Die Balkanesen führen die ausländischen Geheimdienste an der Nase herum.

"indem sie ein mit modernster Abhörtechnik ausgestattetes Fahrzeug des MI6 im Zentrum Zagrebs in die Luft sprengten."

Spiegel 16/2005

Ungeliebte Spione

Allzu offensichtliches Zögern bei der Suche nach Kriegsverbrechern warf das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag bislang den Regierungen in Belgrad und Zagreb vor. Jetzt stellt sich allerdings heraus, dass sowohl die amerikanische CIA, der britische MI6 und angeblich auch der deutsche BND gemeinsam mit den lokalen Sicherheitskräften die Kriegsverbrecher jagten - und ebenso erfolglos blieben. Der ehemalige serbische Premier Zoran Zivkovic enthüllte, dass aufgrund von Absprachen mit der US-Regierung Agenten des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes im Jahr 2003 Dutzende Hinweise über mögliche Aufenthaltsorte von Ex-General Ratko Mladic und dem einstigen bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic überprüften. Um Washington gewogen zu stimmen, soll der serbische Geheimdienstchef der CIA schon 2001 das komplette Archiv der Sicherheitspolizei überlassen haben. Kroatien wiederum hatte dem englischen Geheimdienst MI6 erlaubt, den flüchtigen Ex-General Ante Gotovina gemeinsam mit einigen einheimischen Elite-Polizisten aufzuspüren - sehr zum Ärger nationalistischer Kreise innerhalb des eigenen Geheimdienstes. Diese revanchierten sich, indem sie ein mit modernster Abhörtechnik ausgestattetes Fahrzeug des MI6 im Zentrum Zagrebs in die Luft sprengten. Mittlerweile misstrauen Zagreb und Belgrad der internationalen Amtshilfe. Die Medien mutmaßen, die Suche nach Kriegsverbrechern sei für die westlichen Geheimdienste nur ein Vorwand gewesen, um in den Balkanstaaten ein gut organisiertes Spitzelnetz aufzubauen. Der BND, so glaubt die serbische Wochenzeitung "Evropa", sei in Serbien immer noch aktiv - vorzugsweise in der Provinz Vojvodina, wo neben der ungarischen und kroatischen Minderheit auch ein Rest von Volksdeutschen lebt.