29. März 2009 | 14:48 | |
Machthaber. Der Kärntner Slowene Valentin Inzko soll Bosnien-Herzegowina an die Europäische Union heranführen.
GERALD STOIBER

Valentin Inzko trat am Donnerstag sein Amt als Hoher Repräsentant und EU-Sonderbeauftragter in Sarajewo an. Inzko hat weit reichende Machtbefugnisse, kann Gesetze erlassen und politische Amtsträger entlassen. Bosnien-Herzegowina, ein fragiles Gebilde aus der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der Republika Srpska, gilt auch mehr als 13 Jahre nach dem Krieg als potenzieller Konfliktherd. Im SN-Interview spricht der österreichische Diplomat über seine Motive und Hoffnungen.



SN: Herr Botschafter, wie fühlen Sie sich als Staatsoberhaupt?
Valentin Inzko: Man fühlt eine gigantische Last der Verantwortung auf den Schultern, die ich im Leben bisher noch nicht hatte. Andererseits konnte ich auch dieses Angebot nicht ausschlagen, weil ich 17 Jahre Erfahrung habe mit dem Balkan. Die will ich jetzt einbringen. Ich kenne dort alle Sprachen, alle Traditionen und alle Probleme, aber auch die Politiker zweier Generationen.



SN: Sie hätten es wohl nicht gemacht, wenn Sie nicht etwas Optimismus hätten.
Inzko (strahlend): Ja, genau.




SN: Was macht Sie optimistisch?
Inzko: Der bosnische Mensch. Die Bosnier haben ja auch Kriege geführt. Aber sie sind im Grunde sehr gütige Menschen, sie pflegen die Freundschaft und die Gastfreundschaft. Und bei ihnen ist die Nachbarschaft etwas Heiliges. Der Nachbar ist fast wichtiger als der Verwandte. Dann ihre Talente. Jeder Fußballer kennt Zlatan Ibrahimovic, seine Eltern stammen aus Bosnien. Die Bosnier haben zwei Nobelpreisträger gehabt, die Goldene Palme von Cannes für Emir Kusturica oder einen Oscar im Jahr 2000 für Regisseur Danis Tanovic. Es gibt in Österreich glaube ich kein Lokal oder keine Baustelle, wo nicht Bosnier gut arbeiten. Der Charakter dieser Menschen gibt mir Hoffnung, dass dort ein Wandel möglich ist.



SN: Haben Sie schon Entscheidungen getroffen?
Inzko: Ich habe noch keine Entscheidungen getroffen. Selbstverständlich ist die Umsetzung des Dayton-Friedensabkommens meine erste Aufgabe und die Überwachung der Umsetzung, zweitens die Heranführung an die EU. Das geht natürlich nur in Etappen vor sich. Aber diese Perspektive ist für die Menschen ganz wichtig. Da sind sich alle drei Völker einig: alle wollen an die EU heran. Die Bosnier wollen Visaerleichterungen. Das ist aber nur möglich, wenn sie selbst ihren Beitrag dazu leisten. Aber die Menschen leiden unter dem Visazwang.



SN: Wie steht es mit der EU-Erweiterung?
Inzko: Es gibt eine gewisse Balkan- und Erweiterungsmüdigkeit in gewissen Hauptstädten. Andererseits haben die EU-Außenminister die Beitrittsperspektive für die Westbalkanstaaten gerade erst wieder bestätigt. Aber natürlich müssen die Länder dann auch mitmachen. Das Tempo können sie selbst bestimmen. Zum Beispiel ist Mazedonien beim Thema Visaerleichterung schon sehr weit. Die arbeiten mit biometrischen Daten und haben ein Rückübernahmeabkommen, sie werden vielleicht früher grünes Licht als andere erhalten. Ich bin Optimist. Diese Länder sind europäisch. Die Menschen sind Europäer und sie verbindet auch eine europäische Zukunft. Diese Perspektive dürfen wir ihnen auch nicht nehmen. Andererseits dürfen wir auch nicht vergessen, dass es in anderen EU-Ländern Wahlen gibt, dass auch die Bevölkerung in dieser Wirtschaftskrise sich manchmal wünscht, dass die Erweiterung nicht so schnell fortschreitet. Gleichzeitig ist der Vertrag von Lissabon auch noch nicht unter Dach und Fach, der eine leichtere Entscheidungsfindung ermöglichen würde.



SN: Verliert Bosnien gegenüber anderen Westbalkanstaaten weiter an Terrain?
Inzko: Bei der EU-Annäherung ist die Gefahr nicht so groß, im Bereich der Wirtschaft ist sie größer. Es gibt eine große Wirtschaftskrise im bosniakisch-kroatischen Teil des Landes. Es gibt Budgetprobleme. Wir müssen uns überlegen, wie wir kreativ vorgehen können.



SN: Wie geht es mit der EU-Polizeimission weiter, die bis Ende 2009 verlängert ist?
Inzko: Die Polizeimission ist notwendig. In Zukunft wird es vielleicht eine Reduzierung geben, so wie auch bei der militärischen Präsenz. Als ich Botschafter war in Bosnien-Herzegowina, gab es ursprünglich bis zu 60.000 Soldaten, jetzt sind es 2000 bis 3000. Die Qualität ändert sich. Früher war es ein Instrument zur Verhinderung des Krieges, jetzt ist es zum Teil eine Sache der Ausbildung.



SN: Welche Rolle hatten Sie beim EU-Außenministertreffen?
Inzko: Sie war bescheiden, weil hier waren Javier Solana, Olli Rehn und Benita Ferrero-Waldner, die sich alle mit dem Thema befassen. Gastgeber Karl Schwarzenberg hat mich vorgestellt. Der Applaus von den Außenministern hat mich aufgebaut, weil ich ja ihre Unterstützung brauche und allein nichts bewältigen kann.



SN: Was hat sich seit ihrem ersten Botschafterposten in Bosnien-Herzegowina bis heute am meisten verändert?
Inzko: Als ich in Bosnien war, 1996, war in den ersten vier Wochen die große Sensation eine Busverbindung zwischen dem Flughafen und der Stadt. Das war aber nicht ein Autobusunternehmen, sondern das Flüchtlichtshochkommissariat UNHCR hat das eingerichtet. Es waren fast alle Häuser zerbombt, das Gebäude der Botschaft war ausgebrannt. Das ist natürlich alles renoviert. Man kann auch in die andere Hälfte des Landes fahren ohne Angst. Früher war das für Einige nur mit Panzern möglich.
Es hat sich viel verändert, aber es geht zu langsam.



© SN/SW
Quelle: http://www.salzburg.com/nwas/index.php?article=DText/$k2dauoecp7~jes***w3~d8&img=&text=&mode=&section=n ewsletter&channel=nachrichten&sort=#

Sehr gut, ich hoffe nur das der auch was macht und net nur redet (wie die meisten).