Richter werfen Angeklagtem Verzögerungstaktik vor - Art der Kreuzverhöre "zwecklos"
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UNO-Tribunal

Den Haag - Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic am Montag zur schnelleren und gezielteren Zeugenbefragung aufgefordert. Die Richter warfen dem 63-jährigen Milosevic vor, das ins vierte Jahr gehende Verfahren unnötig in die Länge zu ziehen. "Sie bewegen sich im Kreis und verbrauchen viel Zeit. Sie haben nur eine bestimmte Anzahl an Tagen, Ihren Fall zu präsentieren, und Sie sollten Ihre Zeit gescheiter nutzen", sagte der vorsitzende Richter Patrick Robinson dem Angeklagten.

Dem Gericht zufolge hat Milosevic bisher 28 der 150 Prozesstage zu seiner Verteidigung genutzt. Die Art der dabei geführten Kreuzverhöre bezeichneten die Richter als "zwecklos". Darüber hinaus musste der Prozess wegen gesundheitlicher Probleme des Angeklagten mehrfach unterbrochen werden. Im vergangenen Jahr hatte das Gericht ein Ende des Prozesses für den kommenden Oktober anvisiert.

Milosevic werden Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in den neunziger Jahren auf dem Balkan angelastet. Der gelernte Jurist pocht auf sein Recht, sich selbst zu verteidigen. Als Zeugen will er unter anderem den britischen Premierminister Tony Blair und den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton vorladen. Zugleich weigert er sich, das Tribunal anzuerkennen und hat daher weder auf schuldig noch auf unschuldig plädiert. Allerdings wurden Anträge auf unschuldig für ihn eingereicht. (APA/Reuters)

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