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"Unsere Politiker sollten das Kosovo abschreiben"

Erstellt von Yutaka, 30.10.2007, 10:39 Uhr · 3 Antworten · 537 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Yutaka

    Registriert seit
    13.01.2006
    Beiträge
    4.998

    "Unsere Politiker sollten das Kosovo abschreiben"

    "Unsere Politiker sollten das Kosovo abschreiben"


    Nur jeder zehnte Serbe befürwortet Krieg um Provinz

    Belgrad - Mit Tränen in den Augen stehen rund 100 Frauen im Belgrader Pionier-Park gegenüber dem Amtssitz von Präsident Boris Tadic. Milka Jakovljevic (56) küsst das leicht vergilbte Foto ihres Sohns Sinisa, der im August 2000 von Kosovo-Albanern entführt wurde. Er war damals 18 Jahre alt. Sie hat nur noch die Hoffnung, dass seine Gebeine gefunden werden mögen, um die sterblichen Überreste ihres Sohns begraben zu können.


    Wenn Carla Del Ponte, die Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals, nach Belgrad reist, steht Milka Jakovljevic immer am Wegesrand. "Sie soll wissen, dass wir Serben die Opfer sind", sagt sie. Serbiens Außenminister Vuk Jeremic erinnerte gerade wieder an die 200 000 Vertriebenen, seit das Kosovo unter der Verwaltung der Vereinten Nationen steht. In erster Linie Serben, aber auch Roma und andere Minderheiten. Die wenigsten kehrten in das Kosovo zurück. Allein 150 serbisch-orthodoxe Kirchen wurden in den letzten acht Jahren zerstört. In Belgrader Regierungskreisen feilt man derweil an den letzten Evakuierungsplänen für die noch rund 100 000 verbliebenen Serben im Kosovo. Denn bis zum 10. Dezember sollen sich Pristina und Belgrad über den zukünftigen Status der Provinz einigen. Doch aus Kosovo-albanischen Kreisen heißt es: "Nach Ablauf der Gespräche erklären wir die Unabhängigkeit des Kosovo."


    Serbiens Premierminister Vojislav Kostunica soll mit dem Kopf geschüttelt haben, als er hörte, dass mindestens 25 der 27 EU-Mitgliedsländer der einseitigen Unabhängigkeit des Kosovo zustimmen würden. "Das Kosovo gehört zu Serbien", sagte er den serbischen Medien, "eine einseitige Unabhängigkeitserklärung widerspricht dem internationalen Recht." Rund 37 Prozent der Serben befürworten derzeit einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den Ländern, die einer einseitigen Unabhängigkeit zustimmen. Kostunica jedenfalls will beides zur Chefsache erklären: den Erhalt des Kosovo innerhalb der Grenzen Serbiens und den Erhalt der bosnischen Serbenrepublik.


    "Was interessiert mich das Kosovo oder die bosnische Serbenrepublik?", fragt Ksenija Sarancic (23), eine Belgrader Filmstudentin. Ksenija möchte nach Berlin, London und Amsterdam. Doch für ein Visum braucht sie eine Einladung und eine Auslandskrankenversicherung. Das allein kostet sie mindestens 150 Euro. Europa liegt für die junge Serbin in weiter Ferne. "Unsere Politiker sollten sich um den EU-Beitritt bemühen", sagt sie, "und das Kosovo abschreiben." Ksenija sympathisiert mit der Liberaldemokratischen Partei des ehemaligen Zoran-Djindjic-Zöglings und Studentenführers Cedomir Jovanovic. "Das Kosovo regiert seit mehr als acht Jahren unabhängig von Belgrad", sagt Jovanovic. In Serbien gilt er als Vaterlandsverräter. Erst neulich fanden Sicherheitsexperten einen Sprengsatz unter seinem Auto.


    Ksenijas Freund Nebojsa (27) ist Videokünstler. "Serbien war immer Spielball der Großmächte. Unter den Türken, den Habsburgern, und derzeit bestimmen die Amerikaner und Europäer unser Schicksal", sagt er. Nebojsa wünscht sich für Serbien einen Staat wie die Schweiz. Mit unterschiedlichen Ethnien, die friedlich zusammenleben, unabhängig von Auflagen der Europäischen Union und der Nato.
    Laut einer Umfrage vom Zentrum für Freie Wahlen und Demokratie (Cesid) würden derzeit 41 Prozent der Serben auf einen EU-Beitritt verzichten, wenn sie dadurch das Kosovo innerhalb der Grenzen Serbiens retten könnten. "Im Kosovo stehen unsere Klöster", sagt Nebojsa, "keiner hat das Recht, sie uns zu nehmen." Doch einen neuen Krieg lehnt der Künstler entschieden ab. Lediglich zehn Prozent der Serben befürworten derzeit einen Krieg um die Provinz.


    Damit die EU das bereits vorliegende Assoziierungsabkommen mit Serbien in Kraft setzen kann, wartet man in Brüssel auf einen positiven Bericht von Carla Del Ponte, der die volle Zusammenarbeit Belgrads mit dem Tribunal bestätigt. Und dazu gehört in erster Linie die Festnahme des noch immer flüchtigen Ratko Mladic. Der ehemalige Befehlshaber der bosnisch-serbischen Armee wurde 1995 vor dem Haager UN-Tribunal angeklagt. Bis heute hat die serbische Regierung es versäumt, ihn zu verhaften. Doch seit ein paar Wochen gibt es in Serbien eine Kriegsverbrecher-Hotline. Dort können anonym Hinweise auf den Verbleib des Generals eingehen.
    Vladimir Vukcevic, Koordinator für die Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal, meint: "Wir bekommen täglich Anrufe." Doch die eine Million Euro Belohnung für den Hinweis, Ratko Mladic tatsächlich zu verhaften, sind noch nicht gezahlt worden. Ein Mitarbeiter des serbischen Polizeidirektors Milorad Veljovic, der seinen Namen nicht nennen mag, meint: "Es gibt leider undichte Stellen im Geheimdienst, in der Polizei und beim Militär." Noch immer sehen viele Serben Ratko Mladic als serbischen Helden. Bis 2004 soll das Militär Mladic bei seiner Flucht geholfen haben. "Kein Serbe wird Ratko Mladic für Geld verkaufen", sagt ein Belgrader Streifenpolizist, dessen Vater in Bosnien kämpfte und vor zehn Jahren im Kosovo erschossen wurde. Sollte die Provinz unabhängig werden, will der junge Polizist mit der Freischärlergruppe des "heiligen Lazars" für Serbien kämpfen.


    Die serbischen Präsidentschaftswahlen sollen noch vor Ende des Jahres stattfinden, wahrscheinlich am 9. Dezember. Premier Kostunica und sein Bündnispartner haben angedeutet, die Wahlen zu boykottieren, denn die ungeklärte Kosovo-Frage raube ihnen die Zeit. "Lediglich die Amerikaner und die Kosovo-Albaner haben ein Interesse an den Wahlen zu diesem Zeitpunkt", sagt ein Kostunica-Berater. Westliche Diplomaten hoffen, dass Präsident Tadic eine weitere Amtszeit übernehmen wird. Sein Kontrahent Tomislav Nikolic von den ultranationalen Radikalen aber hat gute Chancen, enttäuschte Kostunica-Wähler auf seine Seite zu ziehen.

  2. #2
    Avatar von Cigo

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    7.854
    dafür gibt es einen sammelthread

  3. #3
    Avatar von Schiptar

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    14.116
    Zitat Zitat von Cigo Beitrag anzeigen
    dafür gibt es einen sammelthread
    Wie lautet der?

  4. #4

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    Zitat Zitat von Schiptar Beitrag anzeigen
    Wie lautet der?
    "Unsere Politiker sollten das Kosovo abschreiben"

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