Hinterbliebene des Massakers wollen Niederlande verklagen

Die Kläger werfen der Regierung in Den Haag vor, ihre Schutzpflicht gegenüber der Bevölkerung verletzt zu haben.

Den Haag - Das Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen in Den Haag hat am Donnerstag mit Anhörungen über die Möglichkeit einer Zivilklage gegen die Niederlande wegen des Massakers von Srebrenica begonnen. "Die Kläger haben das Gefühl, dass ihre Angehörigen auf dem niederländischen Militärgelände nicht ausreichend geschützt waren", sagte Untersuchungsrichter Bart Punt zum Auftakt des vorbereitenden Beweisverfahrens, das bis Juli dauern soll. "Sie glauben auch, dass es Anzeichen dafür gegeben hat, dass Massenhinrichtungen verübt wurden beziehungsweise bevorstanden."

Bei der ersten Anhörung ging es vor allem um den Fall des bosnischen Elektrikers Rizo Mustafic, der in der ostbosnischen Stadt für die niederländische Armee gearbeitet hatte und später offenbar von serbischen Truppen getötet wurde. "Bei einem zivilrechtlichen Verfahren wollen wir beweisen, dass der niederländische Staat unrechtmäßig gehandelt hat", sagte die Anwältin von Mustafics Familie, Liesbeth Zegveld.

Verletzung der Schutzpflicht

Srebrenica hatte seinerzeit unter dem Schutz von niederländischen UN-Soldaten gestanden. Die Kläger werfen der Regierung in Den Haag vor, ihre Schutzpflicht gegenüber der Bevölkerung verletzt zu haben: Serbische Truppen töteten in der Stadt im Juli 1995 mehr als 7.000 bosniakische Burschen und Männer, ohne dass die Niederländer dies verhindern konnten.

Das Massaker von Srebrenica gilt als das größte Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Als Hauptverantwortliche werden der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und sein General Ratko Mladic gesucht. Der Bosnien-Krieg dauerte von 1992 bis 1995.

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