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Unabhängigkeit Kroatiens- Autonome Region Krajina, ein Gedankenspiel

Erstellt von skorpion, 29.04.2011, 13:39 Uhr · 73 Antworten · 4.511 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von skorpion

    Registriert seit
    25.10.2009
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    3.739

    Unabhängigkeit Kroatiens- Autonome Region Krajina, ein Gedankenspiel

    Vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten, der aus der Gegend um Knin stammt. Wir haben so über Gott und die Welt geplaudert und weil es ja jetzt gerade 20 Jahre her ist, auch über die Unabhängigkeit Kroatiens und die weiteren Folgen. Da hatte mein Gesprächspartner eine interessante These. Zum besseren Verständnis will ich meinen Gesprächspartner kurz skizzieren:

    Er ist wie ich Jahrgang 1969 und war also 1991 22 Jahre alt. Er ist Krajina-Serbe, wie seine gesamte Familie, mit Ausnahme der Frau seines großen Bruders, der eine Kroatin geheiratet hat. Er hat später auf Seiten der Serben gekämpft und ist nach einer kleinen Odyssee über Banja Luka, Beograd und Novi Sad 1997 nach Deutschland gekommen.

    Er erzählte mir seine Sicht der Dinge folgendermaßen: Als sich die Loslösung Kroatiens immer deutlicher abzeichnete, wurde auch unter den Krajina-Serben darüber diskutiert, selbstverständlich. Dabei gab es im Wesentlichen drei große Lager: Die, die um jeden Preis an Jugoslawien in der hergebrachten Form festhalten wollten, ggf. mit ein paar Reformen. Er schätzte dieses Lager in seinem Umfeld auf ca. 15 %. Dann, als zweite Gruppe, diejenigen, die dem "Velika-Srbija"-Gedanken anhingen, die also nichts gegen einen Zerfall Jugoslawiens hatten, wenn nur möglichst viel davon für die Serben übrig bliebe- und die Krajina, als traditionell angestammtes serbisches Siedlungsgebiet, hätte ganz selbstverständlich zu Serbien gehören müssen. Wie auch die anderen beanspruchten Gebiete. Diese Fraktion schätzte er auf 25 %. Die verbleibenden 60 %, zu denen er sich auch selbst zählte, hätten mit einem unabhängigen Kroatien kein grundsätzliches Problem, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Diese 60 % waren jedoch keine homogene Masse, einigen war es generell egal, weil sie sich nicht für Politik interessierten, anderen war Kroatien an sich egal, sie versprachen sich davon einfach persönliche wirtschaftliche Vorteile, wieder andere lebten sowieso schon in ethnischer Durchmischung. Die Mehrheit aber war schon durchaus serbisch aus Überzeugung, aber eher auf das private Umfeld bezogen. Denen schwebte, wie meinem Bekannten, so eine Art Vojvodina-Status für die Krajina vor. Teil des kroatischen Staates, aber intern mit serbischer Autonomie. Öffentliche Ausschilderung in kyrillischer und lateinischer Schrift, Serbisch als gleichberechtigter Amtssprache, orthodoxe Feiertage als gesetzliche Feiertage, eine eigene Regionalverwaltung mit garantierten Sitzen im kroatischen Parlament und dergleichen mehr. Man sah also durchaus die Perspektiven, die ein kroatischer Staat mit sich brächte und hätte sich damit arrangiert, solange man nicht persönlich beeinträchtigt würde.

    So ist es nicht gekommen und der kroatische Staat unter Tudjman, in dem er sich dann 1991 wiedergefunden hatte, war für ihn nicht akzeptabel (was aus meiner Sicht nachvollziehbar ist) und so schloß er sich schließlich den Paramilitärs an, um "seine Heimat zu verteidigen". Der Rest der Geschichte ist ja bekannt.

    Hätte es diesen "Dritten Weg" gegeben? Hätte ein "serbenfreundlicheres" Kroatien sich und der Welt vielleicht den Krieg ersparen können, weil die kroatischen Serben einfach nicht mitgespielt hätten und ein Kroatien, in dem sie Autonomie genossen hätten, akzeptiert hätten?

    Hätte eine andere politische Führung in Zagreb den übrigen Kroaten so etwas vermitteln können oder hieß Pro-Unabhängigkeit quasi automatisch Anti-Serbisch?

    Was hätte eine solche Regelung für Bosnien bedeuten können?

  2. #2
    Avatar von Lahutari

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    Beiträge
    5.050
    was heißt serbenfreundlicher?
    hätten die kroaten etwa die serben ohne gegenwehr einmarschieren lassen sollen?

  3. #3

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    1.567

  4. #4
    kenozoik
    er kann von mir aus verrecken und sich die gedankenspiele sonstwohin stecken

    bestell ihm einen gruss von einem kroaten aus der gegend um knin

  5. #5
    Avatar von skorpion

    Registriert seit
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    3.739
    Zitat Zitat von Arbnor Beitrag anzeigen
    was heißt serbenfreundlicher?
    hätten die kroaten etwa die serben ohne gegenwehr einmarschieren lassen sollen?
    Zitat Zitat von Baksuz Beitrag anzeigen
    Es ging darum, VOR den gewaltsamen Auseinandersetzungen eine Regelung zu schaffen, mit der auch die serbische Bevölkerung Kroatiens hätte leben können. Etwa zum Zeitpunkt vor dem Unabhängigkeitsreferendum hätte man diese Statusfrage geklärt haben müssen.

    Damit wäre es möglicherweise gar nicht erst zu serbischer Gegenwehr (vor Ort) gekommen und Beograd hätte auch keine Argumente gehabt.

    Z4 war einfach zu spät.

  6. #6

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    15.315
    Typisch Serbe aus Kroatien. Ein Glück kam dieser Z-4-Plan nie zu Stande, ein Glück haben wir jetzt unsere eigene Fahne, , etc. Und zum Glück haben die Serben keine Sonderrecht in Kroatien. Wir hatten sie jahrelang auch nicht.

  7. #7
    kenozoik

  8. #8

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    250
    Der damalige kroatische Präsident und Kriegsverbrecher Tudjman entzog den Serben alle Rechte und unterdrückte sie ähnlich wie Milosevic die Albaner. Erinnerungen an Jasenovac unter den Ustase (2 WK) wurden wach klar das die Serben nicht in so ein Kroatien leben wollten. Die Schuld den Serben in die Schuhe zu schieben ist am einfachsten.

    Wenn eine Volksgruppe 80% der Bevölkerung stellt wie die Serben in Knin, Plitvice, Benkovac bzw Nord Dalmatien und der Lika dann sollte man ihnen auch gewisse Rechte geben um nicht von Autonomie zu sprechen.


    Wenn die Krajina Serben klug sind nutzen sie die EU aus und fordern diese Rechte bald die ihnen Kroatien damals nicht gegeben hat.

  9. #9
    MaxMNE
    Das mit der Autonomie wäre nur in Frage gekommen wenn Jugoslawien eine Konföderation geworden wäre.
    Im Fall einer vollständigen Unabhängigkeit Kroatiens wollten wohl die wenigsten Serben dass die Krajina bei Kroatien bleibt.

  10. #10
    Avatar von Ivo2

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    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten, der aus der Gegend um Knin stammt. Wir haben so über Gott und die Welt geplaudert und weil es ja jetzt gerade 20 Jahre her ist, auch über die Unabhängigkeit Kroatiens und die weiteren Folgen. Da hatte mein Gesprächspartner eine interessante These. Zum besseren Verständnis will ich meinen Gesprächspartner kurz skizzieren:

    Er ist wie ich Jahrgang 1969 und war also 1991 22 Jahre alt. Er ist Krajina-Serbe, wie seine gesamte Familie, mit Ausnahme der Frau seines großen Bruders, der eine Kroatin geheiratet hat. Er hat später auf Seiten der Serben gekämpft und ist nach einer kleinen Odyssee über Banja Luka, Beograd und Novi Sad 1997 nach Deutschland gekommen.

    Er erzählte mir seine Sicht der Dinge folgendermaßen: Als sich die Loslösung Kroatiens immer deutlicher abzeichnete, wurde auch unter den Krajina-Serben darüber diskutiert, selbstverständlich. Dabei gab es im Wesentlichen drei große Lager: Die, die um jeden Preis an Jugoslawien in der hergebrachten Form festhalten wollten, ggf. mit ein paar Reformen. Er schätzte dieses Lager in seinem Umfeld auf ca. 15 %. Dann, als zweite Gruppe, diejenigen, die dem "Velika-Srbija"-Gedanken anhingen, die also nichts gegen einen Zerfall Jugoslawiens hatten, wenn nur möglichst viel davon für die Serben übrig bliebe- und die Krajina, als traditionell angestammtes serbisches Siedlungsgebiet, hätte ganz selbstverständlich zu Serbien gehören müssen. Wie auch die anderen beanspruchten Gebiete. Diese Fraktion schätzte er auf 25 %. Die verbleibenden 60 %, zu denen er sich auch selbst zählte, hätten mit einem unabhängigen Kroatien kein grundsätzliches Problem, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Diese 60 % waren jedoch keine homogene Masse, einigen war es generell egal, weil sie sich nicht für Politik interessierten, anderen war Kroatien an sich egal, sie versprachen sich davon einfach persönliche wirtschaftliche Vorteile, wieder andere lebten sowieso schon in ethnischer Durchmischung. Die Mehrheit aber war schon durchaus serbisch aus Überzeugung, aber eher auf das private Umfeld bezogen. Denen schwebte, wie meinem Bekannten, so eine Art Vojvodina-Status für die Krajina vor. Teil des kroatischen Staates, aber intern mit serbischer Autonomie. Öffentliche Ausschilderung in kyrillischer und lateinischer Schrift, Serbisch als gleichberechtigter Amtssprache, orthodoxe Feiertage als gesetzliche Feiertage, eine eigene Regionalverwaltung mit garantierten Sitzen im kroatischen Parlament und dergleichen mehr. Man sah also durchaus die Perspektiven, die ein kroatischer Staat mit sich brächte und hätte sich damit arrangiert, solange man nicht persönlich beeinträchtigt würde.

    So ist es nicht gekommen und der kroatische Staat unter Tudjman, in dem er sich dann 1991 wiedergefunden hatte, war für ihn nicht akzeptabel (was aus meiner Sicht nachvollziehbar ist) und so schloß er sich schließlich den Paramilitärs an, um "seine Heimat zu verteidigen". Der Rest der Geschichte ist ja bekannt.

    Hätte es diesen "Dritten Weg" gegeben? Hätte ein "serbenfreundlicheres" Kroatien sich und der Welt vielleicht den Krieg ersparen können, weil die kroatischen Serben einfach nicht mitgespielt hätten und ein Kroatien, in dem sie Autonomie genossen hätten, akzeptiert hätten?

    Hätte eine andere politische Führung in Zagreb den übrigen Kroaten so etwas vermitteln können oder hieß Pro-Unabhängigkeit quasi automatisch Anti-Serbisch?

    Was hätte eine solche Regelung für Bosnien bedeuten können?
    Sorry, aber ist vollkommen falsch was dein Freund von sich gibt. Es gab Verhandlungen und auch eine Einigung zwischen Tudjman und Raskovic gab es 1990, dann wurden die Ängste geschürt und es kam Milan Babic. "Baumstammrevolution" übrigens schon 1990 und Beginn der Vertreibung der nicht-serbischen Bevölkerung, hauptsächlich Kroaten. Desweiteren wurde der Krieg schon ab Mai 1990 in Knin von serbischer Seite vorbereitet.
    Republik Serbische Krajina

    Übrigens war es das Siedlungsgebiet der Kroaten und erst im 16 Jahrhundert wurden dort von den Österreichern Serben angesiedelt.

    Lesenswert:

    Jg. 7/2-95 Grandits

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