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Unabhängigkeit Kroatiens- Autonome Region Krajina, ein Gedankenspiel

Erstellt von skorpion, 29.04.2011, 13:39 Uhr · 73 Antworten · 4.512 Aufrufe

  1. #21
    Ferdydurke
    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten, der aus der Gegend um Knin stammt. Wir haben so über Gott und die Welt geplaudert und weil es ja jetzt gerade 20 Jahre her ist, auch über die Unabhängigkeit Kroatiens und die weiteren Folgen. Da hatte mein Gesprächspartner eine interessante These. Zum besseren Verständnis will ich meinen Gesprächspartner kurz skizzieren:

    Er ist wie ich Jahrgang 1969 und war also 1991 22 Jahre alt. Er ist Krajina-Serbe, wie seine gesamte Familie, mit Ausnahme der Frau seines großen Bruders, der eine Kroatin geheiratet hat. Er hat später auf Seiten der Serben gekämpft und ist nach einer kleinen Odyssee über Banja Luka, Beograd und Novi Sad 1997 nach Deutschland gekommen.

    Er erzählte mir seine Sicht der Dinge folgendermaßen: Als sich die Loslösung Kroatiens immer deutlicher abzeichnete, wurde auch unter den Krajina-Serben darüber diskutiert, selbstverständlich. Dabei gab es im Wesentlichen drei große Lager: Die, die um jeden Preis an Jugoslawien in der hergebrachten Form festhalten wollten, ggf. mit ein paar Reformen. Er schätzte dieses Lager in seinem Umfeld auf ca. 15 %. Dann, als zweite Gruppe, diejenigen, die dem "Velika-Srbija"-Gedanken anhingen, die also nichts gegen einen Zerfall Jugoslawiens hatten, wenn nur möglichst viel davon für die Serben übrig bliebe- und die Krajina, als traditionell angestammtes serbisches Siedlungsgebiet, hätte ganz selbstverständlich zu Serbien gehören müssen. Wie auch die anderen beanspruchten Gebiete. Diese Fraktion schätzte er auf 25 %. Die verbleibenden 60 %, zu denen er sich auch selbst zählte, hätten mit einem unabhängigen Kroatien kein grundsätzliches Problem, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Diese 60 % waren jedoch keine homogene Masse, einigen war es generell egal, weil sie sich nicht für Politik interessierten, anderen war Kroatien an sich egal, sie versprachen sich davon einfach persönliche wirtschaftliche Vorteile, wieder andere lebten sowieso schon in ethnischer Durchmischung. Die Mehrheit aber war schon durchaus serbisch aus Überzeugung, aber eher auf das private Umfeld bezogen. Denen schwebte, wie meinem Bekannten, so eine Art Vojvodina-Status für die Krajina vor. Teil des kroatischen Staates, aber intern mit serbischer Autonomie. Öffentliche Ausschilderung in kyrillischer und lateinischer Schrift, Serbisch als gleichberechtigter Amtssprache, orthodoxe Feiertage als gesetzliche Feiertage, eine eigene Regionalverwaltung mit garantierten Sitzen im kroatischen Parlament und dergleichen mehr. Man sah also durchaus die Perspektiven, die ein kroatischer Staat mit sich brächte und hätte sich damit arrangiert, solange man nicht persönlich beeinträchtigt würde.

    So ist es nicht gekommen und der kroatische Staat unter Tudjman, in dem er sich dann 1991 wiedergefunden hatte, war für ihn nicht akzeptabel (was aus meiner Sicht nachvollziehbar ist) und so schloß er sich schließlich den Paramilitärs an, um "seine Heimat zu verteidigen". Der Rest der Geschichte ist ja bekannt.

    Hätte es diesen "Dritten Weg" gegeben? Hätte ein "serbenfreundlicheres" Kroatien sich und der Welt vielleicht den Krieg ersparen können, weil die kroatischen Serben einfach nicht mitgespielt hätten und ein Kroatien, in dem sie Autonomie genossen hätten, akzeptiert hätten?

    Hätte eine andere politische Führung in Zagreb den übrigen Kroaten so etwas vermitteln können oder hieß Pro-Unabhängigkeit quasi automatisch Anti-Serbisch?

    Was hätte eine solche Regelung für Bosnien bedeuten können?
    Dein Bekannter zäumt das Pferd von hinten auf. Ein "minderheitenfreundliches" bzw. weniger serbisch dominiertes Jugoslawien hätte vielleicht auch länger Bestand gehabt.

  2. #22
    Avatar von skorpion

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    Beiträge
    3.739
    Zitat Zitat von Ivo2 Beitrag anzeigen
    Sorry, aber ist vollkommen falsch was dein Freund von sich gibt. Es gab Verhandlungen und auch eine Einigung zwischen Tudjman und Raskovic gab es 1990, dann wurden die Ängste geschürt und es kam Milan Babic. "Baumstammrevolution" übrigens schon 1990 und Beginn der Vertreibung der nicht-serbischen Bevölkerung, hauptsächlich Kroaten. Desweiteren wurde der Krieg schon ab Mai 1990 in Knin von serbischer Seite vorbereitet.
    Republik Serbische Krajina

    Übrigens war es das Siedlungsgebiet der Kroaten und erst im 16 Jahrhundert wurden dort von den Österreichern Serben angesiedelt.

    Lesenswert:

    Jg. 7/2-95 Grandits
    Ich bin in der Materie nicht firm, deshalb habe ich das hier mal zur Diskussion gestellt. Es ist wie gesagt die persönliche Meinung eines damals jungen Mannes, begründet auf seinen persönlichen Eindrücken, Erfahrungen und Kenntnissen innerhalb seines Umfeldes. Man kann wohl davon ausgehen, daß er nicht alle politischen Pläne und Aktionen gekannt hat, die es gegeben hat und sicher kann das Meinungsbild ein paar Dörfer weiter ganz anders ausgesehen haben.

    Allerdings vermute ich, daß auch die Sezession Kroatiens bereits 1990 und davor in verschiedenen Köpfen und Schreibtischschubladen anfing, Gestalt anzunehmen.

    Ausgehend davon, daß wir jetzt das 21. Jahrhundert schreiben, finde ich, daß das 16. Jahrhundert mit einem halben Jahrtausend schon solange her ist, daß man den dort von den Österreichern angesiedelten Serben mittlerweile schon ein gewisses Heimatrecht zusprechen sollte. Sonst könnte man quasi alle Grenzen in Frage stellen, schließlich gehen die heutigen Staatsgrenzen auf dem Gebiet der ehemaligen SFRJ zu einem Großteil ja auch noch auf die KuK-Verwaltung zurück (teilweise eben auch in Widerspruch zu den tatsächlichen ethnischen Gegebenheiten). Vielleicht müßte man auch getrennt betrachten, was gewöhnliche Leute auf der Straße gedacht haben und was die politischen Führer für Ambitionen hatten.

  3. #23
    Avatar von skorpion

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    Zitat Zitat von Ferdydurke Beitrag anzeigen
    Dein Bekannter zäumt das Pferd von hinten auf. Ein "minderheitenfreundliches" bzw. weniger serbisch dominiertes Jugoslawien hätte vielleicht auch länger Bestand gehabt.
    Das kann durchaus so richtig sein, auch wenn ich finde, daß das föderale Jugoslawien den einzelnen Teilrepubliken ziemlich weitreichende Kompetenzen zur Regelung ihrer inneren Angelegenheiten gegeben hat. Kritikpunkte waren eigentlich eher auf nationaler Ebene angesiedelt. Dabei ist es aber eigentlich normal, daß die Hauptstadtregion bestimmte Privilegien hat, das ist in anderen Staaten auch nicht anders, nur ist da meist kein Nationalitätenkonflikt. Eigentlich wurde, schon aus wirtschaftlichem Interesse, Kroatien (Küste) und Slowenien recht stark gefördert.

    Aber das war ja nicht der Ausgangspunkt. Ich hätte mir jedenfalls vorstellen können, daß man die dort angesiedelten Serben ohne größere Umstände mit ins Boot hätte holen können. Es ist für mich nicht einschätzbar, ob sie dann dennoch militärische Aktionen von jugoslawischer Seite unterstützt hätten. Immerhin lag es ja auf der Hand, daß die Auseinandersetzungen unmittelbar in ihrer Heimat ausgetragen worden wären und daß sie im Falle einer Niederlage nicht hätten zurückkehren können. Aber die Vernunft hat in dieser Zeit ja nicht unbedingt regiert.

  4. #24
    Avatar von Ivo2

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    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Ich bin in der Materie nicht firm, deshalb habe ich das hier mal zur Diskussion gestellt. Es ist wie gesagt die persönliche Meinung eines damals jungen Mannes, begründet auf seinen persönlichen Eindrücken, Erfahrungen und Kenntnissen innerhalb seines Umfeldes. Man kann wohl davon ausgehen, daß er nicht alle politischen Pläne und Aktionen gekannt hat, die es gegeben hat und sicher kann das Meinungsbild ein paar Dörfer weiter ganz anders ausgesehen haben.


    Ich kann schon die persönlichen Eindrücke nachvollziehen. Milosevic's Propaganda hat ja schon 1986 angefangen. Und zu allem Überfluss erschien noch das Memorandum der serbischen Akademie der Wissenschaft und Künste
    SANU-Memorandum

    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Allerdings vermute ich, daß auch die Sezession Kroatiens bereits 1990 und davor in verschiedenen Köpfen und Schreibtischschubladen anfing, Gestalt anzunehmen.


    1990 schon, aber davor kaum.
    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Ausgehend davon, daß wir jetzt das 21. Jahrhundert schreiben, finde ich, daß das 16. Jahrhundert mit einem halben Jahrtausend schon solange her ist, daß man den dort von den Österreichern angesiedelten Serben mittlerweile schon ein gewisses Heimatrecht zusprechen sollte. Sonst könnte man quasi alle Grenzen in Frage stellen, schließlich gehen die heutigen Staatsgrenzen auf dem Gebiet der ehemaligen SFRJ zu einem Großteil ja auch noch auf die KuK-Verwaltung zurück (teilweise eben auch in Widerspruch zu den tatsächlichen ethnischen Gegebenheiten). Vielleicht müßte man auch getrennt betrachten, was gewöhnliche Leute auf der Straße gedacht haben und was die politischen Führer für Ambitionen hatten.
    Ein Heimatrecht hat den Serben 1991 niemand abgesprochen, nur leider wurde den Kroaten seit August 1990 ihr Heimatrecht dort abgesprochen.
    Siehe auch Geständnis von Milan Babic vor dem ICTY:
    I come before this Tribunal with a deep sense of shame and remorse. I have allowed myself to take part in the worst kind of persecution of people simply because they were Croats and not Serbs. Innocent people were persecuted; innocent people were evicted forcibly from their houses; and innocent people were killed. Even I learned what had happened, I kept silent. Even worse, I continued in my office, and I became personally responsible for the inhumane treatment of innocent people.

    The regret that I feel is the pain that I have to live for the rest of my life. These crimes and my participation therein can never be justified. I'm speechless when I have to express the depth of my remorse for what I have done and for the effect that my sins have had on the others. I can only hope that by expressing the truth, by admitting to my guilt, and expressing the remorse can serve as an example to those who still mistakenly believe that such inhumane acts can ever be justified. Only truth can give the opportunity for the Serbian people to relieve itself of its collective burden of guilt. Only an admission of guilt on my part makes it possible for me to take responsibility for all the wrongs that I have done.

    I hope that the remorse that I expressed will make it easier for the others to bear their pain and suffering. I have come to understand that enmity and division can never make it easier for us to live. I have come to understand that our -- the fact that we all belong to the same human race is more important than any differences, and I have come to understand that only through friendship and confidence we can live together in peace and friendship, and thus make it possible for our children to live in a better world.

    I have asked help from God to make it easier for me to repent, and I am thankful to God for making it possible for me to express my repentance. I ask from my brothers, Croats, to forgive us, their brother Serbs, and I pray for the Serb people to turn to the future and to achieve the kind of compassion that will make it possible to forgive the crimes. And lastly, I place myself at the full disposal of this Tribunal and international justice.

  5. #25
    Esseker
    Die hatten ihre Chance.

  6. #26
    Ya-Smell
    Wieso denken Serben eigentlich immer ein Sonderrecht haben zu müssen? Egal ob sie 2%, 5 % oder 10% der Bevölkerung ausmachen? Siehe Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, BiH.

    Für die muss das ja echt sowas wie Sklaverei sein, als Minderheit zu leben.

    So eine Denkweise kommt nur zu stande, wenn man denkt, dass das Land in dem man lebt einem selbst gehört, egal wie gering man vertreten ist, das wirds wohl auch sein.

  7. #27
    Avatar von marko92

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    745
    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Es ging darum, VOR den gewaltsamen Auseinandersetzungen eine Regelung zu schaffen, mit der auch die serbische Bevölkerung Kroatiens hätte leben können. Etwa zum Zeitpunkt vor dem Unabhängigkeitsreferendum hätte man diese Statusfrage geklärt haben müssen.

    Damit wäre es möglicherweise gar nicht erst zu serbischer Gegenwehr (vor Ort) gekommen und Beograd hätte auch keine Argumente gehabt.

    Z4 war einfach zu spät.
    Der Z4 Plan wäre doch wenigstens gegen ende eine friedliche lösung gewesen ABER??

    die serben konnten nicht genug kriiegen wenn es so einen Plan von anfang an gegeben hätte, wäre er auch abgelehnt worden....

    serben können nie genug kriegen...

    wenn man richtung Kosovo schaut sieht man was sie davon ZU RECHT haben....

  8. #28

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    26.02.2011
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    9.975
    Frage zu dem Thema?
    Hat es damals Serbische Bürger gegeben, die gegen eine Serbische Krajina waren?

  9. #29
    Avatar von Ivo2

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    Beiträge
    19.007
    Zitat Zitat von Serbian tourism Beitrag anzeigen

    Die Rede war nicht von der RSK sondern von Nord Dalmatien und der Lika.
    Auch dort gab es keine 80%

  10. #30
    Avatar von Ivo2

    Registriert seit
    13.07.2004
    Beiträge
    19.007
    Zitat Zitat von mujaga Beitrag anzeigen
    Frage zu dem Thema?
    Hat es damals Serbische Bürger gegeben, die gegen eine Serbische Krajina waren?
    Ja, sogar ein "Turboserbe" Jovan Raskovic.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jovan_Ra%C5%A1kovi%C4%87
    Als bekannteste seiner Arbeiten gilt die im Oktober 1987 dem fünften Kongress der Psychotherapeuten Jugoslawiens in Sarajevo vorgelegten Studie über „Gruppenpsychologie und Paranoia“. Darin vertrat er die These, dass „die Serben wegen ihrer psychologischen Überlegenheit die Kroaten und Bosniaken dominieren müssten“.

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