Stuttgart - Rund 15 Monate nach einem Blitzeinbruch auf ein Juweliergeschäft in Stuttgart ist ein Tatverdächtiger in Mailand (Italien) gefasst worden. Wie das Landeskriminalamt (LKA) am Freitag in Stuttgart mitteilte, soll der 36 Jahre alte Mann aus Serbien-Montenegro mit bisher unbekannten Komplizen nachts mit einem Wagen ins Schaufenster des Juweliergeschäfts gefahren sein. Die Räuber erbeuteten Uhren im Wert von mehreren hunderttausend Euro. Über den Verbleib der Beute liegen keine Informationen vor.

Der Tatverdächtige sitzt in Baden-Württemberg in Untersuchungshaft. Gegen ihn gibt es einen weiteren Haftbefehl des Amtsgerichts Bremen. Dort soll er im April 2004 an einem Blitzeinbruch in ein Juweliergeschäft beteiligt gewesen sein. Die Ermittler prüfen, ob der 36-Jährige auch für weitere Straftaten im Bundesgebiet in Betracht kommt.

Das LKA war zunächst davon ausgegangen, dass die polnische "Koszalin-Bande" für den Überfall in Stuttgart verantwortlich war. Doch auch eine Bande aus dem ehemaligen Jugoslawien verübt seit Jahren Blitzeinbrüche auf Juweliergeschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ob der 36-jährige Verdächtige dieser Gruppierung angehört, müsse geklärt werden, hieß es.

Die "Koszalin-Bande" hat seit August 2001 bundesweit Juweliere nach dem immer gleichen Muster überfallen: Die maskierten Täter stürmen überraschend in ein Geschäft, einer bedroht die anwesende Kundschaft, ein zweiter zerschlägt mit einem Hammer die Glasvitrinen und entwendet die wertvollsten Uhren. Die brutalen Überfällen dauern oft nur wenige Sekunden.

Den Namen hat die kriminelle Gruppe von der nordpolnischen Gemeinde Koszalin, aus der die meisten der etwa 200 Mitglieder kommen. Wegen ihrer Vorgehensweise wird sie gelegentlich auch als "Hammer"- oder "Rolex-Bande" bezeichnet. Insgesamt sollen bundesweit 160 Überfälle auf das Konto der Gruppe gehen. Der Gesamtwert der Beute wird auf 35 bis 40 Millionen Euro beziffert.

Die Ermittlungsgruppe "Elster" des Landeskriminalamtes wurde im Oktober 2004 eingerichtet und ermittelt zentral für Baden-Württemberg gegen Straftäter aus dem ehemaligen Jugoslawien, die im Verdacht stehen, als Blitz-Einbrecher ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

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