Sozialisten beharren auf Szili - Fidesz bringt Amtsinhaber Madl ins Spiel, obwohl er zwei Mal abgewunken hat

Budapest - Die vier im ungarischen Parlament vertretenen Parteien haben sich am Dienstag nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten für die Wahl des neuen Staatspräsidenten am 6. Juni einigen können. Die Kandidatin der regierenden Sozialisten (MSZP), Parlamentspräsidentin Katalin Szili, fand erwartungsgemäß nicht die Unterstützung der oppositionellen Fidesz-Ungarischer Bürgerverband, die für eine zweite Amtszeit von Staatspräsident Ferenc Madl oder den ehemaligen Präsidenten des Verfassungsgerichts, Laszlo Solyom, eintritt.

Umfrage: Szili hinter Madl und Solyom

Fidesz-Vizefraktionschef Zoltan Pokorni betonte jedoch die Bereitschaft seiner Partei für einen gemeinsamen Kandidaten aller vier Parteien. Er verwies aber auf eine Umfrage seiner Partei unter Bürgern, bei der Szili hinter Madl und Solyom erst an dritter Stelle gelegen war.

Die Initiatorin des Treffens, Ibolya David, von der kleinen Oppositionspartei MDF (Demokratenforum), gab den Sozialisten die Schuld am Scheitern der Gespräche. Man habe keinen gemeinsamen Kandidaten gefunden, weil die MSZP auf Szili beharrt hätten. David sprach sich für Solyom aus, zeigte sich aber auch bereit, einen anderen Kandidaten zu unterstützen, der nicht mit der kommunistischen Vergangenheit des Landes in Zusammenhang gebracht werden könne.


"Komischer" Vorschlag

Der Vizechef der mitregierenden Liberalen (SZDSZ), Ivan Petho bezeichnete den Fidesz-Vorschlag, Ferenc Madl zu unterstützen, als "komisch". Petho wies darauf hin, dass Madl schon zwei Mal eine erneute Kandidatur zurückgewiesen hatte. Die SZSDZ hatte sich in der Vorwoche für einen gemeinsamen Kandidaten aller Parlamentsparteien ausgesprochen, weil sie Vorbehalte gegen Szili hegt. Der neue Präsident solle nämlich kein aktiver Politiker sein. Möglicher Kandidat sei der frühere Radiodirektor Csaba Gombar.

In Ungarn wird der Staatspräsident vom Parlament gewählt. Im ersten und zweiten Wahlgang ist dabei eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig, im dritten reicht die absolute Mehrheit der Stimmen. Die Kandidaten für die Präsidentenwahl können bis 30. Mai nominiert werden. Madls Amtszeit läuft am 4. August aus.