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Macht in Jugoslawien gelöst werden könnten, nicht nur falsch, sondern auch fruchtlos war.


    Damit, dass sie Kosova der Gnade des serbischen Nationalismus überliessen und nicht die Prinzipien des Föderalismus, die bestehende staatliche und gesellschaftliche Praxis verteidigten, die in der Verfassung des Jahres 1974 verankert waren, haben die KroatenSlowenen auch die Waffen fallen lassen, mit denen sie sich verteidigen sollten, wenn sie sich vor dem unmittelbaren Angriff des grossserbischen Hegemonismus und Unitarismus befänden.


    In der Rede, die Milosevic anlässlich des 600. Jahrestages der Schlacht auf dem Amselfeld in GaziMestan hielt, sagte er, dass von der Zeit an, da die Türken im 14. Jahrhundert in Serbien einfielen, "das Volk in Serbien erst in diesem Jahr frei wurde, und erst in diesem Jahr wurde ihm die staatliche, nationale und geistige Souveränität wieder zurückgegeben". Der Nationale Befreiungskampf, die Kommunistische Partei Jugoslawiens, Tito, der AVNOJ, die Föderation und andere Symbole und Begriffe des neuen Jugoslawiens können mit den Türken von Sultan Murat zusammengebracht werden, das heisst mit den Feinden Serbiens. Er sagte es den Anwesenden unverblümt, dass das Jugoslawien der Nachkriegszeit auf den Müll der Geschichte zu werfen sei, und wenn dies nicht im Guten getan wird, dann also durch Waffengewalt.


    Interessant ist die Tatsache, dass die offiziellen Vertreter der Föderation und der anderen Republiken sich diese Erklärungen und finsteren Drohungen des serbischen Präsidenten ohne die geringste Reaktion anhörten.


    Man kann sich sicherlich nicht vorstellen, dass das "Habtacht"Stehen vor dem Führer der serbischen Nationalisten darauf zurückzuführen ist, dass ihnen politischer und persönlicher Mut fehlten oder dass sie auf die gesagten Worte nicht viel Wert legten.


    Es ist eine Folge davon, dass sie der Arroganz der serbischen Nationalisten grünes Licht gaben und diese Arroganz schon damals entfachten, als sie die Amendements für die Verfassungen Serbiens verabschiedeten, mit denen die Autonomie der Gebiete eingeschränkt werden sollte, schon damals, als sie für die Ausrufung des Ausnahmezustands in Kosova stimmten, schon damals, als sie für die Ermordung der Albaner keine Rechenschaft verlangten, schon damals, als sie erkannten, dass das Schicksal des AVNOJJugoslawiens von der Haltung gegenüber den Ereignissen in StariTerg abhing.


    Völlig unverantwortlich ist auch die Haltung, die die jetzigen Machthaber der Republik Makedonien gegenüber den Albanern und gegenüber der Zukunft ihrer Landsleute einnehmen.


    Obwohl Makedonien unmittelbar die Gefahr droht, von Serbien einverleibt zu werden, und ausserdem auch die Gefahr besteht, dass es vollkommen assimiliert wird, hat man dort eine ultranationalistische Kampagne gegen die Albaner vom Zaune gebrochen, mit denen sie dasselbe Los geteilt haben und gemeinsam gegen den grossserbischen Nationalismus und Hegemonismus gekämpft haben.


    Nun ist die Politik der nationalen Unterdrückung und der Einschränkung der demokratischen Rechte der Albaner in Jugoslawien tatsächlich zu einem allgemeinen und konkreten Programm des serbischen Nationalismus, für die Errichtung seiner Herrschaft. im ganzen Lande geworden. Die gegenwärtigen, sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zuspitzenden slowenischserbischen und kroatischserbischen Konflikte zeugen unmissverständlich davon. Das heutige Kosova ist ein Spiegelbild der Zukunft dieser Republiken.


    Die serbischen Nationalisten behaupten, um die nationale Unterdrükkung in Kosovo zu rechtfertigen, die Schuld liege bei den sogenannten albanischen Separatisten, die angeblich die Lostrennung Kosovas von Jugoslawien anstrebten.


    Wir wollen jetzt nicht urteilen, ob es albanische Nationalisten und Separatisten in Kosovo gibt oder nicht, wie viele es sind und wo sie sind. Möglicherweise gibt es sie auch, so wie es sie in Slowenien, in Serbien und in Montenegro gibt. Mag sein. Doch gäbe es auch einen Separatismus in Kosova, warum sollte dann die Autonomie aufgehoben werden, warum muss der Unterricht in der Muttersprache eingeschränkt werden, warum müssen die historischen Traditionen der Albaner geleugnet werden?


    Auch ein Kind, erst recht eine politische Führung versteht, dass solche Unterdrückungsmassnahmen unmittelbar Separatismus züchten, ihm nicht nur Waffen, Fakten, Argumente an die Hand geben, sondern auch eine objektive Basis, sich zu beleben und die "Richtigkeit" seiner Absichten zu demonstrieren.


    Die Unterdrückungsmassnahmen, die in Kosovo getroffen wurden, reichten, um in Slowenien die Idee anzuregen, sich von Jugoslawien loszutrennen. Diese Idee wurde sogar zu einer Bewegung, mit der verlangt wird, dass in den Verfassungen der Republiken das Recht verankert wird, sich loszulösen. Die Separatisten bringt in Jugoslawien der serbische Nationalismus hervor, mit seinen hegemonistischen Anmassungen und der nationalen Unterdrückung der anderen Völker. Er ist es, der die Gefahr einer Zersetzung der Föderation schafft.


    Es besteht eine Meinung, hauptsächlich ausserhalb Jugoslawiens, wonach eine Verbesserung der Wirtschaftslage auch alle anderen Probleme losen würde. Diese Ansicht vertraten bisher auch die KroatenSlowenen, obgleich viele von ihnen bereits beginnen, daran zu zweifeln.


    Man meint, durch die Einführung einiger Massnahmen für den freien Handel, die Annahme irgendeiner Auslandsschuld oder irgendeiner anderen Spritze dieser Art würde Ruhe herrschen im Land. Das ist eine Illusion, denn keine Wirtschaft hat sich bisher entwickelt und ist fortgeschritten in einer Umgebung, die nicht demokratisch ist.


    Das Schlüsselproblem in Jugoslawien, von dem auch die Lösung der anderen Probleme abhängt, ist die politische Frage, das heisst der Konflikt zwischen dem serbischen Föderalismus und dem Unitarismus, zwischen Demokratie und nationalistischem Zentralismus. Wenn der Föderalismus und die Demokratie siegen werden, so wird auch das wirtschaftliche Problem gelöst werden. Dem gegenüber wird sich die Wirtschaft in ein Schlachtfeld verschiedener politischer Gruppen verwandeln, die über sie urteilen und auf sie einwirken werden, nicht der Logik ihrer Gesetze entsprechend, sondern nach der Logik des Machtkampfes.


    Wegen der nationalen Struktur, der historischen Traditionen und der Zusammensetzung der Bevölkerung im heutigen Jugoslawien vermag dort keine Nation die eigene Herrschaft den anderen aufzuzwingen. Auch Serbien, das diesen Anspruch erhebt, besitzt weder die militärische noch die wirtschaftliche, geschweige denn die ideologische und kulturelle Kraft, um dies zu verwirklichen.


    Selbst wenn alle Serben Polizisten würden, genügte das nicht, um die Albaner und Kroaten, die Montenegriner und die Slowenen in den Schranken zu halten. Und schliesslich muss auch jemand arbeiten, um den ganzen erforderlichen Unterdrückungsapparat aufrechtzuerhalten.


    Deshalb vermag nur die demokratische Alternative die nationalen Konflikte zu lösen und Jugoslawien aus der durch sie verursachten Krise herauszuholen. Keine gesunde Logik kann akzeptieren, die Autonomie Kosovas und die Existenz der anderen Republiken würde eine Schwächung Serbiens und Jugoslawiens herbeiführen, wie man gegenwärtig in Belgrad sagt und schreibt.


    Ganz im Genteil würde eine breite Autonomie Kosovas die nationale und demokratische Emanzipation seiner Bevölkerung einen Geist der Eintracht und Versöhnung auch für Serbien und ganz Jugoslawien mit sich bringen, sie würde sich in der Demokratisierung des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens, im guten Verständnis und in der Vertrauensbildung zwischen den Menschen auswirken.


    Während eine Einschränkung der Autonomie und der nationalen und demokratischen Rechte der Albaner und der anderen Völker objektiv und unvermeidlich nicht nur Reibereien, Widerstand und Revolten hervorrufen würde, sondern die Gewalt zur Verteidigung der Einschränkungen sich in einen Generator rassistischer und obskurantistischer Ideen, in eine für das Leben in Serbien vernichtende Waffe verwandeln würde. Diese Folgen sind inzwischen in mehrerer Hinsicht unübersehbar.


    Bisher haben die Serben in ihrer rückhaltlosen nationalistischen Euphorie alles mögliche über die Albaner geschrieben und gesagt. Dies findet auch in dem "Weissbuch" über Kosova seinen Niederschlag.


    Sie sagen beispielsweise, die Albaner hätten keine historischen Traditionen, sie wären niemals ein Volk mit entwickeltem ethnischem Bewusstsein gewesen, sie hätten nie die Fähigkeit gehabt, einen eigenen Staat zu bilden, und dergleichen Früchte einer an Chauvinismus erkrankten Phantasie mehr. Das Ziel dieser Propaganda ist klar.


    Damit, dass sie den Albanern das Alter auf den von ihnen bewohnten Gebieten, ihre nationale Geschichte und Tradition, ihre eigene besondere Lebensweise, ihre Beteiligung am Antifaschistischen Kampf und dem Aufbau des föderativen Jugoslawiens leugnen, wollen sie auch die Forderungen der Albaner in Kosova nach Verteidigung ihrer nationalen Rechte, nach Gleichberechtigung im jugoslawischen Staat, nach Autonomie und anderen ihnen zustehenden demokratischen Rechten, abstreiten.


    Die serbischen Nationalisten haben inzwischen begonnen auch das nationale und historische Erbe der Montenegriner zu leugnen, die Bosnier islamisierte Serben und die Makedonier Südserben zu nennen. Aufs Korn genommen wurde auch das historische Erbe der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, der jugoslawischen Föderation, denen die Hauptschuld für alle Übel in die Schuhe geschoben wird, die Serbien und Jugoslawien getroffen haben. Das Ziel ist hier ein und dasselbe: die Hindernisse zu beseitigen, die der Errichtung der absoluten Herrschaft des serbischen Nationalismus im Wege stehen. Die Ideologie ist unverändert: die Ideologie der Missachtung und des Hasses den anderen Völkern gegenüber.


    Es ist wahrhaft politischer Wahnsinn, dass heute die ethnischen Probleme in einem Vielvölkerstaat gelöst werden, indem man sich auf die Vorstellungen der mittelalterlichen Fürstentümer und auf die Mittel des frühesten Kolonialismus stützt, wie das die serbischen Nationalisten tun wollen. Was aber auch immer getan wird und geschieht, Kosova kann nie als Kolonie gehalten und die Albaner können nie als Emigranten, betrachtet werden.


    Die heutige Zeit ist nicht mehr die der feudalen Könige, der Konquistadoren, der Kolonialherren, der Unterdrückung und Assimilierung der, Nationen. Wir leben in der Epoche des Erwachens aller Kontinente, der nationalen und sozialen Bewusstwerdung aller Völker, der Demokratisierung der internationalen Beziehungen. Die Welt dreht sich vorwärts und nicht zurück. Man muss daher auf einige flaue Thesen verzichten, die nach mittelalterlichen Muff riechen, die aber zu schweren Ketten geworden sind, mit denen in nicht geringem Masse auch den fortschrittlichen Kräften in Jugoslawien die Hände gebunden wurden.


    Eine dieser Thesen ist, dass Kosova angeblich der historische Herd des serbischen Volkes und der Entstehung


    seines Staates sei. Dies ist ein literarischer Mythus, geschaffen von den serbischen nationalistischromantischen Schriftstellern und Dichtern des vergangenen Jahrhunderts und eine expansionistische Parole des grossserbischen Staates während der balkanischen Eroberungskriege.


    Bekanntlich sind die Slawen erst sehr spät auf den Balkan gekommen. Sie kamen zu einer Zeit, da die uransässigen Völker dieser Halbinsel, die Hellenen und die Illyrer, bereits Höhepunkte der Zivilisation und der Entwicklung erreicht hatten. Die Vorhut der slawischen Einfälle gelangte zwar bis zum Pelopones und nach Vlora, genauso wie auch nach Kosova. Dies kann aber nicht als Argument für die Behauptung dienen, diese Gebiete seien slawisch.


    Man kann sich vorstellen, was in Europa gesehenen würde, wenn man die Geschichte der Einfälle und Wanderungen der römischen und griechischen, slawischen und germanischen, angelsächsischen und nordischen, arabischen und sonstigen Stämme politisieren würde, wie das in Jugoslawien gegenwärtig die serbischen Nationalisten tun, die, um zu wissen, bis wohin sie die ethnischen Grenzen dieses oder jenes Staates ziehen, um zu wissen, wo sich die Wiege dieses oder jenes Volkes befindet, wo dieser oder jene Fürst oder Heilige begraben liegt, welche Schlacht Europa gerettet habe und so weiter und so weiter, um den Schlaf gekommen sind. Und wenn es in Kosova auch eine serbische Kirche aus dem Mittelalter gibt, so gibt es auf dem heutigen Gebiet Jugoslawiens viel ältere Denkmäler, mit einer noch ausgeprägteren nationalen Identität, wie der illyrischalbanischen.


    Die zivilisierten Völker leben aber nicht mit Mythen und leiten ausserdem daraus keine politische konkrete Tätigkeit ab. Sicherlich sind die Serben nicht die ersten, die weder die historischen Realitäten noch die bestehende Realität anerkennen wollen. Es gab schon andere, doch alle haben ein übles Ende genommen, eine Niederlage erlitten.


    Der nächsten Propagandathese zufolge, die beinahe zu einer Gesetzeslogik geworden ist, seien die Albaner in Jugoslawien eine Minderheit. Einen grösseren Unsinn kann es kaum geben.


    Eine Minderheit im Verhältnis zu wem? Zu den Slowenen, den Makedoniern, den Kroaten oder den Montenegrinern? Sollten sie eine Minderheit gegenüber den Serben darstellen, so täten dies ebenso die Kroaten und die Slowenen und auch die anderen Völker in Jugoslawien.


    Die Albaner in Jugoslawien zählen fast 3 Millionen, sie bewohnen seit Jahrhunderten ein geschlossenes Gebiet, sie haben ihre Kultur, ihre Traditionen, ihre uralte eigene Sprache. Sie stellen, was die Einwohnerzahl betrifft, die drittgrösste Bevölkerung nach den Serben und den Kroaten. Sie sind also, wie das auch in der Verfassung der SFRJ heisst, ihr konstitutives Element.


    In der jugoslawischen Legislation selbst "wird die albanische Bevölkerung nicht als Minderheit angesehen und auch nicht als solche bezeichnet, sie wird hingegen als Nation für sich angesehen, was auch im jugoslawischen, Verfassungsrecht seinen Niederschlag gefunden hat, womit sie auf die gleiche Stufe mit den anderen Elementen der jugoslawischen Föderation gestellt wird.


    In einem Vielvölkerstaat ist selbstverständlich eine Nation zahlenmässig grösser als die andere, eine andere ist mittelgross und eine andere noch kleiner. Dies soll aber nicht heissen, dass sie juristisch und verfassungsmässig nicht gleichgestellt sein sollen, dass die eine als Mehrheit und die andere als Minderheit zu gelten hat, dass eine Nation mehr Rechte und die andere keine haben soll.


    Nicht nur politische Klugheit und gesunder staatlicher Verstand sondern auch die unvermeidliche Objektivität verlangen es, dass alle Nationen und Nationalitäten eines Vielvölkerstaates, unabhängig davon wann und wie sie sich herausgebildet haben, unabhängig von ihrer Verwandtschaft und ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung ein und denselben juristischen und gesellschaftlichen Status gemessen. Ihnen muss erlaubt werden, sich selbst zu regieren, ihnen muss das Recht anerkannt werden, ihre eigenen Probleme selbständig zu lösen.


    Es existiert noch eine weitere ziemlich spekulative These. Es heisst, die Serben würden Kosova unter dem Druck der Albaner verlassen. Diese Behauptung ist aber nur eine flaue und hohle Deklaration. Nun haben tatsächlich viele Serben Kosova verlassen, aber auch nicht weniger Albaner sind von dort weggezogen. Wenn die Serben, die Kosova verlassen haben, Zehntausende zählen, so sind es hunderttausende Albaner.


    Die meisten Emigranten aus Kosova sind aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert. Ihre Gegend ist unterentwickelt, rückständig und ohne eine absehbare Aussicht auf Fortschritt. Die Serben finden eine viel bessere Arbeit in Belgrad, Nis, Kragujevac oder in anderen Gegenden Serbiens, wo eine rasche und intensive Industrialisierung stattgefunden hat.


    Das Phänomen der Landflucht, das Verlassen der armen ländlichen Gebiete und das Strömen in die entwickelten Industriezonen ist nicht allein eine jugoslawische Erscheinung. Doch ein rein jugoslawisches Phänomen ist es, dass auch eine solch typisch soziale Erscheinung dort zu einem politischen Faktum gemacht wird, zu einem Motiv für die nationale Unterdrückung einer ganzen Bevölkerung, wie das in Kosova mit den Albanern geschieht.


    In Jugoslawien gibt es noch eine weitere Wahrheit, die man mit Schweigen übergeht. Seit 1945 sind von Kosova mehrere hunderttausend Albaner in die Türkei vertrieben worden, denen man die jugoslawische Staatsangehörigkeit und das Recht, zurückzukehren, abgesprochen hat, was bei den anderen jugoslawischen Emigranten nicht geschehen ist.


    Die historische und faktische Realität kann nicht durch Propaganda verändert werden, man kann daran auch mit Gewalt nichts ändern. Von diesem 'Prinzip und von diesen Erfahrungen sind wir ausgegangen, als wir sagten, dass die KosovaFrage ohne die Albaner, geschweige denn gegen sie nicht gelöst werden kann, und auch die anderen Probleme Jugoslawiens nicht gelöst werden können.


    Ebenso sind wir, als wir sagten, dass die Probleme, die heute in Kosova und überhaupt in Jugoslawien entstanden sind, mit politischer Klugheit, realistisch, objektiv zu behandeln sind, davon ausgegangen, dass man einen richtigen Begriff von der Zukunft haben muss, dass man nicht nach rückwärts blicken darf. Die historische Vergangenheit kann dazu dienen, Lehren zu ziehen, nicht aber die gegenwärtigen Probleme zu lösen, indem man diese Vergangenheit mechanisch wiederholt.


    Die Sozialistische Volksrepublik Albanien hat sich nicht in die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens eingemischt. Sie hat dies nicht getan, da die Nichteinmischung in die Angelegenheiten der anderen eines der beständigen Prinzipien ihrer Aussenpolitik ist. Sie hat sich nicht eingemischt, weil sie die Stabilität Jugoslawiens, des Balkans und Europas wünscht. Dies ist kein PropagandaSlogan, sondern eine Haltung, die einem einfachen politischen Gedankengang entspricht. Eine Destabilisierung Jugoslawiens und eine eventuelle Einmischung anderer in den sich daraus ergebenden Trend, würde auch für das benachbarte Albanien Gefahren nach sich ziehen.


    Das sozialistische Albanien erklärte, dass es bereit sei, Jugoslawien nach Kräften zu helfen, nicht aber auf Kosten Kosovas. Selbst wenn es dies tun würde, so wäre damit nichts gelöst. Es wäre nur eine Handlung, die unter anderem in entgegengesetzter Richtung wirken würde und nicht zu realistischen und objektiven Lösungen führen würde, die aber für die Überwindung der Krise in Kosova nötig wären.


    Jugoslawien ist ein aus vielen Nationen mit sehr ausgeprägten nationalen Merkmalen bestehender Staat, die ihre eigenen, uralten und beständigen Kulturen, ihre jeweilige Sprache und Konfession haben, es besteht aus Völkern, die unterschiedliche Sympathien, Freundschaften und Beziehungen in internationalem Massstab unterhalten.


    Ihr Zusammenleben, die Zusammenarbeit zwischen ihnen, ihre Eintracht könnten nur eine Grundlage haben eine politische Basis, bei der die Interessen aller Völker berücksichtigt würden, eine Basis, die einen gemeinsamen jugoslawischen Nenner haben müsste.


    Die Frage ob Jugoslawien ein Staat unter der Herrschaft der serbischen Monarchie oder unter einer beliebigen Hegemonie Serbiens sei, oder eine Föderation, aufgebaut auf der Basis einer breiten Autonomie der Nationen, wurde bereits während des Antifaschistischen Kampfes gestellt.


    Das war das Grundproblem des Nationalen Befreiungskampfes. Zur Lösung dieses Problems haben die Völker Jugoslawiens das grösste Opfer gebracht - l Million und 800 000 Tote, Und das Problem wurde zugunsten des föderativen Systems gelöst, das allen Völkern ausnahmslos ihre nationalen Rechte zuerkannte den Serben, den Kroaten, den Slowenen, den Bosniern, den Makedoniern, den Albanern und den anderen, und ihre Gleichstellung sowie ihre Autonomie anerkannte. Diese Prinzipien wurden in den Beschlüssen des AVNOJ verankert und erhielten dann auch in den später verabschiedeten jugoslawischen Verfassungen Gesetzeskraft. Auf dieser Grundlage hat Jugoslawien bisher gelebt und sich entwickelt.


    Ob gut oder schlecht, hat Jugoslawien mit diesem Staatssystem in erster Linie zumindest ein für alle seine Nationen annehmbares Zusammenleben, eine vollständige internationale Anerkennung ohne Ansprüche ihm gegenüber, eine normale wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung gesichert. Jede nationale Unterdrükung und jeder Versuch, die anderen Nationen im Sinne welcher Ideologie auch immer zu assimilieren, würde nur Widerstand, Zwist und Konflikte hervotrugen, was nicht zur Festigung der sogenannten "staatlichen", "volkstümlichen", "politischen", "ideologischen Einheit" führen würde, sondern zu einer Situation, die nach innen und nach aussen Folgen nach sich ziehen könnte, die man sich kaum vorzustellen vermag.





    Die Albaner und die Schlacht auf dem Amselfeld

    Prof. Stefanq Pollo Direktor des Institutes für Geschichte Wir gedenken dieser Schlacht nicht einfach als eines historischen Ereignisses. Die osmanischen Armen errangen dabei zwar den Sieg, und bahnten dadurch den Weg zur Besetzung des ganzen Balkans, wir aber gedenken ihr als einer Schlacht, bei der die Balkanvölker dafür kämpften, ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu verteidigen, wobei sie unzählige Opfer brachten, als einer Schlacht, die die Balkanvölker zu einer einzigen Front gegen die fremden Eindringlinge vereinigte. Diese Schlacht wurde im Gedächtnis der Generationen, in ihren Liedern und Sagen verankert und verewigt.


    Die Albaner zeichneten sich in dem heroischen Widerstand gegen die osmanischen Eindringlinge Ende des 14. Jahrhunderts durch Tapferkeit und ihren freiheitsliebenden Geist sowie durch ihre Bereitschaft aus, mit den Nachbarn gegen den gemeinsamen Feind zusammenzuarbeiten.


    Bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts konsolidierte sich in Albanien die Tendenz, einen zentralisierten Staat aufzubauen, der in den 70er und 80er Jahren unter der Führung von Gjergj Balsha II. den grössten Teil der albanischen Gebiete erfasste, und sich zeitwilig bis nach Prizren und zum Amselfeld erstreckte. Diesen Prozess unterbrach jedoch der osmanische Sturm. Damit begann für die Albaner die lange Periode der Kämpfe für die Verteidigung der Freiheit und Unabhängigkeit, welche mehr als 100 Jahre andauerte. Der Überfall der Sultanarmeen gefährdete nicht nur die Albaner, sondern alle Balkanvölker. Und bereits am Anfang ergab sich die Notwendigkeit der Vereinigung der Kräfte, um die Agression zurückschlagen zu können. Die Albaner vereinigten sich mit ihren Nachbarn bei der Schlacht von Marica im Jahr 1371. Ihr folgten andere Schlachten der Albaner mit den osmanischen Türken. Die Niederlagen bekräfgten die Notwendigkeit der Vereinigung. Der erste Sieg der albanischen Verbände von Gjergj Balsha II., die sich mit den serbischen und bosnischen Kräften vereinigt hatten, wurde im Jahr 1387 bei Ploshnik errungen. Diese Siege konsolidierten die Balkankoalition und die Überzeugung, die osmanische Agression durch eine entscheidende Schlacht ihrer vereinigten Kräfte zurückschlagen zu können. Und diese Schlacht fand am 28. Juni 1389 auf dem Amselfeld statt. Die Hauptkräfte, die an dieser Schlacht teilnahmen, waren die des serbischen Fürstentums von Morava mit König Lasar, die des albanischen Fürstentumes von Gjergj Balsha II., "von Jorgji, des Herren des albanischen Shkodra", wie ihn die osmanischen Geschichtsschreiber nannten, ferner die des serbischen Fürstentums von Wuk Brankowitsch, der die albanischen Gebiete von Kosovo besass, und die des Fürstentums von Bosnien unter dem Herren Twartko. Historischen Angaben zufolge nahmen an dieser Schlacht auch die Streitkräfte zweier albanischer Feudalherren teil, nämlich die von Dhimiter Jonima, dessen Besitze zwischen Lezha und Rreshen lagen, und die von Todor Muzaka II., des Herren von Berat und Herrscher der Myzeqe. "Die albanischen Herren", heisst es in der Chronik von Muzaka, "zogen ins Feld vereinigt als Verbündete eines gemeinsamen Krieges". Darüber hinaus, heisst es in den historischen Quellen, gab es auch bulgarische und aromunische Kräfte.


    Die regulären albanischen Verbände bezogen Stellung an der rechten Frontflanke, wo sich, nicht zu


    fällig, auch die Streitkräfte von Wuk Brankowitsch aufstellten, zu denen auch die KosovoAlbaner gehörten.


    Der Kampf auf dem Amselfeld war sehr hart, mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Dort starb auch Sultan Murat I., getötet von dem Albaner Milosh Kopiliqi, ebenso wurde der Fürst Lazar, der die Balkankoalition leitete, von den Türken gefangengenommen und aus Rache hingerichtet.


    Konstantin Jirecek zufolge "konnten nur wenige von den albanischen Feudalherren, die an der Schlacht teilnahmen, ihr Vaterland wiedersehen" .


    Der Sieg der Osmanen bei der Schlacht auf dem Amselfeld war von katastrophalen Folgen für den Balkan. Mit dem unaufhaltsamen Vorstoss der feindlichen Armeen wurde auch der Unabhängigkeit der feudalen Staaten der Halbinsel ein Ende gesetzt, die nun zu Vasallen des osmanischen Reiches wurden.


    Die Schlacht auf dem Amselfeld bleibt aber trotzdem ein glänzendes Kapitel in der mittelalterlichen Balkangeschichte. Sie ist ein Beweis für den freiheitsliebenden Geist der Volksmassen der Halbinsel, die schon früher Beweise für ihre Entschlossenheit geliefert hatten, die Aggression zurückzuschlagen und die Unabhängigkeit ihrer Länder zu verteidigen. Dieser kämpferische Geist blieb auch nach der Niederlage unbesiegbar erhalten. Das ruhmreichste Beispiel dafür lieferten die Albaner, die mit ihrem Aufstand der 30er Jahre des 15. Jahrhunderts (Gjon Kastrioti, Gjergj Arianiti, Bep Zenebishi, Nikolle Dukagjini u.a.m) und insbesondere mit dem grossen 25jährigen antiosmanischen Kampf unter der Führung des Nationalhelden Gjergj Kastrioti Skanderbeg (14441468) ihren flammenden Patriotismus ihre grenzenlose Liebe zur Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes und die Bereitschaft zeigt, alles in ihren Namen zu opfern.


    Die Schlacht auf dem Amselfeld blieb ebenso wie die früheren Schlachten von Marica und Ploschnik ein glänzendes Beispiel der Balkanzusammenarbeit in der Geschichte. Vor der gemeinsamen Gefahr gaben die Balkanfürsten, unterstützt von den Volksmassen, ihre Streitigkeiten, Feudalambitionen und ihre partikularistischen Interessen auf, um ihre Kräfte gegen die fremden Eindringlinge zu vereinigen. Wenn die Geschichte, wie man sagt, eine Lehrerin des Lebens ist, ist das die wichtigste Lehre, die aus diesen Ereignissen gezogen werden muss, und gleichzeitig einer der positivisten Aspekte. Genau das meinte Marx, als er schrieb, dass die Osmanen bei der Schlacht auf dem Amselfeld die vereinigten Streitkräfte der Serben, Albaner, Bosnier, Bulgaren und Aromunen schlugen. Diese Schlachten erweisen der Geschichte der Völker der Balkanhalbinsel Ehre. Die Zusammenarbeit der Völker des Balkans sollte auch während der osmanischen Besetzung zum Ausdruck kommen. Ein beeindruckendes Beispiel in dieser Hinsicht ist die Teilnahme von Freiwilligen aus den Balkanländern an den serbischen, griechischen und rumänischen Befreiungsrevolutionen Anfang des 19. Jahrhunderts sowie die Ideen der demokratischen Revolutionen dieser Länder hinsichtlich der Balkansolidarität, im Kampf für die Vertreibung des Osmanischen Reiches der Sultane von der Halbinsel. Doch die serbische, griechische und später auch die bulgarische Monarchie, verfolgten, nachdem sie ihre Macht konsolidiert hatten, eine expansionistische Politik auf Kosten der anderen, und vor allem der Albaner, um grosse Staaten innerhalb der Grenzen ihrer mittelalterlichen Reiche, im Interesse ihrer eigenen Bourgeoisie, wiederzugründen. Diese Politik unterminierte nicht nur die Balkansolidarität, sondern wurde auch zum Hauptgrund der Spaltung und der Kämpfe, die den Balkanvölkern und vor allem dem albanischen Volk unschätzbaren Schaden zufügten. Das albanische Volk, das einen wertvollen Beitrag zum Befreiunsgprozess des Balkans geleistet hatte, erkämpfte seine Freiheit nicht nur als letztes, sondern wurde durch den Beschluss der imperialistischen Mächte bodenmässig sehr stark verstümmeltelt.


    Die Schlacht auf dem Amselfeld hat als ein historiographischer Fakt die Aufmerksamkeit der Historiker verschiedener Länder innerhalb und ausserhalb unserer Halbinsel auf sich gezogen. Unglücklicherweise fanden aber die expansionistischen Tendenzen, Albanien zu zerstückeln und die albanische Nation von der politischen Balkankarte auszuradieren, ihren Ausdruck auch in der Geschichtsschreibung, in der Publizistik und in der ganzen nationalistischen Propaganda, in denen das albanische Volk als ein Volk ohne Geschichte und Kultur dargestellt wurde, dass es daher nicht verdiente, seinen eigenen Staat zu haben, In diesem Geist sind die historischen Ereignisse des Balkans behandelt worden. Diese niederträchtige Tradition ist heute von der grossserbischen Geschichtsschreibung auch da wiederbelebt worden, wo es um die Schlacht auf dem Amselfeld im Jahvin 1389 geht. Die Idee, die die nationalistische serbische Geschichtsschreibung wie ein schwarzer Faden durchzieht, ist die Leugnung der Teilnahme der Albaner an dieser Schlacht, und insbesondere die Leugnung der Beteiligung der Kosovoalbaner, aus dem einfachen Grund, so die serbische Geschichtsschreibung, weil Kosovo im 14. Jahrhundert "echter serbischer Boden" ohne Albaner gewesen sei, den aber dann die Albaner Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts mit der Hilfe der osmanische 'Feudalherren als Besatzer besiedelt hätten,


    Daher ist die Schlacht auf dem Amselfeld für sie nicht eine Schlacht der Balkanvölker, wie sie eine Reihe hervorragender Historiker bezeichnet haben, also eine Schlacht, bei der die Albaner eine wichtige Rolle gespielt haben, sondern eine Schlacht der serbischbosnischen Kräfte. Und diese Auffassung vertreten sie heute noch hartnäckig, da wichtige, vor allem osmanische Quellen ans Tageslicht gekommen sind, die ganz deutlich und unbestreitbar die Präsenz der albanischen Kräfte in dieser Schlacht hervorheben, und sie als die wichtigsten nach den serbischen und bosnischen bezeichnen. Was die grossserbischen Geschichtsschreiber am meisten beunruhigt ist die Präsenz und die Beteiligung der Kosovoalbaner an der Schlacht, die ihre so weit hinausposaunte These über Kosovo als "die Wiege, das Herz und den Geist Serbiens" wiederlegt. Eine Reihe von historischen, hauptsachlich osmanischen Angaben beweist, dass die Albaner von Kosovo zwar nicht, wie die der anderen Gebiete, ihre eigene staatliche Formation hatten, weil sie sich unter der Herrschaft des Fürstentumes von Wuk Brankowitsch befanden, in Kosovo aber bereits im 14. Jahrhundert als eine vorherrschende Bevölkerung präsent waren, die in ihren eigen Gebieten, Städten, Dörfern' als eine sesshafte und Hirtenbevölkarung, als Handwerker, Händler, Kleriker usw. lebten.


    Auffallend ist die Tatsache, dass das Epos der KosovoAlbaner über diese Schlacht, zwar in den Jahrhunderten zerstückelt und verändert, doch unsere Tage erreicht hat, und auf dem ganzen Territorium des Gebietes verbreitet ist. Im Gegensatz zu dem epischen serbischen Lied, das hauptsächlich dem Fürsten Lasar und den grossen serbischen Adligen gewidmet ist, stellte das albanische Epos in den Mittelpunkt der Erzählung den wahren Helden dieser Schlacht, den Landmann Milosch Kopiliq, der sich opferte und dabei den Sultan tötete. Es erzählt von Wanderungen der albanischen Bevölkerung nach der Schlacht, und, was wichtiger ist, es wird darin die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass sie eines Tages, wenn "der Türke besiegt ist", wieder in ihre Heime zurückkehren würden. Die Namen der albanischen Kämpfer der Schlacht auf dem Amselfeld wie Milosch, Musa Arbanasi, Ivan Kosantschitsch tauchen auch in dem slawischen Epos auf.


    Der 600. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld hat in Serbien den Anlass zu einer ohrenbetäubenden Kampagne der Presse und der ganzen Massenmedien gegeben, wobei die historische Realität durch das serbische Mythos über Kosovo ersetzt wird, wobei die Falken im Geist der serbischen Ausschliesslichkeit willkürlich vergewaltigt werden. Diese Kampagne hat den Segen der serbischen Kirche, die einst den König Lasar zum "Heilgen" erklärte, und zu dessen Grab man nun Pilgerfahrten organisiert. All dies und die Ultramassenkundgebungen, die geplant sind, schüren in hohem Masse den serbischen Nationalismus und den Hass gegen 'Sie Albaner, was bis zu chauvinistischem Wahnsinn reicht. Der einfache Mensch fragt nun mit Recht, warum wird ein solcher Lärm veranstaltet, wo solch grosse Feierlichkeiten nicht einmal zu anderen, noch grösseren historischen Siegen der serbischen Bevölkerung organisiert werden? Das Paradoxe daran lässt sich daraus erklären, dass die grossserbischen Kreise das bei dieser Schlacht vergösse Blut zum Hauptargument machen, um die einheimische und ausländische Öffentlichkeit von den "historischen" Rechten Serbiens in Kosovo zu überzeugen, und ihre albanienfeindliche Politik zu rechtfertigen, die zur Zeit in diesem Gebiet verfolgt wird.


    Die sorgfältige Erforschung und die genaue und objektive Interpretation der Angaben über die Schlacht auf dem Amselfeld ist eine Aufgabe der historischen Wissenschaft. Sie wird dabei helfen, nicht nur die Wahrheit aufzuzeigen, sondern auch die nötigen Lehren daraus zu ziehen und sie in den Dienst der Verständigung zwischen den Völkern und ihrer Zusammenarbeit zu stellen. Wir gedenken des 600. Jahrestages der Schlacht auf dem Amselfeld vom Jahr 1389, und ehren diejenigen, die für die Freiheit, Unabhängigkeit und Kultur ihres eigenen Landes kämpften, und wir schätzen die Botschaft der Freundschaft und Zusammenarbeit, die diese Schlacht den Generationen hinterließ.





    DIE TSCHUBRILOWITSCHS WIEDER AUF DER BÜHNE

    "ZERI I POPULLIT"

    Organ des ZK der PAA 1990

    Vor drei Jahren brachte das Belgrader Fernsehen eine Sendung über die Feierlichkeiten anlässlich der Auszeichnung des serbischen hochbetagten Wissenschaftlers W. Tschubrilowitsch, Die Tatsache hätte kein Interesse geweckt, wenn hinter dem Glanz der Medaille und dem Klingen der Gläser nicht der dunkle Schatten seiner berüchtigten Plattform über die Vernichtung der Albaner stände, die für die Grossserben heute aktueller denn je zu sein scheint. Als "eine sichere und ständige Lösung" der Krise Kosovos sehen sie die Neubesiedlung dieses Gebietes.


    Der Präsident Serbiens, S. Milosecic rief auf einer Versammlung des Vorstandes dieser Republik direkt dazu auf: "Wir brauchen weitere Freiwillige, die in Kosovo leben sollen... Mehrere Hunderte, mehrere Tausende müssen in einer grossen Mission nach Süden wandern..."


    Unmittelbar danach gab man bekannt, dass zur Verwirklichung dieser Mission ein sogenannter Stab gebildet wurde. Dieser aus dem Arsenal des Kriegwortschatzes ausgeliehene Begriff, deutet ganz klar auf das Ziel: Es geht nicht um die Rückkehr einiger ehemaliger Bewohner, die hier und da aus verschiedenen Gründen das Gebiet Verlassen haben, sondern darum, Menschen hierher zu bringen, die weder jemals dort lebten noch irgendeine Beziehung oder Verbindung zu Kosovo haben.


    TANJUG bekundet offen diese Tatsache, als sie am 16. Februar meldete: "Alle wundern sich über die grosse Zahl der Menschen, die nie in diesem Gebiet gelebt haben, und sich trotzdem bereit erklärten, dort zu wohnen. Es gibt ja sogar welche, fuhr TANJUG fort, die nicht nur aus Serbien, sondern auch aus BosnienHerzegowina, Montenegro und Kroatien kommen". Sie werden eilig registriert. Man sagt, daran werde auch sonntags gearbeitet. Es heisst, es sollen sogar serbische Jugendliche kommen, die an der Universität von Prishtina studieren werden, um dieses "Zentrum des albanischen Nationalismus" zu zerstören.


    Wo werden aber diese Menschen wohnen, was werden sie essen, wo werden sie arbeiten, wenn das Lebensniveau in Kosovo wie bekannt, dreimal so niedrig ist wie durchschnittlich in Jugoslawien und die Arbeitslosigkeitsrate bei 40% liegt? Doch Stab bleibt Stab, und deshalb trifft man Massnahmen. Der Vorsitzende des Rates der Gewerkschaften Serbiens redet von einem Beitrag aus dem allgemeinen und persönlichen Einkommen, der zu einem Fonds gehören soll, um die Übersiedlung der Serben nach Kosovo zu unterstützen.


    Diesem Ziel werden 30 wirtschaftliche Projekte und der Bau von mehreren tausend Wohnungen in Kosovo dienen. Es geht nur noch darum, dass möglichst viele Serben nach Kosovo auswandern sollen. Alles andere würde schon geregelt werden. Jeder neutrale Beobachter, der sich mit solchen Plänen vertrautmacht, wird sich Fragen stellen. Erstens behaupten die Grosserben in allen Analysen, Berichten und auf unzähligen Versammlungen, in den Erklärungen und bei den vorgesehenen Massnahmen zur Sanierung der Lage in Kosovo, die Ursache der Armut und der wirtschaftlichen Ruinierung des Gebietes sei die hohe Geburtenzahl, also die Bevölkerungsexplosion.


    Nie zuvor wurden in Europa solche Verfluchungen gegen die so edle und menschliche Mutterfunktion aufgeworfen, wie gegenwärtig in Kosovo. Wie also kann die Situation in diesem Gebiet geändert werden; indem man die Bevölkerung verkleinert, ihr natürliches Wachstum willkürlich verbietet, wie man es mit den ständigen Aufrufen zur Kontrolle der Geburtenzahlen der Albaner macht, oder indem man künstlich die Zahl der Einwohner erhöht, durch die mechanische Massenauswanderung der Serben und durch Besiedlung?


    Die Sache liegt auf der Hand: es geht nicht darum, dass Kosovo nicht viele Menschen haben soll, sondern darum, dass Kosovo keine Albaner hat.


    Zweitens haben die Belgrader Führer oft Stein und Bein geschworen, sie seien für die gleichen Rechte aller Nationen und Nationalitäten in Kosovo. Auch wenn man diesem Schwur gern glauben möchte, muss man fragen:


    Wenn Belgrad für Gleichberechtigung in Kosovo ist, warum verliert man kein einziges Wort über mehrere Tausende Albaner, die in den letzten Jahren aus diesem Gebiet weggewandert sind? Und dieser Aderlass geht weiter....


    Die kolonialistische Denkweise misst mit zweierlei Mass: Für die Serben, Propaganda, Geld, Stäbe, alles, damit sie Kosovo besiedeln. Und für die Albaner: Staatsterror und Gewalt, Kindermord und Massenverhaftungen, um sie auszurotten oder als Flüchtlinge ans Ende der Welt zu jagen.


    Die Albaner in Kosovo werden wie ein Fremdkörper behandelt. Ausgehend von dieser Logik ist Serbien bereit, so Reuter, neue Siedler in das Gebiet zu schicken, damit man sicher geht, dass kein Stück seines Bodens von den Albanern "besetzt" wird. Wie man aber den Boden besetzen kann, auf dem das eigene Haus steht, wo die Gräber der Ahnen und Grossväter liegen und die eigenen Kinder zur Welt gekommen sind, und wo man dem Nachbarn Frieden und Harmonie angeboten hat, ohne jemanden zu belästigen, diesen Unsinn können nur die erklären, die ihn erfunden haben.


    Eine solche Politik mit Ausbrüchen von blindem Nationalismus ist ebenso primitiv wie provozierend. Sie richtet sich gegen die Ideale der Zivilisation und die Tendenz der heutigen Entwicklung. Sie ist eine Herausforderung gegenüber allen Anstrengungen um Frieden und Völkerverständigung.


    Und deshalb wurde sie von der humanen jugoslawischen und internationalen Öffentlichkeit angeprangert.


    Paradoxerweise hat die serbische Führung unterstrichen, die Übersiedlung der neuen Bewohner nach Kosovo habe eine "Friedensmission." Diese Demagogie ist aber ein gescheitertes Alibi. Denn dem wahren Frieden und der echten Ruhe dienen nur der Dialog, der Weg der Vernunft. Den friedlichen und Respekt verdienenden Albanern sollen die demokratischen Rechte und Freiheiten zuerkannt werden, die die jugoslawische Verfassung allen Völkern dieses Landes garantiert.


    Es stellt sich daher die Frage, ob dieses gefährliche Spiel der Tschubrilowitschs auf einer so empfindlichen politischen Bühne wie es der Balkan ist, dem Frieden dient, wie behauptet wird, oder dem Unheil und der Tragödie in Kosovo und darüber hinaus.


    www.kosova-aktuell.de

  2. #2

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    Re: Über die jüngste Vergangenheit Kosovas

    Zitat Zitat von Gjergj
    Über die jüngste Vergangenheit Kosovas
    Dokumente für eine aktuelle Debatte


    Die Redaktion von Kosova-Aktuell publiziert zum Zerfall Jugoslawiens und zur chauvinistischen Unterdrückung der Albaner durch den serbischen Nationalismus einige Artikel aus „ZERI I POPULLIT“, dem ehemaligen Organ der Partei der Arbeit Albaniens. Die Artikel sind historische Dokumente, der Abdruck dieser Dokumente signalisiert keineswegs „enveristische“ Neigungen in der Redaktion von Kosova-Aktuell. Allerdings haben die publizierten Artikel den Vorteil dem deutschen Lesepublikum die Geschichte Kosovas nahezubringen. Gerade in dieser Frage herrscht bei weiten Teilen der aktuellen deutschen „Linken“ die allergrößte Verwirrung. Aus Unkenntnis über die Geschichte der Region oder durch das Abgleiten in esoterische Verdrängungstheorien, wird in Übereinstimmung mit den imperialen Mächten das Selbstbestimmungsrecht Kosovas abgelehnt. Die abgedruckten Artikel haben den Vorteil, die Debatte zu versachlichen und dem geneigtem Leser historische Fakten an die Hand zu geben.

    Für die Redaktion Max Brym


    Über das Buch "Kosova Vergangenheit und Gegenwart", eine Publikation der Zeitschrift "Meschdunarodnaja Politika", Belgrad 1989


    Vor kurzem erschien in Belgrad ein sogenanntes "Weissbuch", das aber gar nicht schwärzer sein könnte. Das Buch trägt den Titel "Kosova Vergangenheit und Gegenwart". Es wurde auch in einige Fremdsprachen übersetzt und rasch innerhalb der UNO und in verschiedenen Ländern verbreitet. Es handelt sich um ein Buch, das aus mehreren tendenziösen, unwissenschaftlichen, für die KrimiPresse geeigneten Propagandaartikeln besteht.


    Die offiziellen Organe Jugoslawiens haben seit längerem schon behauptet, mit diesem Buch würde das KosovaProblem geklärt werden; man würde beweisen, dass man dort immer richtig vorgegangen ist und dass auch der Terror und die Ermordung von Albanern zu rechtfertigen seien.


    Gewöhnlich bemühte sich Jugoslawien, sich das Image eines emanzipierten Landes zu schaffen, eines ultrazivilisierten europäischen Landes, ja eines Schrittmachers der politischen und ökonomischen Theorien des 20. Jahrhunderts. Liest man aber die flauen Artikel des "Weissbuches" über Kosovo, jene triviale, von brutalem Hass gegen die Albaner als Volk und als Nation strotzende Phraseologie, so drängt sich unwillkürlich der Gedanke auf, dass die Worte Freundschaft und Gleichheit zwischen den Nationen, Gerechtigkeit und soziale Emanzipation, die von den Jugoslawen für den Export benutzt werden, Heuchelei des gemeinsten Typs sind.


    Es spielt sich auch als Bannerträger der nicht paktgebundenen Länder auf, es behauptet sogar, den anderen empfehlen zu können, wie sie vorwärts kommen, wie sie die Meinungsverschiedenheiten lösen, wie sie die Ideen der Zeit verstehen und den Fortschritt sichern können. In diesem "Weissbuch" kommt aber auch das zweite Gesicht Belgrads zum Vorschein, jenes eines Unterdrückers der demokratischen Rechte und der Freiheiten der Menschen. Das 500 Seiten starke Buch enthält aber keine einzige Zeile, in der erklärt würde, weshalb dutzende friedliche Albaner ermordet wurden, weshalb Tausende Jungen und Mädchen eingesperrt worden sind, weshalb die albanische Intelligenz, albanische Wissenschaftler und Lehrer, die albanische Schule, Sprache und Kultur verunglimpft werden. Anstatt die Bevölkerung darüber aufzuklären, warum die Arbeitslosenrate in Kosovo bei über 35 Prozent liegt, warum die ProKopfEinnahmen nur ein Drittel derer Serbiens betragen, bemüht man sich, die Geschichte der Albaner zu leugnen (man wisse nicht, woher sie gekommen sind). Man leugnet ihre Gegenwart (die Verfassung nahm ihnen die Autonomie), man leugnet ihre Zukunft (man weiss nicht, was ihnen bevorsteht).


    Diesem "Weissbuch" zufolge war und ist an den Albanern nichts Gutes. Sie seien nur ganz zufällig in Kosovo. Sie seien aus den Bergen gekommen, um die Serben in Misskredit zu bringen! Auch in den ersten Jahrhunderten des Frühmittelalters, auch in der Zeit der osmanischen Besatzung, auch unter dem serbischen Reich der Karageorgewitschs, in der Zeit des Faschismus und auch im heutigen föderativen Jugoslawien seien die Albaner reaktionär gewesen, wild in ihren Sitten und ihrer Lebensweise, ohne Kultur, ohne Geschichte. An keiner Stelle, auf keiner Seite des Buches wird eine chauvinistische Handlung angeprangert, die irgendwann einmal gegen die Albaner verübt worden ist, erst recht nicht im heutigen Jugoslawien, zum Beispiel in der Zeit von Rankovic, aber auch nicht in der Zeit der Cetniki oder in der Zeit der schwärzesten Reaktion, in der Zeit der Könige, die einst von den jugoslawischen Kommunisten und Revolutionären, wie D. Tucevic und den anderen, entschieden entlarvt worden sind.


    Es ist bedauerlich, dass bekannte Wissenschaftler, wie V. Garaanin, es so weit gebracht haben, sich selbst zu verleugnen. Bekanntlich hatte dieser Autor bis vor kurzem noch die These von der illyrischen Abstammung der Albaner vertreten. In diesem Buch behauptet er jedoch das Gegenteil. Das ist auch nicht verwunderlich. Wenn er sich dazu hergibt, seine Unterschrift neben die eines Polizisten zu setzen, wie es ein gewisser Spassoje Djakovic ist, ehemaliger UDBChef für Kosovo, Rankovics enger Mitarbeiter, bekannt für die Ermordung tausender junger Kosovaren im Jahr 1945, Henker in der Kampagne der Waffenbeschlagnahmung im Jahr 1956, so kann von Seriosität und Folgerichtigkeit ob intellektuelle oder wissenschafliche keine Rede mehr sein.


    Jeder unparteiische Leser wird, wenn er die Geduld aufbringt, dieses Buch zu Ende zu lesen, unwillkürlich feststellen, wie tief Jugoslawien gesunken ist, wie rückstandig und primitiv das politische Denken jenes Teils seiner Führung ist, die die Öffentlichkeit lenkt und beeinflusst.


    Man braucht nur dieses Buch zu lesen, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass das, was in Kosova und inzwischen schon in ganz Jugoslawien vor sich geht, eine gegen die zeitgenössischen Vorstellungen und die demokratischen Trends unseres Kontinents und der ganzen Welt gerichtete Reaktion darstellt.


    Jugoslawien befindet sich in einer allgemeinen Krise einer wirtschaftlichen, politischen, institutionalen und zwischennationalen Krise. Es steckt ausserdem in einer tiefen geistigen Krise, in dem Sinne, dass ihm eine klare Perspektive für die nächste Zukunft fehlt.


    Jugoslawien leidet aber auch unter einem anderen Faktor, der für dieses Land spezifisch ist. Es leidet unter den Folgen davon, dass die Bedingungen nicht existieren, für die die Grossmächte, in Rivalität und in Konfrontation miteinander, in Jugoslawien ein sehr brüchiges Gleichgewicht schufen, offenbar nur konjunkturverbunden, ein Gleichgewicht der momentanen Kompromisse und Vereinbarungen. Wegen verschiedener Interessen und Gründe haben alle Jugoslawien gehätschelt, der Osten und der Westen, die dritte Welt und die Nichtpaktgebundenen, die Gelben und die Weissen. In der internationalen Gemeinschaft wurde es wie ein krankes Einzelkind behandelt, dem alle Unartigkeiten verziehen und alle Launen erfüllt werden.


    Diese Situation schilderte vor kurzem erst ein jugoslawischer Führer, als er sagte: "Es besteht kein Kriegsgefahr mehr. Von Moskau geht keine Bedrohung mehr aus. Jetzt sind wir wirklich allein, und, um zu überleben, müssen wir selbst laufen lernen."


    Doch gerade jetzt, da es unbedingt mit den eigenen Beinen gehen muss, kann Jugoslawien den richtigen Weg nicht finden, der zu beschreiten ist, um die eigene Unabhängigkeit und Freiheit zu bewahren, um die nötige Stabilität zu sichern, um eine demokratische und fortschrittliche Entwicklung zu gewährleisten. Ein noch schlimmeres Übel ist die Tatsache, dass es in Jugoslawien zu einigen politischen Erscheinungen kam, die es auf einen nicht nur für Jugoslawien, sondern auch für andere gefährlichen Weg treiben. Auf der jugoslawischen politischen Szene ist 'der serbische Nationalismus auf den Plan getreten, ein primitiver und durchaus aggressiver Nationalismus.


    Das Programm der serbischen Nationalisten ist klar. Sie wollen das föderative System Jugoslawiens, wie AVNOJ es festgelegt hat, aufheben und das Land zum unitaristischen, zentralistischen und hegemonistischen serbischen Regime der Vorkriegszeit zurückzerren, allerdings in neuen Formen, mit einem neuen Aussehen und in neuer Kluft.


    Der erste Akt dieser Tragödie der Völker Jugoslawiens wurde bereits gespielt. Kosova und der Vojvodina, diesen beiden Bestandteilen der Föderation, wurde die Autonomie geraubt und sie wurden praktisch in Verwaltungsregionen Serbiens verwandelt. Nach dem gewaltsamen Sturz der früheren Führung wurde Montenegro Serbien einverleibt. Nicht mehr fern und anscheinend ohne grossen Widerstand wird die Einverleibung Makedoniens vor sich gehen. .Der Marsch Serbiens hat jetzt die Richtung Norden genommen. Ob und wann dieser Marsch zum stehen kommen wird, das weiss niemand.


    Ungewiss bleibt auch, ob sich auswärtige Kräfte in die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens einmischen werden, welche Form diese Einmischung annehmen wird und wie sie sich auf die innerbalkanischen Beziehungen, auf die gegenwärtigen Verhältnisse und Gleichgewichte in Europa, auf die sich auf diesem Kontinent im Gange befindlichen Prozesse und Dialoge auswirken wird.


    Eins weiss man aber bereits, und zwar, dass die Völker Jugoslawiens eine Hegemonie und Herrschaft Serbiens nicht so leicht akzeptieren werden. Man kann sich kaum vorstellen, dass die so leicht auf das Ideal des Befreiungskampfes und auf eine 45jährige historische Praxis verzichten werden.


    Gerade durch diese Besorgnis kann auch das internationale Interesse für die jugoslawischen Ereignisse erklärt werden, die ganze Sorge um die gefährlichen Tendenzen des serbischen Nationalismus, die das Europaparlament und der amerikanische Senat zeigen, die Tatsache, dass Schriftsteller und Journalisten in aller Welt, verschiedene gesellschaftliche Organisationen und bekannte politische und gesellschaftliche Persönlichkeiten die Unterdrückung der KosovaAlbaner und die Verletzung der Menschenrechte in Jugoslawien anprangern.


    Erst vor kurzem schrieb eine jugoslawische Zeitung: "Ganz Jugoslawien wird ein Kosova werden, wenn es die KosovaFrage nicht löst." Das mag stimmen. Es gibt aber auch noch eine andere Wahrheit. Wenn nicht die Fehler öffentlich zugegeben werden, die man in Kosova gemacht hat und macht, so wird es keine Lösung der jugoslawischen Krise geben. Die Zuspitzung der zwischenethnischen Beziehungen ist unvermeidlich.


    In Slowenien, in Kroatien und etwas . langsamer in Bosnien beginnt man allmählich zu erwachen und die von dem serbischen Hegemonismus drohende Gefahr zu spüren. Doch ist es Paradox, wenn zu einer Zeit, da Alarmrufe gegen diesen Hegemonismus ausgegeben werden, im allgemeinen die grossserbischen Propagandathesen im Zusammenhang mit Kosova und die gegen die Albaner getroffenen Unterdrückungsmassnahmen aber gutgeheissen werden, für die sie in den verschiedenen Versammlungen in Eintracht mit den serbischen Nationalisten auch zustimmend die Hand gehoben haben.


    In einer Rede Anfang August in Alka, in Sinj an der Adria, erklärte der gegenwärtig nahmhafteste Vertreter Kroatiens, Stipe Suvar, dass bei der Aufstellung der neuen Verfassung keine Lösungen "von oben aufgezwungen werden und niemand seinen Wunsch und seine Interessen diktieren wird". Die neue Verfassung Jugoslawiens, so sagte Suvar femer, kann nicht eine Verfassung des Zentralismus und des Unitarismus sein, sie muss vielmehr ermöglichen, dass die jugoslawische Föderation normal und wirksam funktioniert, sie muss die Interessen der Mehrheit aller jugoslawischen Nationalitäten durch die Zustimmung von selten aller jugoslawischen Republiken ausdrücken.


    Wenn man diese Worte seiner Erklärung liest, könnte man glauben, er greife unmittelbar den serbischen Nationalismus an und nehme den jugoslawischen Föderalismus in Schutz.


    Kurz darauf annulliert er aber den Inhalt, den Sinn und die Ausrichtung seiner Worte, wenn er hinzufügt, dass "dies, meiner Meinung nach, eine Voraussetzung für die Unterdrückung des Nationalismus ist, einschliesslich des albanischen Nationalismus im Raum Kosova, der die territoriale Integrität des Landes bedroht".


    Das ist zum Weinen und zum Lachen. Wir möchten aber an Herrn Suvar eine Frage richten: Glaubt er wirklich, die KosovaAlbaner seien nicht dafür, dass die Verfassung Jugoslawiens die Interessen der Mehrheit aller Nationen auszudrücken hat? Warum wurden sie aber von den Panzern ermordert, die man nach Kosovo geschickt hat? Etwa weil sie eine andere Verfassung verlangten, als die, mit der auch er einverstanden ist?


    Die kroatischslowenischen Haltungen gegenüber den Ereignissen in Kosova nach Titos Tod, die erzielten Kompromisse, die gemachten Zugeständnisse und vor allem die vielen Flüche für die Verbrechen der albanienfeindlichen Mafia können nicht lediglich mit politischer Naivität erklärt werden. Sie können auch nicht als eine taktische Haltung hingestellt werden, deren Ziel es ist, die serbischen nationalistischen Horden auf den Süden zu zu treiben, damit der Norden seine Ruhe hat. Dafür gibt es nur eine Erklärung. All diese opportunistischen Haltungen gehen von der Meinung aus, dass der serbische Nationalismus, wenn sein Appetit befriedigt wird, eine Teilung der Macht akzeptieren würde. Die Rechnung war nicht schlecht gemacht, man vergass aber dabei, das der Appetit erst beim Essen kommt.


    Die Praxis zeigt, dass die Ansicht. wonach die jugoslawischen Krisen durch das Zustandekommen einer serbischkroatischen oder serbischkroatischslowenischen Achse zur Ausübung einer gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Macht in Jugoslawien gelöst werden könnten, nicht nur falsch, sondern auch fruchtlos war.


    Damit, dass sie Kosova der Gnade des serbischen Nationalismus überliessen und nicht die Prinzipien des Föderalismus, die bestehende staatliche und gesellschaftliche Praxis verteidigten, die in der Verfassung des Jahres 1974 verankert waren, haben die KroatenSlowenen auch die Waffen fallen lassen, mit denen sie sich verteidigen sollten, wenn sie sich vor dem unmittelbaren Angriff des grossserbischen Hegemonismus und Unitarismus befänden.


    In der Rede, die Milosevic anlässlich des 600. Jahrestages der Schlacht auf dem Amselfeld in GaziMestan hielt, sagte er, dass von der Zeit an, da die Türken im 14. Jahrhundert in Serbien einfielen, "das Volk in Serbien erst in diesem Jahr frei wurde, und erst in diesem Jahr wurde ihm die staatliche, nationale und geistige Souveränität wieder zurückgegeben". Der Nationale Befreiungskampf, die Kommunistische Partei Jugoslawiens, Tito, der AVNOJ, die Föderation und andere Symbole und Begriffe des neuen Jugoslawiens können mit den Türken von Sultan Murat zusammengebracht werden, das heisst mit den Feinden Serbiens. Er sagte es den Anwesenden unverblümt, dass das Jugoslawien der Nachkriegszeit auf den Müll der Geschichte zu werfen sei, und wenn dies nicht im Guten getan wird, dann also durch Waffengewalt.


    Interessant ist die Tatsache, dass die offiziellen Vertreter der Föderation und der anderen Republiken sich diese Erklärungen und finsteren Drohungen des serbischen Präsidenten ohne die geringste Reaktion anhörten.


    Man kann sich sicherlich nicht vorstellen, dass das "Habtacht"Stehen vor dem Führer der serbischen Nationalisten darauf zurückzuführen ist, dass ihnen politischer und persönlicher Mut fehlten oder dass sie auf die gesagten Worte nicht viel Wert legten.


    Es ist eine Folge davon, dass sie der Arroganz der serbischen Nationalisten grünes Licht gaben und diese Arroganz schon damals entfachten, als sie die Amendements für die Verfassungen Serbiens verabschiedeten, mit denen die Autonomie der Gebiete eingeschränkt werden sollte, schon damals, als sie für die Ausrufung des Ausnahmezustands in Kosova stimmten, schon damals, als sie für die Ermordung der Albaner keine Rechenschaft verlangten, schon damals, als sie erkannten, dass das Schicksal des AVNOJJugoslawiens von der Haltung gegenüber den Ereignissen in StariTerg abhing.


    Völlig unverantwortlich ist auch die Haltung, die die jetzigen Machthaber der Republik Makedonien gegenüber den Albanern und gegenüber der Zukunft ihrer Landsleute einnehmen.


    Obwohl Makedonien unmittelbar die Gefahr droht, von Serbien einverleibt zu werden, und ausserdem auch die Gefahr besteht, dass es vollkommen assimiliert wird, hat man dort eine ultranationalistische Kampagne gegen die Albaner vom Zaune gebrochen, mit denen sie dasselbe Los geteilt haben und gemeinsam gegen den grossserbischen Nationalismus und Hegemonismus gekämpft haben.


    Nun ist die Politik der nationalen Unterdrückung und der Einschränkung der demokratischen Rechte der Albaner in Jugoslawien tatsächlich zu einem allgemeinen und konkreten Programm des serbischen Nationalismus, für die Errichtung seiner Herrschaft. im ganzen Lande geworden. Die gegenwärtigen, sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zuspitzenden slowenischserbischen und kroatischserbischen Konflikte zeugen unmissverständlich davon. Das heutige Kosova ist ein Spiegelbild der Zukunft dieser Republiken.


    Die serbischen Nationalisten behaupten, um die nationale Unterdrükkung in Kosovo zu rechtfertigen, die Schuld liege bei den sogenannten albanischen Separatisten, die angeblich die Lostrennung Kosovas von Jugoslawien anstrebten.


    Wir wollen jetzt nicht urteilen, ob es albanische Nationalisten und Separatisten in Kosovo gibt oder nicht, wie viele es sind und wo sie sind. Möglicherweise gibt es sie auch, so wie es sie in Slowenien, in Serbien und in Montenegro gibt. Mag sein. Doch gäbe es auch einen Separatismus in Kosova, warum sollte dann die Autonomie aufgehoben werden, warum muss der Unterricht in der Muttersprache eingeschränkt werden, warum müssen die historischen Traditionen der Albaner geleugnet werden?


    Auch ein Kind, erst recht eine politische Führung versteht, dass solche Unterdrückungsmassnahmen unmittelbar Separatismus züchten, ihm nicht nur Waffen, Fakten, Argumente an die Hand geben, sondern auch eine objektive Basis, sich zu beleben und die "Richtigkeit" seiner Absichten zu demonstrieren.


    Die Unterdrückungsmassnahmen, die in Kosovo getroffen wurden, reichten, um in Slowenien die Idee anzuregen, sich von Jugoslawien loszutrennen. Diese Idee wurde sogar zu einer Bewegung, mit der verlangt wird, dass in den Verfassungen der Republiken das Recht verankert wird, sich loszulösen. Die Separatisten bringt in Jugoslawien der serbische Nationalismus hervor, mit seinen hegemonistischen Anmassungen und der nationalen Unterdrückung der anderen Völker. Er ist es, der die Gefahr einer Zersetzung der Föderation schafft.


    Es besteht eine Meinung, hauptsächlich ausserhalb Jugoslawiens, wonach eine Verbesserung der Wirtschaftslage auch alle anderen Probleme losen würde. Diese Ansicht vertraten bisher auch die KroatenSlowenen, obgleich viele von ihnen bereits beginnen, daran zu zweifeln.


    Man meint, durch die Einführung einiger Massnahmen für den freien Handel, die Annahme irgendeiner Auslandsschuld oder irgendeiner anderen Spritze dieser Art würde Ruhe herrschen im Land. Das ist eine Illusion, denn keine Wirtschaft hat sich bisher entwickelt und ist fortgeschritten in einer Umgebung, die nicht demokratisch ist.


    Das Schlüsselproblem in Jugoslawien, von dem auch die Lösung der anderen Probleme abhängt, ist die politische Frage, das heisst der Konflikt zwischen dem serbischen Föderalismus und dem Unitarismus, zwischen Demokratie und nationalistischem Zentralismus. Wenn der Föderalismus und die Demokratie siegen werden, so wird auch das wirtschaftliche Problem gelöst werden. Dem gegenüber wird sich die Wirtschaft in ein Schlachtfeld verschiedener politischer Gruppen verwandeln, die über sie urteilen und auf sie einwirken werden, nicht der Logik ihrer Gesetze entsprechend, sondern nach der Logik des Machtkampfes.


    Wegen der nationalen Struktur, der historischen Traditionen und der Zusammensetzung der Bevölkerung im heutigen Jugoslawien vermag dort keine Nation die eigene Herrschaft den anderen aufzuzwingen. Auch Serbien, das diesen Anspruch erhebt, besitzt weder die militärische noch die wirtschaftliche, geschweige denn die ideologische und kulturelle Kraft, um dies zu verwirklichen.


    Selbst wenn alle Serben Polizisten würden, genügte das nicht, um die Albaner und Kroaten, die Montenegriner und die Slowenen in den Schranken zu halten. Und schliesslich muss auch jemand arbeiten, um den ganzen erforderlichen Unterdrückungsapparat aufrechtzuerhalten.


    Deshalb vermag nur die demokratische Alternative die nationalen Konflikte zu lösen und Jugoslawien aus der durch sie verursachten Krise herauszuholen. Keine gesunde Logik kann akzeptieren, die Autonomie Kosovas und die Existenz der anderen Republiken würde eine Schwächung Serbiens und Jugoslawiens herbeiführen, wie man gegenwärtig in Belgrad sagt und schreibt.


    Ganz im Genteil würde eine breite Autonomie Kosovas die nationale und demokratische Emanzipation seiner Bevölkerung einen Geist der Eintracht und Versöhnung auch für Serbien und ganz Jugoslawien mit sich bringen, sie würde sich in der Demokratisierung des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens, im guten Verständnis und in der Vertrauensbildung zwischen den Menschen auswirken.


    Während eine Einschränkung der Autonomie und der nationalen und demokratischen Rechte der Albaner und der anderen Völker objektiv und unvermeidlich nicht nur Reibereien, Widerstand und Revolten hervorrufen würde, sondern die Gewalt zur Verteidigung der Einschränkungen sich in einen Generator rassistischer und obskurantistischer Ideen, in eine für das Leben in Serbien vernichtende Waffe verwandeln würde. Diese Folgen sind inzwischen in mehrerer Hinsicht unübersehbar.


    Bisher haben die Serben in ihrer rückhaltlosen nationalistischen Euphorie alles mögliche über die Albaner geschrieben und gesagt. Dies findet auch in dem "Weissbuch" über Kosova seinen Niederschlag.


    Sie sagen beispielsweise, die Albaner hätten keine historischen Traditionen, sie wären niemals ein Volk mit entwickeltem ethnischem Bewusstsein gewesen, sie hätten nie die Fähigkeit gehabt, einen eigenen Staat zu bilden, und dergleichen Früchte einer an Chauvinismus erkrankten Phantasie mehr. Das Ziel dieser Propaganda ist klar.


    Damit, dass sie den Albanern das Alter auf den von ihnen bewohnten Gebieten, ihre nationale Geschichte und Tradition, ihre eigene besondere Lebensweise, ihre Beteiligung am Antifaschistischen Kampf und dem Aufbau des föderativen Jugoslawiens leugnen, wollen sie auch die Forderungen der Albaner in Kosova nach Verteidigung ihrer nationalen Rechte, nach Gleichberechtigung im jugoslawischen Staat, nach Autonomie und anderen ihnen zustehenden demokratischen Rechten, abstreiten.


    Die serbischen Nationalisten haben inzwischen begonnen auch das nationale und historische Erbe der Montenegriner zu leugnen, die Bosnier islamisierte Serben und die Makedonier Südserben zu nennen. Aufs Korn genommen wurde auch das historische Erbe der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, der jugoslawischen Föderation, denen die Hauptschuld für alle Übel in die Schuhe geschoben wird, die Serbien und Jugoslawien getroffen haben. Das Ziel ist hier ein und dasselbe: die Hindernisse zu beseitigen, die der Errichtung der absoluten Herrschaft des serbischen Nationalismus im Wege stehen. Die Ideologie ist unverändert: die Ideologie der Missachtung und des Hasses den anderen Völkern gegenüber.


    Es ist wahrhaft politischer Wahnsinn, dass heute die ethnischen Probleme in einem Vielvölkerstaat gelöst werden, indem man sich auf die Vorstellungen der mittelalterlichen Fürstentümer und auf die Mittel des frühesten Kolonialismus stützt, wie das die serbischen Nationalisten tun wollen. Was aber auch immer getan wird und geschieht, Kosova kann nie als Kolonie gehalten und die Albaner können nie als Emigranten, betrachtet werden.


    Die heutige Zeit ist nicht mehr die der feudalen Könige, der Konquistadoren, der Kolonialherren, der Unterdrückung und Assimilierung der, Nationen. Wir leben in der Epoche des Erwachens aller Kontinente, der nationalen und sozialen Bewusstwerdung aller Völker, der Demokratisierung der internationalen Beziehungen. Die Welt dreht sich vorwärts und nicht zurück. Man muss daher auf einige flaue Thesen verzichten, die nach mittelalterlichen Muff riechen, die aber zu schweren Ketten geworden sind, mit denen in nicht geringem Masse auch den fortschrittlichen Kräften in Jugoslawien die Hände gebunden wurden.


    Eine dieser Thesen ist, dass Kosova angeblich der historische Herd des serbischen Volkes und der Entstehung


    seines Staates sei. Dies ist ein literarischer Mythus, geschaffen von den serbischen nationalistischromantischen Schriftstellern und Dichtern des vergangenen Jahrhunderts und eine expansionistische Parole des grossserbischen Staates während der balkanischen Eroberungskriege.


    Bekanntlich sind die Slawen erst sehr spät auf den Balkan gekommen. Sie kamen zu einer Zeit, da die uransässigen Völker dieser Halbinsel, die Hellenen und die Illyrer, bereits Höhepunkte der Zivilisation und der Entwicklung erreicht hatten. Die Vorhut der slawischen Einfälle gelangte zwar bis zum Pelopones und nach Vlora, genauso wie auch nach Kosova. Dies kann aber nicht als Argument für die Behauptung dienen, diese Gebiete seien slawisch.


    Man kann sich vorstellen, was in Europa gesehenen würde, wenn man die Geschichte der Einfälle und Wanderungen der römischen und griechischen, slawischen und germanischen, angelsächsischen und nordischen, arabischen und sonstigen Stämme politisieren würde, wie das in Jugoslawien gegenwärtig die serbischen Nationalisten tun, die, um zu wissen, bis wohin sie die ethnischen Grenzen dieses oder jenes Staates ziehen, um zu wissen, wo sich die Wiege dieses oder jenes Volkes befindet, wo dieser oder jene Fürst oder Heilige begraben liegt, welche Schlacht Europa gerettet habe und so weiter und so weiter, um den Schlaf gekommen sind. Und wenn es in Kosova auch eine serbische Kirche aus dem Mittelalter gibt, so gibt es auf dem heutigen Gebiet Jugoslawiens viel ältere Denkmäler, mit einer noch ausgeprägteren nationalen Identität, wie der illyrischalbanischen.


    Die zivilisierten Völker leben aber nicht mit Mythen und leiten ausserdem daraus keine politische konkrete Tätigkeit ab. Sicherlich sind die Serben nicht die ersten, die weder die historischen Realitäten noch die bestehende Realität anerkennen wollen. Es gab schon andere, doch alle haben ein übles Ende genommen, eine Niederlage erlitten.


    Der nächsten Propagandathese zufolge, die beinahe zu einer Gesetzeslogik geworden ist, seien die Albaner in Jugoslawien eine Minderheit. Einen grösseren Unsinn kann es kaum geben.


    Eine Minderheit im Verhältnis zu wem? Zu den Slowenen, den Makedoniern, den Kroaten oder den Montenegrinern? Sollten sie eine Minderheit gegenüber den Serben darstellen, so täten dies ebenso die Kroaten und die Slowenen und auch die anderen Völker in Jugoslawien.


    Die Albaner in Jugoslawien zählen fast 3 Millionen, sie bewohnen seit Jahrhunderten ein geschlossenes Gebiet, sie haben ihre Kultur, ihre Traditionen, ihre uralte eigene Sprache. Sie stellen, was die Einwohnerzahl betrifft, die drittgrösste Bevölkerung nach den Serben und den Kroaten. Sie sind also, wie das auch in der Verfassung der SFRJ heisst, ihr konstitutives Element.


    In der jugoslawischen Legislation selbst "wird die albanische Bevölkerung nicht als Minderheit angesehen und auch nicht als solche bezeichnet, sie wird hingegen als Nation für sich angesehen, was auch im jugoslawischen, Verfassungsrecht seinen Niederschlag gefunden hat, womit sie auf die gleiche Stufe mit den anderen Elementen der jugoslawischen Föderation gestellt wird.


    In einem Vielvölkerstaat ist selbstverständlich eine Nation zahlenmässig grösser als die andere, eine andere ist mittelgross und eine andere noch kleiner. Dies soll aber nicht heissen, dass sie juristisch und verfassungsmässig nicht gleichgestellt sein sollen, dass die eine als Mehrheit und die andere als Minderheit zu gelten hat, dass eine Nation mehr Rechte und die andere keine haben soll.


    Nicht nur politische Klugheit und gesunder staatlicher Verstand sondern auch die unvermeidliche Objektivität verlangen es, dass alle Nationen und Nationalitäten eines Vielvölkerstaates, unabhängig davon wann und wie sie sich herausgebildet haben, unabhängig von ihrer Verwandtschaft und ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung ein und denselben juristischen und gesellschaftlichen Status gemessen. Ihnen muss erlaubt werden, sich selbst zu regieren, ihnen muss das Recht anerkannt werden, ihre eigenen Probleme selbständig zu lösen.


    Es existiert noch eine weitere ziemlich spekulative These. Es heisst, die Serben würden Kosova unter dem Druck der Albaner verlassen. Diese Behauptung ist aber nur eine flaue und hohle Deklaration. Nun haben tatsächlich viele Serben Kosova verlassen, aber auch nicht weniger Albaner sind von dort weggezogen. Wenn die Serben, die Kosova verlassen haben, Zehntausende zählen, so sind es hunderttausende Albaner.


    Die meisten Emigranten aus Kosova sind aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert. Ihre Gegend ist unterentwickelt, rückständig und ohne eine absehbare Aussicht auf Fortschritt. Die Serben finden eine viel bessere Arbeit in Belgrad, Nis, Kragujevac oder in anderen Gegenden Serbiens, wo eine rasche und intensive Industrialisierung stattgefunden hat.


    Das Phänomen der Landflucht, das Verlassen der armen ländlichen Gebiete und das Strömen in die entwickelten Industriezonen ist nicht allein eine jugoslawische Erscheinung. Doch ein rein jugoslawisches Phänomen ist es, dass auch eine solch typisch soziale Erscheinung dort zu einem politischen Faktum gemacht wird, zu einem Motiv für die nationale Unterdrückung einer ganzen Bevölkerung, wie das in Kosova mit den Albanern geschieht.


    In Jugoslawien gibt es noch eine weitere Wahrheit, die man mit Schweigen übergeht. Seit 1945 sind von Kosova mehrere hunderttausend Albaner in die Türkei vertrieben worden, denen man die jugoslawische Staatsangehörigkeit und das Recht, zurückzukehren, abgesprochen hat, was bei den anderen jugoslawischen Emigranten nicht geschehen ist.


    Die historische und faktische Realität kann nicht durch Propaganda verändert werden, man kann daran auch mit Gewalt nichts ändern. Von diesem 'Prinzip und von diesen Erfahrungen sind wir ausgegangen, als wir sagten, dass die KosovaFrage ohne die Albaner, geschweige denn gegen sie nicht gelöst werden kann, und auch die anderen Probleme Jugoslawiens nicht gelöst werden können.


    Ebenso sind wir, als wir sagten, dass die Probleme, die heute in Kosova und überhaupt in Jugoslawien entstanden sind, mit politischer Klugheit, realistisch, objektiv zu behandeln sind, davon ausgegangen, dass man einen richtigen Begriff von der Zukunft haben muss, dass man nicht nach rückwärts blicken darf. Die historische Vergangenheit kann dazu dienen, Lehren zu ziehen, nicht aber die gegenwärtigen Probleme zu lösen, indem man diese Vergangenheit mechanisch wiederholt.


    Die Sozialistische Volksrepublik Albanien hat sich nicht in die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens eingemischt. Sie hat dies nicht getan, da die Nichteinmischung in die Angelegenheiten der anderen eines der beständigen Prinzipien ihrer Aussenpolitik ist. Sie hat sich nicht eingemischt, weil sie die Stabilität Jugoslawiens, des Balkans und Europas wünscht. Dies ist kein PropagandaSlogan, sondern eine Haltung, die einem einfachen politischen Gedankengang entspricht. Eine Destabilisierung Jugoslawiens und eine eventuelle Einmischung anderer in den sich daraus ergebenden Trend, würde auch für das benachbarte Albanien Gefahren nach sich ziehen.


    Das sozialistische Albanien erklärte, dass es bereit sei, Jugoslawien nach Kräften zu helfen, nicht aber auf Kosten Kosovas. Selbst wenn es dies tun würde, so wäre damit nichts gelöst. Es wäre nur eine Handlung, die unter anderem in entgegengesetzter Richtung wirken würde und nicht zu realistischen und objektiven Lösungen führen würde, die aber für die Überwindung der Krise in Kosova nötig wären.


    Jugoslawien ist ein aus vielen Nationen mit sehr ausgeprägten nationalen Merkmalen bestehender Staat, die ihre eigenen, uralten und beständigen Kulturen, ihre jeweilige Sprache und Konfession haben, es besteht aus Völkern, die unterschiedliche Sympathien, Freundschaften und Beziehungen in internationalem Massstab unterhalten.


    Ihr Zusammenleben, die Zusammenarbeit zwischen ihnen, ihre Eintracht könnten nur eine Grundlage haben eine politische Basis, bei der die Interessen aller Völker berücksichtigt würden, eine Basis, die einen gemeinsamen jugoslawischen Nenner haben müsste.


    Die Frage ob Jugoslawien ein Staat unter der Herrschaft der serbischen Monarchie oder unter einer beliebigen Hegemonie Serbiens sei, oder eine Föderation, aufgebaut auf der Basis einer breiten Autonomie der Nationen, wurde bereits während des Antifaschistischen Kampfes gestellt.


    Das war das Grundproblem des Nationalen Befreiungskampfes. Zur Lösung dieses Problems haben die Völker Jugoslawiens das grösste Opfer gebracht - l Million und 800 000 Tote, Und das Problem wurde zugunsten des föderativen Systems gelöst, das allen Völkern ausnahmslos ihre nationalen Rechte zuerkannte den Serben, den Kroaten, den Slowenen, den Bosniern, den Makedoniern, den Albanern und den anderen, und ihre Gleichstellung sowie ihre Autonomie anerkannte. Diese Prinzipien wurden in den Beschlüssen des AVNOJ verankert und erhielten dann auch in den später verabschiedeten jugoslawischen Verfassungen Gesetzeskraft. Auf dieser Grundlage hat Jugoslawien bisher gelebt und sich entwickelt.


    Ob gut oder schlecht, hat Jugoslawien mit diesem Staatssystem in erster Linie zumindest ein für alle seine Nationen annehmbares Zusammenleben, eine vollständige internationale Anerkennung ohne Ansprüche ihm gegenüber, eine normale wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung gesichert. Jede nationale Unterdrükung und jeder Versuch, die anderen Nationen im Sinne welcher Ideologie auch immer zu assimilieren, würde nur Widerstand, Zwist und Konflikte hervotrugen, was nicht zur Festigung der sogenannten "staatlichen", "volkstümlichen", "politischen", "ideologischen Einheit" führen würde, sondern zu einer Situation, die nach innen und nach aussen Folgen nach sich ziehen könnte, die man sich kaum vorzustellen vermag.





    Die Albaner und die Schlacht auf dem Amselfeld

    Prof. Stefanq Pollo Direktor des Institutes für Geschichte Wir gedenken dieser Schlacht nicht einfach als eines historischen Ereignisses. Die osmanischen Armen errangen dabei zwar den Sieg, und bahnten dadurch den Weg zur Besetzung des ganzen Balkans, wir aber gedenken ihr als einer Schlacht, bei der die Balkanvölker dafür kämpften, ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu verteidigen, wobei sie unzählige Opfer brachten, als einer Schlacht, die die Balkanvölker zu einer einzigen Front gegen die fremden Eindringlinge vereinigte. Diese Schlacht wurde im Gedächtnis der Generationen, in ihren Liedern und Sagen verankert und verewigt.


    Die Albaner zeichneten sich in dem heroischen Widerstand gegen die osmanischen Eindringlinge Ende des 14. Jahrhunderts durch Tapferkeit und ihren freiheitsliebenden Geist sowie durch ihre Bereitschaft aus, mit den Nachbarn gegen den gemeinsamen Feind zusammenzuarbeiten.


    Bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts konsolidierte sich in Albanien die Tendenz, einen zentralisierten Staat aufzubauen, der in den 70er und 80er Jahren unter der Führung von Gjergj Balsha II. den grössten Teil der albanischen Gebiete erfasste, und sich zeitwilig bis nach Prizren und zum Amselfeld erstreckte. Diesen Prozess unterbrach jedoch der osmanische Sturm. Damit begann für die Albaner die lange Periode der Kämpfe für die Verteidigung der Freiheit und Unabhängigkeit, welche mehr als 100 Jahre andauerte. Der Überfall der Sultanarmeen gefährdete nicht nur die Albaner, sondern alle Balkanvölker. Und bereits am Anfang ergab sich die Notwendigkeit der Vereinigung der Kräfte, um die Agression zurückschlagen zu können. Die Albaner vereinigten sich mit ihren Nachbarn bei der Schlacht von Marica im Jahr 1371. Ihr folgten andere Schlachten der Albaner mit den osmanischen Türken. Die Niederlagen bekräfgten die Notwendigkeit der Vereinigung. Der erste Sieg der albanischen Verbände von Gjergj Balsha II., die sich mit den serbischen und bosnischen Kräften vereinigt hatten, wurde im Jahr 1387 bei Ploshnik errungen. Diese Siege konsolidierten die Balkankoalition und die Überzeugung, die osmanische Agression durch eine entscheidende Schlacht ihrer vereinigten Kräfte zurückschlagen zu können. Und diese Schlacht fand am 28. Juni 1389 auf dem Amselfeld statt. Die Hauptkräfte, die an dieser Schlacht teilnahmen, waren die des serbischen Fürstentums von Morava mit König Lasar, die des albanischen Fürstentumes von Gjergj Balsha II., "von Jorgji, des Herren des albanischen Shkodra", wie ihn die osmanischen Geschichtsschreiber nannten, ferner die des serbischen Fürstentums von Wuk Brankowitsch, der die albanischen Gebiete von Kosovo besass, und die des Fürstentums von Bosnien unter dem Herren Twartko. Historischen Angaben zufolge nahmen an dieser Schlacht auch die Streitkräfte zweier albanischer Feudalherren teil, nämlich die von Dhimiter Jonima, dessen Besitze zwischen Lezha und Rreshen lagen, und die von Todor Muzaka II., des Herren von Berat und Herrscher der Myzeqe. "Die albanischen Herren", heisst es in der Chronik von Muzaka, "zogen ins Feld vereinigt als Verbündete eines gemeinsamen Krieges". Darüber hinaus, heisst es in den historischen Quellen, gab es auch bulgarische und aromunische Kräfte.


    Die regulären albanischen Verbände bezogen Stellung an der rechten Frontflanke, wo sich, nicht zu


    fällig, auch die Streitkräfte von Wuk Brankowitsch aufstellten, zu denen auch die KosovoAlbaner gehörten.


    Der Kampf auf dem Amselfeld war sehr hart, mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Dort starb auch Sultan Murat I., getötet von dem Albaner Milosh Kopiliqi, ebenso wurde der Fürst Lazar, der die Balkankoalition leitete, von den Türken gefangengenommen und aus Rache hingerichtet.


    Konstantin Jirecek zufolge "konnten nur wenige von den albanischen Feudalherren, die an der Schlacht teilnahmen, ihr Vaterland wiedersehen" .


    Der Sieg der Osmanen bei der Schlacht auf dem Amselfeld war von katastrophalen Folgen für den Balkan. Mit dem unaufhaltsamen Vorstoss der feindlichen Armeen wurde auch der Unabhängigkeit der feudalen Staaten der Halbinsel ein Ende gesetzt, die nun zu Vasallen des osmanischen Reiches wurden.


    Die Schlacht auf dem Amselfeld bleibt aber trotzdem ein glänzendes Kapitel in der mittelalterlichen Balkangeschichte. Sie ist ein Beweis für den freiheitsliebenden Geist der Volksmassen der Halbinsel, die schon früher Beweise für ihre Entschlossenheit geliefert hatten, die Aggression zurückzuschlagen und die Unabhängigkeit ihrer Länder zu verteidigen. Dieser kämpferische Geist blieb auch nach der Niederlage unbesiegbar erhalten. Das ruhmreichste Beispiel dafür lieferten die Albaner, die mit ihrem Aufstand der 30er Jahre des 15. Jahrhunderts (Gjon Kastrioti, Gjergj Arianiti, Bep Zenebishi, Nikolle Dukagjini u.a.m) und insbesondere mit dem grossen 25jährigen antiosmanischen Kampf unter der Führung des Nationalhelden Gjergj Kastrioti Skanderbeg (14441468) ihren flammenden Patriotismus ihre grenzenlose Liebe zur Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes und die Bereitschaft zeigt, alles in ihren Namen zu opfern.


    Die Schlacht auf dem Amselfeld blieb ebenso wie die früheren Schlachten von Marica und Ploschnik ein glänzendes Beispiel der Balkanzusammenarbeit in der Geschichte. Vor der gemeinsamen Gefahr gaben die Balkanfürsten, unterstützt von den Volksmassen, ihre Streitigkeiten, Feudalambitionen und ihre partikularistischen Interessen auf, um ihre Kräfte gegen die fremden Eindringlinge zu vereinigen. Wenn die Geschichte, wie man sagt, eine Lehrerin des Lebens ist, ist das die wichtigste Lehre, die aus diesen Ereignissen gezogen werden muss, und gleichzeitig einer der positivisten Aspekte. Genau das meinte Marx, als er schrieb, dass die Osmanen bei der Schlacht auf dem Amselfeld die vereinigten Streitkräfte der Serben, Albaner, Bosnier, Bulgaren und Aromunen schlugen. Diese Schlachten erweisen der Geschichte der Völker der Balkanhalbinsel Ehre. Die Zusammenarbeit der Völker des Balkans sollte auch während der osmanischen Besetzung zum Ausdruck kommen. Ein beeindruckendes Beispiel in dieser Hinsicht ist die Teilnahme von Freiwilligen aus den Balkanländern an den serbischen, griechischen und rumänischen Befreiungsrevolutionen Anfang des 19. Jahrhunderts sowie die Ideen der demokratischen Revolutionen dieser Länder hinsichtlich der Balkansolidarität, im Kampf für die Vertreibung des Osmanischen Reiches der Sultane von der Halbinsel. Doch die serbische, griechische und später auch die bulgarische Monarchie, verfolgten, nachdem sie ihre Macht konsolidiert hatten, eine expansionistische Politik auf Kosten der anderen, und vor allem der Albaner, um grosse Staaten innerhalb der Grenzen ihrer mittelalterlichen Reiche, im Interesse ihrer eigenen Bourgeoisie, wiederzugründen. Diese Politik unterminierte nicht nur die Balkansolidarität, sondern wurde auch zum Hauptgrund der Spaltung und der Kämpfe, die den Balkanvölkern und vor allem dem albanischen Volk unschätzbaren Schaden zufügten. Das albanische Volk, das einen wertvollen Beitrag zum Befreiunsgprozess des Balkans geleistet hatte, erkämpfte seine Freiheit nicht nur als letztes, sondern wurde durch den Beschluss der imperialistischen Mächte bodenmässig sehr stark verstümmeltelt.


    Die Schlacht auf dem Amselfeld hat als ein historiographischer Fakt die Aufmerksamkeit der Historiker verschiedener Länder innerhalb und ausserhalb unserer Halbinsel auf sich gezogen. Unglücklicherweise fanden aber die expansionistischen Tendenzen, Albanien zu zerstückeln und die albanische Nation von der politischen Balkankarte auszuradieren, ihren Ausdruck auch in der Geschichtsschreibung, in der Publizistik und in der ganzen nationalistischen Propaganda, in denen das albanische Volk als ein Volk ohne Geschichte und Kultur dargestellt wurde, dass es daher nicht verdiente, seinen eigenen Staat zu haben, In diesem Geist sind die historischen Ereignisse des Balkans behandelt worden. Diese niederträchtige Tradition ist heute von der grossserbischen Geschichtsschreibung auch da wiederbelebt worden, wo es um die Schlacht auf dem Amselfeld im Jahvin 1389 geht. Die Idee, die die nationalistische serbische Geschichtsschreibung wie ein schwarzer Faden durchzieht, ist die Leugnung der Teilnahme der Albaner an dieser Schlacht, und insbesondere die Leugnung der Beteiligung der Kosovoalbaner, aus dem einfachen Grund, so die serbische Geschichtsschreibung, weil Kosovo im 14. Jahrhundert "echter serbischer Boden" ohne Albaner gewesen sei, den aber dann die Albaner Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts mit der Hilfe der osmanische 'Feudalherren als Besatzer besiedelt hätten,


    Daher ist die Schlacht auf dem Amselfeld für sie nicht eine Schlacht der Balkanvölker, wie sie eine Reihe hervorragender Historiker bezeichnet haben, also eine Schlacht, bei der die Albaner eine wichtige Rolle gespielt haben, sondern eine Schlacht der serbischbosnischen Kräfte. Und diese Auffassung vertreten sie heute noch hartnäckig, da wichtige, vor allem osmanische Quellen ans Tageslicht gekommen sind, die ganz deutlich und unbestreitbar die Präsenz der albanischen Kräfte in dieser Schlacht hervorheben, und sie als die wichtigsten nach den serbischen und bosnischen bezeichnen. Was die grossserbischen Geschichtsschreiber am meisten beunruhigt ist die Präsenz und die Beteiligung der Kosovoalbaner an der Schlacht, die ihre so weit hinausposaunte These über Kosovo als "die Wiege, das Herz und den Geist Serbiens" wiederlegt. Eine Reihe von historischen, hauptsachlich osmanischen Angaben beweist, dass die Albaner von Kosovo zwar nicht, wie die der anderen Gebiete, ihre eigene staatliche Formation hatten, weil sie sich unter der Herrschaft des Fürstentumes von Wuk Brankowitsch befanden, in Kosovo aber bereits im 14. Jahrhundert als eine vorherrschende Bevölkerung präsent waren, die in ihren eigen Gebieten, Städten, Dörfern' als eine sesshafte und Hirtenbevölkarung, als Handwerker, Händler, Kleriker usw. lebten.


    Auffallend ist die Tatsache, dass das Epos der KosovoAlbaner über diese Schlacht, zwar in den Jahrhunderten zerstückelt und verändert, doch unsere Tage erreicht hat, und auf dem ganzen Territorium des Gebietes verbreitet ist. Im Gegensatz zu dem epischen serbischen Lied, das hauptsächlich dem Fürsten Lasar und den grossen serbischen Adligen gewidmet ist, stellte das albanische Epos in den Mittelpunkt der Erzählung den wahren Helden dieser Schlacht, den Landmann Milosch Kopiliq, der sich opferte und dabei den Sultan tötete. Es erzählt von Wanderungen der albanischen Bevölkerung nach der Schlacht, und, was wichtiger ist, es wird darin die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass sie eines Tages, wenn "der Türke besiegt ist", wieder in ihre Heime zurückkehren würden. Die Namen der albanischen Kämpfer der Schlacht auf dem Amselfeld wie Milosch, Musa Arbanasi, Ivan Kosantschitsch tauchen auch in dem slawischen Epos auf.


    Der 600. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld hat in Serbien den Anlass zu einer ohrenbetäubenden Kampagne der Presse und der ganzen Massenmedien gegeben, wobei die historische Realität durch das serbische Mythos über Kosovo ersetzt wird, wobei die Falken im Geist der serbischen Ausschliesslichkeit willkürlich vergewaltigt werden. Diese Kampagne hat den Segen der serbischen Kirche, die einst den König Lasar zum "Heilgen" erklärte, und zu dessen Grab man nun Pilgerfahrten organisiert. All dies und die Ultramassenkundgebungen, die geplant sind, schüren in hohem Masse den serbischen Nationalismus und den Hass gegen 'Sie Albaner, was bis zu chauvinistischem Wahnsinn reicht. Der einfache Mensch fragt nun mit Recht, warum wird ein solcher Lärm veranstaltet, wo solch grosse Feierlichkeiten nicht einmal zu anderen, noch grösseren historischen Siegen der serbischen Bevölkerung organisiert werden? Das Paradoxe daran lässt sich daraus erklären, dass die grossserbischen Kreise das bei dieser Schlacht vergösse Blut zum Hauptargument machen, um die einheimische und ausländische Öffentlichkeit von den "historischen" Rechten Serbiens in Kosovo zu überzeugen, und ihre albanienfeindliche Politik zu rechtfertigen, die zur Zeit in diesem Gebiet verfolgt wird.


    Die sorgfältige Erforschung und die genaue und objektive Interpretation der Angaben über die Schlacht auf dem Amselfeld ist eine Aufgabe der historischen Wissenschaft. Sie wird dabei helfen, nicht nur die Wahrheit aufzuzeigen, sondern auch die nötigen Lehren daraus zu ziehen und sie in den Dienst der Verständigung zwischen den Völkern und ihrer Zusammenarbeit zu stellen. Wir gedenken des 600. Jahrestages der Schlacht auf dem Amselfeld vom Jahr 1389, und ehren diejenigen, die für die Freiheit, Unabhängigkeit und Kultur ihres eigenen Landes kämpften, und wir schätzen die Botschaft der Freundschaft und Zusammenarbeit, die diese Schlacht den Generationen hinterließ.





    DIE TSCHUBRILOWITSCHS WIEDER AUF DER BÜHNE

    "ZERI I POPULLIT"

    Organ des ZK der PAA 1990

    Vor drei Jahren brachte das Belgrader Fernsehen eine Sendung über die Feierlichkeiten anlässlich der Auszeichnung des serbischen hochbetagten Wissenschaftlers W. Tschubrilowitsch, Die Tatsache hätte kein Interesse geweckt, wenn hinter dem Glanz der Medaille und dem Klingen der Gläser nicht der dunkle Schatten seiner berüchtigten Plattform über die Vernichtung der Albaner stände, die für die Grossserben heute aktueller denn je zu sein scheint. Als "eine sichere und ständige Lösung" der Krise Kosovos sehen sie die Neubesiedlung dieses Gebietes.


    Der Präsident Serbiens, S. Milosecic rief auf einer Versammlung des Vorstandes dieser Republik direkt dazu auf: "Wir brauchen weitere Freiwillige, die in Kosovo leben sollen... Mehrere Hunderte, mehrere Tausende müssen in einer grossen Mission nach Süden wandern..."


    Unmittelbar danach gab man bekannt, dass zur Verwirklichung dieser Mission ein sogenannter Stab gebildet wurde. Dieser aus dem Arsenal des Kriegwortschatzes ausgeliehene Begriff, deutet ganz klar auf das Ziel: Es geht nicht um die Rückkehr einiger ehemaliger Bewohner, die hier und da aus verschiedenen Gründen das Gebiet Verlassen haben, sondern darum, Menschen hierher zu bringen, die weder jemals dort lebten noch irgendeine Beziehung oder Verbindung zu Kosovo haben.


    TANJUG bekundet offen diese Tatsache, als sie am 16. Februar meldete: "Alle wundern sich über die grosse Zahl der Menschen, die nie in diesem Gebiet gelebt haben, und sich trotzdem bereit erklärten, dort zu wohnen. Es gibt ja sogar welche, fuhr TANJUG fort, die nicht nur aus Serbien, sondern auch aus BosnienHerzegowina, Montenegro und Kroatien kommen". Sie werden eilig registriert. Man sagt, daran werde auch sonntags gearbeitet. Es heisst, es sollen sogar serbische Jugendliche kommen, die an der Universität von Prishtina studieren werden, um dieses "Zentrum des albanischen Nationalismus" zu zerstören.


    Wo werden aber diese Menschen wohnen, was werden sie essen, wo werden sie arbeiten, wenn das Lebensniveau in Kosovo wie bekannt, dreimal so niedrig ist wie durchschnittlich in Jugoslawien und die Arbeitslosigkeitsrate bei 40% liegt? Doch Stab bleibt Stab, und deshalb trifft man Massnahmen. Der Vorsitzende des Rates der Gewerkschaften Serbiens redet von einem Beitrag aus dem allgemeinen und persönlichen Einkommen, der zu einem Fonds gehören soll, um die Übersiedlung der Serben nach Kosovo zu unterstützen.


    Diesem Ziel werden 30 wirtschaftliche Projekte und der Bau von mehreren tausend Wohnungen in Kosovo dienen. Es geht nur noch darum, dass möglichst viele Serben nach Kosovo auswandern sollen. Alles andere würde schon geregelt werden. Jeder neutrale Beobachter, der sich mit solchen Plänen vertrautmacht, wird sich Fragen stellen. Erstens behaupten die Grosserben in allen Analysen, Berichten und auf unzähligen Versammlungen, in den Erklärungen und bei den vorgesehenen Massnahmen zur Sanierung der Lage in Kosovo, die Ursache der Armut und der wirtschaftlichen Ruinierung des Gebietes sei die hohe Geburtenzahl, also die Bevölkerungsexplosion.


    Nie zuvor wurden in Europa solche Verfluchungen gegen die so edle und menschliche Mutterfunktion aufgeworfen, wie gegenwärtig in Kosovo. Wie also kann die Situation in diesem Gebiet geändert werden; indem man die Bevölkerung verkleinert, ihr natürliches Wachstum willkürlich verbietet, wie man es mit den ständigen Aufrufen zur Kontrolle der Geburtenzahlen der Albaner macht, oder indem man künstlich die Zahl der Einwohner erhöht, durch die mechanische Massenauswanderung der Serben und durch Besiedlung?


    Die Sache liegt auf der Hand: es geht nicht darum, dass Kosovo nicht viele Menschen haben soll, sondern darum, dass Kosovo keine Albaner hat.


    Zweitens haben die Belgrader Führer oft Stein und Bein geschworen, sie seien für die gleichen Rechte aller Nationen und Nationalitäten in Kosovo. Auch wenn man diesem Schwur gern glauben möchte, muss man fragen:


    Wenn Belgrad für Gleichberechtigung in Kosovo ist, warum verliert man kein einziges Wort über mehrere Tausende Albaner, die in den letzten Jahren aus diesem Gebiet weggewandert sind? Und dieser Aderlass geht weiter....


    Die kolonialistische Denkweise misst mit zweierlei Mass: Für die Serben, Propaganda, Geld, Stäbe, alles, damit sie Kosovo besiedeln. Und für die Albaner: Staatsterror und Gewalt, Kindermord und Massenverhaftungen, um sie auszurotten oder als Flüchtlinge ans Ende der Welt zu jagen.


    Die Albaner in Kosovo werden wie ein Fremdkörper behandelt. Ausgehend von dieser Logik ist Serbien bereit, so Reuter, neue Siedler in das Gebiet zu schicken, damit man sicher geht, dass kein Stück seines Bodens von den Albanern "besetzt" wird. Wie man aber den Boden besetzen kann, auf dem das eigene Haus steht, wo die Gräber der Ahnen und Grossväter liegen und die eigenen Kinder zur Welt gekommen sind, und wo man dem Nachbarn Frieden und Harmonie angeboten hat, ohne jemanden zu belästigen, diesen Unsinn können nur die erklären, die ihn erfunden haben.


    Eine solche Politik mit Ausbrüchen von blindem Nationalismus ist ebenso primitiv wie provozierend. Sie richtet sich gegen die Ideale der Zivilisation und die Tendenz der heutigen Entwicklung. Sie ist eine Herausforderung gegenüber allen Anstrengungen um Frieden und Völkerverständigung.


    Und deshalb wurde sie von der humanen jugoslawischen und internationalen Öffentlichkeit angeprangert.


    Paradoxerweise hat die serbische Führung unterstrichen, die Übersiedlung der neuen Bewohner nach Kosovo habe eine "Friedensmission." Diese Demagogie ist aber ein gescheitertes Alibi. Denn dem wahren Frieden und der echten Ruhe dienen nur der Dialog, der Weg der Vernunft. Den friedlichen und Respekt verdienenden Albanern sollen die demokratischen Rechte und Freiheiten zuerkannt werden, die die jugoslawische Verfassung allen Völkern dieses Landes garantiert.


    Es stellt sich daher die Frage, ob dieses gefährliche Spiel der Tschubrilowitschs auf einer so empfindlichen politischen Bühne wie es der Balkan ist, dem Frieden dient, wie behauptet wird, oder dem Unheil und der Tragödie in Kosovo und darüber hinaus.


    www.kosova-aktuell.de
    sehr unneutrale quelle

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