Ungarn: Sozialisten entscheiden über Präsidentschaftskandidaten
Parlamentspräsidentin Szili gilt als Favoritin bei Parteitag

Budapest - Die regierenden Sozialisten (MSZP) in Ungarn wollen am Freitag auf ihrem Parteitag über ihren Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden Staatspräsidenten Ferenc Madl abstimmen. Während die Mehrheit der MSZP-Parteiorganisationen weiterhin an Parlamentspräsidentin Katalin Szili als Anwärterin auf das höchste Amt im Staat festhält, lehnt der kleine liberale Koalitionspartner SZDSZ die beliebte Sozialistin nach wie vor als "Parteipolitikerin" ab. Der Streit in der Koalition über einen gemeinsamen Kandidaten hat viele MSZP-Parteitagsdelegierte verunsichert, schreibt die ungarischen Tageszeitung "Magyar Hirlap" in ihrer Freitag-Ausgabe.

Das Blatt betont nach einer Umfrage, dass die sozialistischen Regionalorganisationen der Komitate Baranya, Borsod und Bacs-Kiskun für Szili stimmen werden, während jene der Komitate Csongrad und Zala mit den "Pragmatikern" Ferenc Glatz, dem Ex-Präsidenten der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, und mit Ex-Justizminister Peter Barandy als Kandidaten sympathisieren. Sie fordern, dass jemand nominiert wird, der auch von der SZDSZ akzeptiert wird.

Die Liberalen haben keine Einwände gegen Glatz oder Barandy, lehnen allerdings neben Szili jedoch auch Ex-Premier Gyula Horn als mögliche Staatsoberhäupter ab. In Ungarn wird der Präsident vom Parlament gewählt. Die Wahl ist im Juni geplant.

Falls die 602 MSZP-Delegierten am Freitag keinen annehmbaren Kandidaten finden, sei die Einberufung eines weiteren Parteitages durchaus möglich, schreibt "Magyar Hirlap". Die Suche, die in geheimer Abstimmung erfolgt, könnte "Überraschungen" bringen. Nominiert wird derjenige, der mindestens 50 Prozent Zustimmung erhält. Falls das keiner der Anwärter schafft, findet eine Stichwahl zwischen dem Erst- und dem Zweitplatzierten statt.

Auf Grund der Differenzen zwischen MSZP und SZDSZ in der Präsidenten-Frage soll es zu keinem innerparteilichem Bruch bei den Sozialisten kommen, wie einige Genossen es wohl möchten, so das Blatt weiter, das einen Zweikampf zwischen Szili und Glatz voraussagt. Ungarns sozialistischer Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany wird zwar auf dem Parteitag sprechen, dürfte dabei aber keine Präferenz für einen der beiden zum Ausdruck bringen, hieß es.