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Wirtschaftliche Fakten über Jugoslawien damals und heute

Erstellt von Zurich, 30.10.2012, 19:07 Uhr · 71 Antworten · 3.895 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von skenderbegi

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    Zitat Zitat von Harput Beitrag anzeigen
    Die Schuldenzahlen für heute sind falsch. Woher hast Du diesen Dummsinn her?
    was noch niemand gefragt hat ist vorallem woher der zürich die zahlen hat.....
    weil er diese zahlen ohne quellen-angaben hier gepostet hat.


    Zu diesem Zeitpunkt ist die Verfügungsgewalt über Devisen bereits so weit regionalisiert, daß die Hauptdeviseneinnahmequellen des Bundes der Tourismus und die Überweisungen der ArbeitsemigrantInnen sind, die in Devisen auf die Banken kommen, jedoch in Dinar ausgezahlt werden. Die Schulden Jugoslawiens werden anteilig auf die Republiken verrechnet, so daß alle Republiken Schulden zu zahlen haben, von deren Aufnahme zum überwiegenden Teil nur die nordöstlichen Republiken profitierten. Die ärmeren Republiken sind überhaupt nicht in der Lage ihren Schuldenanteil zu zahlen. 1988 beträgt die Gesamtschuldenlast Jugoslawiens 21 Mrd. $ (7).

    Quellen: Der Teil "Grundlagen und Entwicklungen Jugoslawiens" folgt wo nicht anders angegeben in der Darstellung der Broschüre des Osteuropaarchivs Berlin: Jugoslawien: Klassenkampf-Krise-Krieg. (1) NZZ Folio 9/92 (2) Zahlen für 1947, SAG: Der Zerfall Jugoslawiens und der Krieg auf dem Balkan (3) Zeit 26.7.91 (4) Zeit 5.6.92 (5) Kommunismus udn Klassenkampf 11/80 (6) Osteuropaarchiv (7) ebenda (8) NZZ Folio 9/92 (9) Osteuropaarchiv (10) NZZ 12.9.92 (11) Zeit 2.11.90 (12) FAZ 7.4.87 (13) Zeit 26.7.91 (14) Zeit 2.11.90 (15) Meurer, Vollmer, Hochberger: Die Intervention der BRD in den jugoslawischen Bürgerkrieg (16) ebenda (17) Zeit 26.7.91 (18) NZZ 13.8.92 (19) Daten von vor dem Kriegsbeginn, NZZ Folio 9/92 (20) Knaurs Lexikon A-Z (21) Osteuropaarchiv, Vollmer et al., Lokalberichte Hamburg 17/92, Zeit 26.7.91, 5.6.92 (22) Osteuropaarchiv, NZZ Folio 9/92, SAG: Der Zerfall Jugoslawiens und der Krieg auf dem Balkan, FAZ 26.2.87, 2.3.87, 7.4.87.


    Die Argumentation Weißenbachers, welche er auf fast 500 Seiten voluminös ausbreitet, kann sich auf einige aussagekräftige Daten stützen. So zeigt der Autor, wie im Laufe der 1970er Jahre der Schuldenstand Jugoslawiens im Ausland von etwas über zwei Milliarden US-Dollar (1970) auf über 18 Milliarden US-Dollar (1980) rapide anwuchs. In den 1980er Jahren lag Jugoslawien damit nach einer Einstufung der Weltbank nach Brasilien, Mexiko, Argentinien, Nigeria, den Philippinen und Venezuela an siebter Stelle der Gruppe der „Highly Indebted Countries“. Den Höchststand der Verschuldung erreichte die SFRJ 1987 mit 22,471 Mrd. US-Dollar. Mit den anderen Entwicklungsländern teilte Jugoslawien dabei folgendes Problem: Hatten internationale Gläubigerbanken im Verlauf der 1970er Jahre – nicht zu letzt aus eigenem Interesse – ausgiebig Kredite erteilt, verteuerte sich deren Rückzahlung mit der von den USA Ende der 1970er Jahre eingeleiteten Hochzinspolitik schlagartig.

    Innenpolitisch brisant wurde diese Politik vor allem aus drei Gründen: So stellte erstens die von der Regierung Branko Mikulić (1986-1988) unter dem Druck der Finanzkrise eingeleitete immer offenere Abkehr vom Sozialismus das ideologische Selbstverständnis des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) und der Verfassung in Frage. Zweitens forderte eine in Folge der Austeritätspolitik schnell wachsende Arbeitslosigkeit und Verarmung eine Welle sozialer Proteste heraus. Laut Weißenbacher haben in den Jahren 1987 und 1988 insgesamt über eine halbe Million Beschäftigte an über 2.600 Streiks in Industriebetrieben teilgenommen (S. 210). Drittens verschärfte gleichzeitig diese Politik die Verteilungskämpfe zwischen den sechs Republiken und zwei autonomen Regionen der Föderation. Nach der Verfassung von 1974 verfügten diese über weitgehende wirtschaftspolitische Kompetenzen, die sie nun in einem für die gesamt-jugoslawische Volkswirtschaft destruktiven Konkurrenzwettkampf um die knapper werdenden Ressourcen einsetzten.

    Interessant ist dabei ein Aspekt, auf den Weißenbacher besonderes Augenmerk legt. Entgegen einer innerhalb und außerhalb der Nachfolgerepubliken Jugoslawiens häufig anzutreffenden Auffassung, der Staat sei „vom Westen zerschlagen worden“, setzten nach Darstellung des Autors die internationalen Finanzinstitutionen – und auch die Politik der USA und der EG – zumindest bis 1990 klar auf eine Stärkung der zentralen Bundesinstitutionen in Belgrad, weil nur diese potentiell in der Lage gewesen wären, das Finanzsystem der Föderation zu sanieren und die Austeritätspolitik effektiv durchzusetzen. Dieser Versuch gipfelte in der westlichen Unterstützung der letzten funktionsfähigen gesamtjugoslawischen Bundesregierung unter Ministerpräsident Ante Marković, der im März 1989 mit einem Programm der marktwirtschaftlichen Schocktherapie antrat. Die Politik der ausdrücklich auf den Staatserhalt zielenden Marković-Regierung stieß dabei aber trotz der Popularität des Ministerpräsidenten auf Blockade und Widerstand in den Republiken, vor allem im wohlhabenden Slowenien und Kroatien. Laut Weißenbacher verfolgten diese nämlich längst eine nationalistische Exit-Strategie aus dem jugoslawischen Wirtschaftschaos und strebten – ab Frühjahr 1991 vor allem von Deutschland und Österreich unterstützt – als selbständige Republiken in die EG. Das Fazit des Autors lautet deshalb: „Der IWF hatte auf die Stärkung des jugoslawischen Staates gesetzt, trug aber zu dessen Desintegration bei“ (S. 398).



    Osteuropa-Institut: Rezension 31

  2. #22
    Avatar von BIG-Eagle

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    Auf den Punkt gebracht.
    Wäre Jugoslawien ein Körper so wären Trepca und der kroatische Tourismus die Beine und Belgrad sowohl das Gehirn als auch der Mund , der all die Gelder gefressen hat.

  3. #23
    Avatar von Karoliner

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    Zitat Zitat von Ken Parker Beitrag anzeigen
    Ist zwar OT, aber das kann ich nicht so stehen lassen.

    Falsch! Die Schweiz wäre heute vielleicht nicht ganz so reich, aber bereits vor dem Bankenboom gehörte die Schweiz zu einer der entwickeltsten Industrienationen in Europa.
    Hust. Wo stand den die Schweiz 1937 ?

    Aber die Zahlen sind ohne Gegenüberstellung des BSP völliger Käse. Wieso wird nicht erwähnt, dass YU in den 80ern teilweise Probleme hatte, seine Auslandsschulden zu bedienen? Für HR bin ich mir ziemlich sicher, dass die Größenordnung 50 Mrd EUR (70 Mrd USD) stimmt.

  4. #24
    Avatar von Parker

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    Zitat Zitat von Karoliner Beitrag anzeigen
    Hust. Wo stand den die Schweiz 1937 ?
    Du pickst einzelne Jahre heraus? Überhaupt hatte die CH-Wirtschaft in den 30er-Jahren ihre Probleme, aber welche Wirtschaft hatte das nicht?

    Gemäss Roland Ruffieux lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz ab Mitte des 18. Jahrhundert, dem Beginn der Frühindustrialisierung, und dem Vorabend des Ersten Weltkriegs auf die folgende einprägsame Formel bringen: Um 1750 ist die Schweiz noch arm, 1848 ist sie schon wohlhabend und 1914 zieht sie mit den bedeutendsten Industrienationen gleich.
    Zitat Zitat von Karoliner Beitrag anzeigen
    Aber die Zahlen sind ohne Gegenüberstellung des BSP völliger Käse. Wieso wird nicht erwähnt, dass YU in den 80ern teilweise Probleme hatte, seine Auslandsschulden zu bedienen? Für HR bin ich mir ziemlich sicher, dass die Größenordnung 50 Mrd EUR (70 Mrd USD) stimmt.
    Teilweise? Ich verweise nochmal auf mein traumatisches Kindheitserlebnis, als ich mit einer 10-Dinar-Note ein Comic kaufen wollte, welches angeblich 10'000 Dinar kostete.

  5. #25
    Avatar von Karoliner

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    Zitat Zitat von Ken Parker Beitrag anzeigen
    Du pickst einzelne Jahre heraus? Überhaupt hatte die CH-Wirtschaft in den 30er-Jahren ihre Probleme, aber welche Wirtschaft hatte das nicht?

    Gemäss Roland Ruffieux lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz ab Mitte des 18. Jahrhundert, dem Beginn der Frühindustrialisierung, und dem Vorabend des Ersten Weltkriegs auf die folgende einprägsame Formel bringen: Um 1750 ist die Schweiz noch arm, 1848 ist sie schon wohlhabend und 1914 zieht sie mit den bedeutendsten Industrienationen gleich.


    Teilweise? Ich verweise nochmal auf mein traumatisches Kindheitserlebnis, als ich mit einer 10-Dinar-Note ein Comic kaufen wollte, welches angeblich 10'000 Dinar kostete.
    1937 war jetzt wirklich unabhängig von der Weltwirtschaftskrise. Ab 1937 dürften in größerem Stil Fluchtgeld, Geldwäsche und irgendwann von wohlhabenden Deutschen in die Schweiz geflossen sein.

    Hat Russland bzw der Zar nicht der Schweiz irgendwann Ende des 19. Jhd einen Notkredit zur Abwendung einer Hungersnot gewährt?

    10.000 Dinar Comic-Heft, das ist Wirtschaftspolitik, die der Bürger versteht! Gutes Beispiel!

  6. #26
    Avatar von Dadi

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    Zitat Zitat von Ken Parker Beitrag anzeigen


    Teilweise? Ich verweise nochmal auf mein traumatisches Kindheitserlebnis, als ich mit einer 10-Dinar-Note ein Comic kaufen wollte, welches angeblich 10'000 Dinar kostete.
    Bei soviel "dümmlichem" kindlichen Idealsimus hätte er es dir geben müssen

  7. #27
    Avatar von Parker

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    Zitat Zitat von Karoliner Beitrag anzeigen
    1937 war jetzt wirklich unabhängig von der Weltwirtschaftskrise. Ab 1937 dürften in größerem Stil Fluchtgeld, Geldwäsche und irgendwann von wohlhabenden Deutschen in die Schweiz geflossen sein.
    So unabhängig war das nicht. Wir hatten 1937 z.B. eine sehr hohe Arbeitslosenquote und diese verhält sich zu anderen Konjunkturfaktoren oft verzögert. Dabei handelte es sich noch um Nachwirkungen der Weltwirtschaftkrise. Ich bemühe nochmal Ruffieux, der sagt, die Krise sei in der Schweiz verzögert eingetreten, dafür dauerte sie länger.

    Zitat Zitat von Karoliner Beitrag anzeigen
    Hat Russland bzw der Zar nicht der Schweiz irgendwann Ende des 19. Jhd einen Notkredit zur Abwendung einer Hungersnot gewährt?
    Das mag sein. Ich bin kein Experte für Wirtschaftsgeschichte. Es ist ja nicht so, dass die Schweiz keine Probleme hatte. Es geht mir lediglich darum, dass die Schweiz nicht erst dank dem 2. WK bzw. dank Fluchtgeldern wohlhabend wurde, sondern dass sie zu den entwickeltsten Industrienationen gehörte.

    btw, falls es dich interessiert: UZH - Wirtschafts- und Sozialgeschichte online - Entwicklung der Schweiz 1850-2000

    Zitat Zitat von Karoliner Beitrag anzeigen
    10.000 Dinar Comic-Heft, das ist Wirtschaftspolitik, die der Bürger versteht! Gutes Beispiel!
    Zitat Zitat von Leech Beitrag anzeigen
    Bei soviel "dümmlichem" kindlichen Idealsimus hätte er es dir geben müssen
    Ihr versteht da was falsch! Ich bekam das Heft, denn es kostete 8 Dinar, aber im Volksmund kostete es 10'000 Dinar (bzw. waren es 8'000). Einige Monate zuvor wurden wieder mal 3 Nullen gestrichen.

  8. #28
    Avatar von Ilan

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    10.225
    Jugoslawien war aber auch mal bankrott, auch schon unter Tito. Nicht umsonst ist Jugoslawien so gefailt. Und dazu hatte der angebliche Held noch ein Konto in der Schweiz.

    Lang lebe Tito, der Menschenfreund.

  9. #29
    Schönling
    Jugoslawien wurde mit vereinten Kräften der westlichen Welt zerschlagen.
    Ein kommunistisches Land mit einer so hohen Lebensqualität wie westliche Länder, dass du durfte es einfach nicht geben !

    Interessant wäre zu wissen wie hoch andere Länder zu der Zeit verschuldet waren und wieso die bei höherer Verschuldung Kredite bekammen, und Jugoslawien dies verweigert wurde.

    Und kommt mir nicht mit der innenpolitischen Situation 1988, schließlich wurden die Kredite für Frankreich auch nicht abgedreht als die hunderten Jugendlichen die Städte zerstörten oder Spanien wegen den Basken usw..

    - - - Aktualisiert - - -

    Zitat Zitat von Ilan Beitrag anzeigen
    Jugoslawien war aber auch mal bankrott, auch schon unter Tito. Nicht umsonst ist Jugoslawien so gefailt. Und dazu hatte der angebliche Held noch ein Konto in der Schweiz.

    Lang lebe Tito, der Menschenfreund.

    Ich bin mir sicher du kannst mir noch andere Politiker nennen die dazu fähig waren das Jugoslawien nach dem 2WK zu einen international angesehen Staat zu entwickeln ?

  10. #30
    Yunan
    Fakt ist, dass Jugoslawien durch vom IWF und den USA unter Reagan geforderte sogenannten "Sparmaßnahmen" in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wurde. Die Folge davon waren die Kriege der '90er Jahre.

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